„Lass mich bitte nicht mehr los“

Weil er eine Schülerin massiv bedrängte: Lehrer kassiert weniger Gehalt

Eine Hand mit einem ausgestreckten Zeigefinger. Im Hintergrund steht ein Mann.
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Symbolbild: Ein Lehrer hat eine Schülerin massiv bedrängt. Nun kassiert er weniger Gehalt.

Weil er ein schweres Dienstvergehen begangen hat, soll ein Lehrer aus dem Landkreis Göttingen in den nächsten fünf Jahren ein niedrigeres Gehalt bekommen.

Göttingen – Das hat das Verwaltungsgericht Göttingen entschieden.

Das Gericht gab damit einer Disziplinarklage der niedersächsischen Landesschulbehörde statt. Die Behörde hatte gegen den Lehrer ein Disziplinarverfahren eingeleitet, nachdem bekannt geworden war, dass dieser in einem Chat-Kontakt eine 14-jährige Schülerin massiv bedrängt hatte.

Um einer Versetzung zu entgehen, habe der Lehrer außerdem fälschlicherweise behauptet, dass er als Söldner im Kosovo vier Kinder getötet habe. Nach Ansicht des Gerichts sind diese Vorfälle so gravierend, dass die Zurückstufung von der Besoldungsgruppe A 12 auf A 11 gerechtfertigt und angemessen sei (Aktenzeichen 5 A 3/18).

Der Lehrer war bereits vorher mehrmals disziplinarisch in Erscheinung getreten. Auch strafrechtlich fiel der Lehrer auf. Wegen Trunkenheit im Verkehr und Fahrens ohne Fahrerlaubnis wurde er zu zwei Geldstrafen verurteilt.

2015 leitete die Schulbehörde erneut ein Disziplinarverfahren ein. Zuvor war bekannt geworden, dass der Lehrer einen ausufernden Chatkontakt mit einer 14-jährigen Schülerin unterhalten hatte. Der Lehrer verfügte über ihre Kontaktdaten, weil er während einer von ihm geleiteten Projektwoche mit allen Teilnehmern die Handynummern ausgetauscht hatte.

Aus den Chat-Protokollen ergab sich, dass der Lehrer der 14-Jährigen mehr als eine Woche lang von frühmorgens bis spätabends, teilweise sogar nachts, jede Menge WhatsApp-Nachrichten geschickt hatte. An einem dieser Tage waren es 90 Nachrichten gewesen. Nach Ansicht des Gerichts befand sich der Inhalt auf dem Niveau einer „Schwärmerei“ (beispielsweise schrieb der Lehrer: „Lass mich bitte nicht mehr los“, wenig später: „ich möchte in deine Arme“).

Seitens des Lehrers habe der Chatkontakt aber auf eine vertiefte Beziehung abgezielt. So habe dieser die Schülerin dazu gedrängt, sich mit ihm zu treffen.

Die 14-Jährige hatte sich so sehr verfolgt gefühlt, dass sie sich ihren Eltern anvertraute. Mit dem „in Intensität und Zeit ausufernden Chat“ habe der Lehrer gegen das Gebot zu achtungs- und vertrauenswürdigem Verhalten verstoßen, rügte das Gericht. Er habe die Grenze zwischen Lehrer und Schüler überschritten und sich die Rolle eines Verehrers angemaßt.

Diese Grenzüberschreitung indiziere bei einem Lehrer einen Persönlichkeitsmangel, der Anlass zu Zweifeln an seiner beruflichen Eignung gebe. Um ihren Erziehungsauftrag glaubwürdig und überzeugend erfüllen zu können, müssten Lehrer „auf sittlichem Gebiet besonders zuverlässig und vertrauenswürdig“ sein. Diesem Auftrag sei der Lehrer nicht gerecht geworden. (pdi)

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