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An der Leine in der Göttinger Nordstadt ist es jetzt fast wie im Paradies

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Zwei Personen stehen am Fluss des Leine-Ufers in Weende
Termin vor Ort mit Marianne Tönsmann-Rätzke und Hans-Albert Ludolph: Die beiden zeigen und erklären die getroffenen Renaturierungs-Maßnahmen an der Leine. © Lutz Conrad

Im August 2021 beginnen im Norden von Göttingen aufwändige Maßnahmen zur Renaturierung der Leine. Nun zeigt sich der Erfolg der Maßnahmen.

Göttingen – Im August 2021 begannen im Norden von Göttingen aufwändige Maßnahmen zur Renaturierung der Leine. Heute, ein halbes Jahr nach Beendigung des Projektes am Weender Dragoneranger, sind die Ergebnisse gut sichtbar.

Die HNA hat sich gemeinsam mit Weendes Ortsbürgermeister Hans-Albert Ludolph und seiner Ortsratskollegin Marianne Tönsmann-Rätzke (beide SPD) auf den Weg gemacht, um sich bei einem Spaziergang entlang der neuen Leine ein Bild vor Ort zu machen. Fazit: Das Weender Naherholungsgebiet an der Leineaue hat sich zu einem richtig kleinen Paradies entwickelt.

Renaturierung der Leine in Weende ist ein Erfolg

Lange, lange hat es gedauert, bis das Projekt in Angriff genommen wurde. Bereits im März des Jahres 2000 (!) hatte die SPD im Göttinger Kreistag einen entsprechenden Antrag gestellt: „Das Leinetal hat sich in den letzten Jahrzehnten besonders von der Stadtgrenze bis an die Grenze zum Landkreis Northeim in ein landwirtschaftlich monotones Gebiet verwandelt“, hieß es in dem Papier.

Ein trostlos aussehendes Leine-Ufer
Die Leine bei Weende vor Beginn der Renaturierungsmaßnahmen. © Leineverband

„Das Leinetal ist auch ein vom Verkehr außerordentllich belastetes Gebiet, durch das die Autobahn A7, die ICE-Trasse, die Bahn-Trasse und die Neue B3 führt“, hatte Tönsmann-Rätzke den Antrag schon damals begründet. Leine und Weende würden sich in dem Gebiet „in einem naturfernen Zustand befinden“, hieß es weiter. Zwar wurden im Stadtgebiet zum Beispiel hinter der Lokhalle erste Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt, doch die Weender mussten darauf über 20 Jahre warten.

Die Leine am Weender Dragoneranger präsentierte sich bisher als ein monotoner Wasserabfluss-Kanal. Die Ufer fielen steil ins Wasser, es gab wenig große Bäume, die die Ufer säumten und Verstecke für Fische im Wasser gab es gar nicht. Die Leine war in ihrer ökologischen Funktion stark negativ beeinträchtigt. Der Hochwasserschutz hatte absolute Priorität und die Gewässerbiologie hatte das Nachsehen.

Als Konsequenz waren viele in und an der Leine natürlicherweise vorkommende Tier- und Pflanzenarten abgewandert oder ausgestorben.“Von ursprünglich 19 Fischarten waren nur noch fünf übrig geblieben“, so Tönsmann-Rätzke.

Renaturierung der Leine in Göttinger Nordstadt kostet eine Million Euro

Im Rahmen der Umsetzung der Ziele der EG-Wasserrahmenrichtlinie hatten sich der Leineverband und die Stadt Göttingen zusammengeschlossen und haben nun mit Hilfe von Fördergeldern des Landes Niedersachsen und der EU in Höhe von insgesamt 800.000 Euro die Leine in einen möglichst naturnahen Zustand überführt.

Die Maßnahmen auf einer Länge von 2.300 Metern zwischen den Brücken Autobahnzubringer und Eisenbahnstrecke nach Lenglern kosteten insgesamt eine Million Euro, die fehlenden 200.000 Euro steuerte die Stadt Göttingen als Besitzer der Flächen am Dragoneranger bei.

Durch gezielte Maßnahmen wie die Neuanlage eines Nebengerinnes sowie die Abgrabung von Oberboden sind nun Auenbereiche entstanden und die Gewässerstruktur ist deutlich verbessert worden. So können sich hier wieder Tiere und Pflanzen ansiedeln, die im oder am Gewässer leben. „Insgesamt wurden 11.000 Tonnen Steine und 29.000 Tonnen Erdmaterial entfernt, das entspricht in etwa 2.000 Lastwagen-Ladungen“, so die Rechnung von Friderike Kutz, Projektkoordinatorin beim Leineverband.

„Die Entfernung der vorhandenen Uferversteinungen befreit die Leine aus ihrem starren, kanalartigem Dasein. Durch das Einbringen von Strömungslenkern aus Totholz und Steinen wird in der Leine ab jetzt eine eigendynamische Bewegung initiiert, sodass neue Lebensräume auf natürliche Weise geschaffen werden“, fasst Leineverband-Geschäftsführer Jens Schatz zusammen.

Renaturierung der Leineaue schafft neue Lebensräume

Durch diese Strömungslenker soll zum einen die zum Teil hohe Fließgeschwindigkeit der Leine gebremst werden, um Laichplätze langfristig freizuhalten, unter Totholz können zudem wertvolle Fischunterstände geschaffen werden.

Direkt am Ufer der Leine wurden Erlen gepflanzt, da diese durch ihr Wurzelwerk ideal als Erosionsschutz und Beschattung zugleich dienen. Auch das Landschaftsbild der Leineaue soll dadurch verbessert werden.

„Die Leineaue ist für uns Weender als Naherholungsgebiet unverzichtbar. Die Renaturierungsmaßnahmen zeigen jetzt erste sichtbare Wirkung und ich bin mir sicher, das sich hier in Zukunft ein kleines Paradies entwickeln wird und zum Teil schon entwickelt hat. Ob Radfahrer, Spaziergänger, Paddler und Kanuten oder Naturfreunde, alle werden hier in Zukunft Entspannung und Erlebnis gleichermaßen finden“, freut sich Ortsbürgermeister Ludolph. (Lutz Conrad)

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