Katja Lewina stellt ihr Buch „Sie hat Bock“ vor

Lesung beim Literaturherbst in Göttingen: Von Schambehaarung bis zum Oralsex

Reden über Sex: Louisa Lorenz und Katja Lewina
+
Reden über Sex aus der Sicht der Frau: Sexualpädagogin Louisa Lorenz (links) und Autorin Katja Lewina beim Literaturherbst.

Selbstverständlich spricht Katja Lewina über Sex. „Sie hat Bock“ heißt ihr Buch – und sie spricht auch darüber. Ihren Abend beim Literaturherbst moderierte die Göttinger Geschlechterforscherin und Sexualpädagogin Louisa Lorenz.

Göttingen – Gemeinsam sprachen sie für die weibliche Lust und gegen weit verbreitete Vorurteile.

Mit Anfang 20 habe sie gedacht, dass der Feminismus obsolet sei, schreibt Katja Lewina. Damals habe sie geglaubt, sie könne – wie ein Mann – alles erreichen. Sobald sie Kinder hatten, habe sie anderes erfahren. Schnell habe sich das Paar in den Rollenbildern der 1950er Jahre gefunden: Der Mann war der, der rauskam und das Geld verdiente, Sie als Frau sollte für die Kinder da sein. Doch sie mochte nicht die sein, „die nur die Windeln wechselt“, bekannte die sympathische Autorin. Auch sie wollte raus, beruflich wie privat. So hätten sie und ihr Mann sich entschieden, ihre Beziehung für andere zu öffnen. Und nicht allein auf sexueller Ebene habe das ihr Leben positiv verändert.

Tabus waren ein großes Thema des Abends. Bis heute werde Penetrationssex als das Non plus Ultra angesehen. Doch Lewina und Lorenz machten deutlich: Das sei nicht alles. Wenn Frauen ihre Klitoris entdeckten, sei das wie ein zweiter Geburtstag.

Lewina erzählt von einer Beziehung, in der sie dem Mann über Monate einen Orgasmus vorgetäuscht habe. Aus der „Nummer“ sei sie nicht mehr rausgekommen. So entschied sich zum Geständnis. Und „ein Hoch auf die Wahrheit“: Beim Geschlechtsverkehr danach sei sie zum Orgasmus gekommen. Für Lewina ist es wichtig, Sex von Fortpflanzung zu trennen. Nicht immer gehe es um Babys. Sex könne sehr viel mehr bedeuten. Verräterisch falsch sei die Annahme vieler, dass es reiche, sich nur lieb genug zu haben. Immer wieder spricht Lewina dafür, dass man sich als Frau gründlich selbst erkundet.

Kritisch sieht sie, dass Frauen, die Lust haben auf Sex, schnell als Schlampen abgewertet würden. Für eine Frau gelte es, auf sich zu achten, um als Jungfrau in eine Beziehung zu gehen. Sie moniert: „Es gibt keine männlichen Schlampen.“ Allerdings sei es für Männer nicht so leicht, Partner für eine offene Beziehung zu finden. Mit einem Mann in festen Händen zu schlafen, sei für Frauen offenbar nicht attraktiv. Dagegen könnten Männer ohne Mühe fremdgehen. Denn dann könne die Geliebte hoffen, den offenbar unglücklichen Mann zum guten Schluss für sich zu ergattern. Wie andere Frauen hätte sie kein Problem, Partner neben ihrem Mann zu finden.

Lewina spricht über vieles: von Schambehaarung bis zum Oralsex. Und sie gibt zu: Auch bei ihr habe es lange gedauert, bis sie offen darüber reden konnte. Ein weiterer Schritt sei es gewesen, in der Öffentlichkeit frei darüber zu sprechen. Im ausverkauften Alten Rathaus hat sie dafür viel Applaus bekommen. (Ute Lawrenz)

Buch: Katja Lewina. „Sie hat Bock.“ Dumont Verlag, Köln. 2020. 20 Euro

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.