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Entwicklungshilfe statt Luxusleben: Ex-Fußballprofi Neven Subotic las aus seinem Buch

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Von: Melanie Zimmermann

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Trinkwasserbrunnen statt Elfmeter: Ex Fußballstar Neven Subotic leistet mit seiner Stiftung wichtige Arbeit in Afrika. Auch darüber schreibt er in seinem Bestseller „Alles geben“, das er in Göttingen präsentiert hat.

Göttingen – Als erfolgreicher Fußballprofi hat Neven Subotic zig Millionen verdient. Schnelle Autos, große Häuser, teure Urlaube – all das gehörte für den 34-Jährigen neben dem sportlichen Erfolg zu seinem Alltag. Auf dieser Reise hat er jedoch etwas Wichtiges verloren: sich selbst. Beim Literaturherbst in Göttingen las er aus seinem Buch „Alles geben“.

Es ist auch die Geschichte über das Zurückfinden zu sich selbst. Auch, wenn sein Auftritt etwas zurückliegt: Seine Botschaft an dem Abend ist eine, die nachhallt und dauerhaft von Bedeutung ist. Leider nicht mitspielen konnte der erkrankte Moderator Thomas Kopietz.

Literaturherbst Göttingen: Ex-Fußballprofi Neven Subotic las aus seinem Bestseller „Alles geben“

Das Leben umgekrempelt: Das hat der Ex-Fußball-Star Neven Subotic, der eine Stiftung zur Wasserversorgung in Afrika betreibt und beim Literaturherbst in der Funsporthalle des SC Hainberg in Göttingen las.
Das Leben umgekrempelt: Das hat der Ex-Fußball-Star Neven Subotic, der eine Stiftung zur Wasserversorgung in Afrika betreibt und beim Literaturherbst in der Funsporthalle des SC Hainberg in Göttingen las. © Dietrich Kühne

Bereits der Einstieg in den Abend ist besonders. Denn die Funsporthalle des SC Hainberg war einst eine Flüchtlingsunterkunft. „Vor genau sieben Jahren saßen hier Geflüchtete. Damit gibt es wohl keinen passenderen Ort für diese Veranstaltung, als diesen hier“, begrüßt Jörg Lohse, Präsident des SC Hainberg das Publikum. Und dann geht es los.

Neven Subotic erzählt von der Flucht seiner Familie vor dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien, von Transporten mit Hilfsgütern in die Heimat, die seine Eltern organisierten. Von den Jahren in Deutschland, in denen seine Familie „geduldet“ war und davon, wie sie schließlich – nach fast zehn Jahren im Schwarzwald – nach Amerika umzogen, um einer Abschiebung in die Heimat zu entgehen. Der Fußball zieht sich wie ein roter Faden durch die Erzählung seiner Geschichte.

Entwicklungshilfe statt Luxusleben: Ex-BVB-Star Subotic engagiert sich mit eigener Stiftung

Und so landet er schließlich bei dem Punkt, an dem er im Profigeschäft der Fußball Bundesliga angekommen war – und viel Geld verdiente. Ab dem Moment gab Subotic sein Geld für Luxus aus, denn: „Ich habe einfach das gemacht, was alle anderen auch zu machten. ‘Reiche Leute kaufen teure Dinge’, das dachte ich damals. Und das wird einem in unserer Gesellschaft auch so suggeriert“, sagt der 34-Jährige.

Sein damaliger Berater unterstützte den jungen Fußballprofi, beriet ihn. „Er zeigte mir einmal ein Haus: 220 Quadratmeter, 1000 Quadratmeter Garten, für mich alleine, 750.000 Euro. Ich habe es gekauft, weil ich dachte: Das macht man doch so.“ Heute wisse er nicht nur, dass das Haus völlig überteuert gewesen sei.

Ich habe so viel Geld für Dreck ausgegeben.

Neven Subotic

Sondern auch, dass ihn all der Luxus nie glücklich gemacht hat. Für junge Leute möge sich das, was er erzählt, cool anhören, sagte Subotic, aber: „Das war es nur bedingt. Es war vergeudete Zeit. Ich habe so viel Geld für Dreck ausgegeben.“

Nevens sportliche Entwicklung ging nicht Hand in Hand mit persönlicher Entwicklung

Sein sportlicher Erfolg habe sich zu dem Zeitpunkt angefühlt, als säße er in einem Auto, das mit 300 km/h über eine leere Autobahn fahre, im Autopilot-Modus. „Bei der Geschwindigkeit ist links und rechts von einem alles nur noch verschwommen, man nimmt nichts mehr wirklich wahr.“

Das Buchcover.
Das Buchcover des neuen Buches „Alles geben“ von Neven Subotic. © Kiwi/NH

Was er zu dem Zeitpunkt jedoch nicht verstanden hat: Seine sportliche Entwicklung war nicht auch gleich seine persönliche Entwicklung. Der Sportler und die Person Neven hatten sich nicht gleich weiterentwickelt. „Ich hatte mich als Mensch verloren.“ Ihm habe immer das Gefühl gefehlt, dass sich etwas richtig gut anfühlt. Das sei nie gekommen.

Ich hatte mich als Mensch verloren.

Neven Subotic

Irgendwann beginnt er sich Dank einer Freundin mit philosophischen Fragen zu beschäftigen – ein Wendepunkt in seinem Leben. Noch als Fußballprofi gründet Subotic 2012 die „Neven Subotic Stiftung“ die Sanitäranlagen- und Brunnenbauprojekte in Äthiopien, Kenia und Tansania durchführt.

Durstlöscher und Menschenrecht: Neven-Subotic-Stiftung sichert Menschen Versorgung mit Trinkwasser

„Jeder Mensch auf dieser Welt hat das Recht auf Trinkwasser und wir müssen denen helfen, die keines bekommen“, sagt Subotic. Vielmehr sei es keine Hilfe, er sehe es als eine Verantwortung den Menschen gegenüber, betonte er. In einer Gesellschaft ändere sich nichts, wenn man bestimmte Dinge nicht anspreche. „Jede Generation wird immer einen Schritt weiter in die richtige Richtung gehen und wird immer einen Schritt weiter sein, als die Vorherige.“

Gruppenbild: Neven Subotic (Mitte) nach der Literaturherbst-Lesung mit SC-Hainberg-Mitgliedern und -Verantwortlichen wie André Pfitzner (links) und Vorsitzender Jörg Lohse (2.v.l.) sowie Lars Willmann (4.v.l.).
Gruppenbild: Neven Subotic (Mitte) nach der Literaturherbst-Lesung mit SC-Hainberg-Mitgliedern und -Verantwortlichen wie André Pfitzner (links) und Vorsitzender Jörg Lohse (2.v.l.) sowie Lars Willmann (4.v.l.). © Dietrich Kühne

Eine Botschaft auch an die vielen jüngeren Zuhörer in der Funsporthalle. Sie hatten vom Veranstalter Göttinger Literaturherbst Freikarten erhalten. Eine schöne – ja wertvolle – Geste, wenn man berücksichtigt, was Neven Subotic den begeisterten Zuschauern mit auf den Weg gegeben hat. (Melanie Zimmermann)

Weitere Informationen: „Alles geben“ von Neven Subotic. Verlag Kiepenheuer und Witsch, 22 Euro. Mehr Informationen auf der Website der Neven-Subotic-Stiftung.

Zur Person

Neven Subotic wurde 1988 in Banja Luka im heutigen Bosnien und Herzegowina geboren. Er spielte als Fußballprofi unter anderem bei Borussia Dortmund, dem 1. FC Köln und Union Berlin. Er arbeitet seit 2012 für seine Stiftung, die Sanitäranlagen- und Brunnenbauprojekte in Äthiopien, Kenia und Tansania realisiert.

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