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Lesung mit Bernd M. Beyer: Das verschiedene Duo Rio und Stan

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Von: Per Schröter

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Fußball, Politik und Musik: Bernd M. Beyer (rechts) las im Göttinger Literaturhaus aus seinem Buch „71/72 – Die Saison der Träumer“.
Fußball, Politik und Musik: Bernd M. Beyer (rechts) las im Göttinger Literaturhaus aus seinem Buch „71/72 – Die Saison der Träumer“. © Per Schröter

Göttingen – Mit „71/72 – Die Saison der Träumer“ hat der Göttinger Autor Bernd M. Beyer das Fußballbuch des Jahres 2021 geschrieben. Jetzt las er im Literaturhaus in der Nikolaistraße daraus vor – und sprach über eine bewegte Zeit in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Seine Biographie über den ehemaligen Bundestrainer Helmut Schön war bereits 2017 zum „Fußballbuch des Jahres“ gekürt worden. Im vergangenen Jahr hat Bernd M. Beyer mit „71/72 – Die Saison der Träume“ nachgelegt und erhielt im November somit zum zweiten Mal die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung. Die Lesung im mit rund 60 Gästen gut besuchten Göttinger Literaturhaus zeigte, dass es in dem dabei nicht nur um Fußball geht.

„Was war für Dich der Anlass, ein solches Buch zu schreiben?“, fragte Moderator und HNA-Redaktionsleiter Thomas Kopietz, der Beyer, den einstigen Gründer des heutigen Top-Sportbuch-Verlags „Die Werkstatt“.

„Bei den Recherchen zu meinem Buch über Helmut Schön habe ich gemerkt, dass das eine hochinteressante Zeit war – nicht nur fußballerisch, sondern auch politisch“, antwortete Beyer. Der Bundesligaskandal erschütterte das Land, die Nationalelf um Beckenbauer und Netzer spielte Zauberfußball im Wembley-Stadion und wurde Europameister, Willy Brandt überstand das Misstrauensvotum, die RAF hielt Deutschland in Atem, die Band Ton Steine Scherben lieferte den Sound für Aufbruch und Protest. „Irgendwann entstand die Idee, das alles zusammenzufassen“, schilderte Beyer. Dabei habe er sich den damaligen Schalke-04-Star Stan Libuda und Ton Steine Scherben-Sänger Rio Reiser als die beiden Träumer herausgepickt, die die Leser durch ein aufregendes Jahr begleiten und ein Schlaglicht werfen auf die Anatomie der bundesdeutschen Gesellschaft.

„Stan Libuda habe ich gewählt, weil er direkt in den Bundesligaskandal verwickelt und es für ihn die letzte große Saison war und Rio Reiser, weil er der Einzige bei den Scherben war, der nichts mit Fußball am Hut hatte“, erzählte Bernd M. Beyer. Beide seien in seinen Augen Träumer gewesen – wenn auch auf ganz unterschiedlich Art.

In den Kapiteln seines Buches geht es jeweils um einen bestimmten Spieltag der Bundesligasaison 71/72, wobei dabei das sportliche Geschehen mit dem politischen und gesellschaftlichen eng verwoben ist. Moderator Thomas Kopietz lockerte die Lesung immer wieder durch spannende Themenwechsel auf.

„Schalke und Dortmund hatten die Hardrocker“ – so reagierte Bernd M. Beyer auf die Fotos der Fußballer aus dem Jahr 1972, die Moderator Thomas Kopietz in einem Bergmann-Fußball-Sammelbilder-Album zeigt.
„Schalke und Dortmund hatten die Hardrocker“ – so reagierte Bernd M. Beyer auf die Fotos der Fußballer aus dem Jahr 1972, die Moderator Thomas Kopietz in einem Bergmann-Fußball-Sammelbilder-Album zeigt. © Per Schröter

So hatte er etwa ein Fußballbilder-Sammelbuch aus jener Zeit dabei, bei dessen Betrachtung vor allem die üppigen Haarprachten der damaligen Bundesligaspieler bei den meisten Zuhörern Erinnerungen wachriefen und für Gelächter sorgten.

„Es steckt viel drin in diesem Buch“, lautete nach über eineinhalb Stunden das Fazit des Moderators. „Einiges haben wir heute schon verraten, vieles aber auch nicht.“

Kein Wunder daher, das viele Zuhörer anschließend die Gelegenheit nutzten, sich am Büchertisch selbst ein Exemplar zu kaufen, um zuhause in aller Ruhe darin weiter zu schmökern. Und Stefan Weller kaufte gleich drei: „Die sind auch für meine Freunde“, sagte der Nörten-Hardenberger, der auch Pressesprecher der Uni-Klinik ist. (Per Schröter)

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