Lieferkonzept findet massive politische Unterstützung

Göttingen soll Pilotprojekt für schonende Innenstadt-Logistik werden

Logistik-Experte und Entwickler: Felix Dossmann in einer Gesprächsrunde zum Thema.
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Logistik-Experte und Entwickler: Felix Dossmann aus Göttingen hat mit Pro City das Innenstadtlogistikkonzept SLAM geplant.

Die Geschwindigkeit der Fraktionen ist atemberaubend: Göttingen könnte bald in der umweltfreundlichen Innenstadtlogistik ein Musterbeispiel für Deutschland sein.

Göttingen - Gleich vier Fraktionen aus dem Stadtrat wollen das Projekt SLAM per Antrag auf die Straße bringen, das erst kürzlich – allerdings schon inhaltlich vorbereitet – vom Verein Pro City und dem Göttinger Unternehmer Felix Dossmann vorgestellt worden war.

Der Antrag sieht vor, ein Pilotprojekt für zunächst fünf Jahre zu starten. Die Ratspolitiker verschiedenster Couleur wollen die Innenstadt samt Fußgängerzone vom Lieferverkehr entlasten, wo allein sieben große Zusteller mehrere tausend Pakete täglich ausliefern, für Staus in der Fußgängerzone sorgen und sich Fahrer oft nicht um die Zufahrtsbeschränkung bis 11 Uhr scheren.

Das Besondere: Die letzte Meile soll umwelt- und menschenfreundlich von Lastenrädern – ausgehend von einem citynahen Zentrallager – bedient werden, so über den Göttinger Dienst LeiLa. Auch heimische Speditionen wie Zufall wollen mitmachen.

Die CDU hat den gemeinsamen Antrag mit Bündnis 90/Die Grünen, FDP und Göttinger Linke/ALG-Ratsgruppe sowie dem „freien“ Ratsherren Francisko Welter-Schultes am Freitag öffentlich gemacht. Zustimmung hatte Fraktionschef Olaf Feuerstein schon vor gut einer Woche nach einem Gespräch mit Dossmann signalisiert. Feuerstein sagt nun, dass Göttingen mit dem Pilotprojekt „als Modellkommune vorangehen und überregional aufzeigen könnte, welche Potenziale die SLAM-City-Logistik mit sich bringt.“

Die Grünen mussten nicht überzeugt werden, denn eine nachhaltige City-Logistik haben sie laut Rolf Becker schon „seit Jahren“ auf der Agenda, so für die „Letzte Meile“ und den Hauslieferdienst. Freude macht den Grünen der Göttinger LeiLa. „Das Projekt muss sich dauerhaft etablieren.“ Dass Dossmann und Co. eben LeiLa mit ihren emissionsfreien Lastenrädern auf dem Zettel der SLAM-Akteure haben, erfreut die Grünen. Zudem betont Becker, dass die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt über Projekte wie SLAM gestärkt werden müsse. So sieht es auch Felicitas Oldenburg, umwelt- und verkehrspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, die das „marktwirtschaftliche Konzept der City-Logistik“ unterstützt.

Für Antrag-Anschieber Olaf Feuerstein jedenfalls profitiert von SLAM auch die lokale Wirtschaft: Neben dem geordneten und konzentrierten Zustellprozess in der Innenstadt, können auch die lokalen Händler, Dienstleister und Gewerbetreibenden das Logistiknetz nutzen, um ihre Waren und Produkte dem Kunden bis vor die Haustür zu liefern.“ Feuerstein verweist auch auf die spürbaren Lebensverbesserungen für Anwohner und Bewohner, wenn der Lieferverkehr per Sprinter draußen bleibt.

Logistisch geht es auch darum, dass zurzeit die Anbieter zig-Mal fahren und die Fahrzeugkapazitäten oft nicht annähernd ausschöpfen. So ist die Taktung der Fahrten hoch, die Effizienz gering. Zurzeit liefert jeder Zusteller beim Halten mit seinem Fahrzeug statistisch etwa 1,9 Pakete aus, bevor er weiterfährt. Ziel wäre es eine Zustellung von vier bis fünf Paketen pro Halt zu schaffen. Damit könnte es bis zu einer Halbierung der gefahrenen Kilometer und zu einer CO2-Einsparung führen.Und: Innenstadtbewohner und -gäste müssen tagsüber stets wachsam sein, den „Sprintern“ ausweichen.

Die SPD übrigens zeigt sich zurückhaltend. Nur Helmi Behbehani hat bereits mehrfach auf die Notwendigkeit eines Logistikkonzepts für die City hingewiesen.

Aber: Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) lobt die Inititative – nach einem Gespräch mit Dossmann und Pro-City-Vertretern: „Ich werde das SLAM-Konzept unterstützen“, sagte er auf HNA-Anfrage. „Der Antrag der Fraktionen ist in der Idee gut, aber man kann das anders, besser organisieren, nicht über eine zusätzliche Stelle bei der GWG, wie gefordert.“ Damit liegt Köhler auf einer Welle mit Ideengeber und Logistikexperte Dossmann. Eine privatwirtschaftliche Organisation mit Unterstützung der Stadt – so in ordnungsrechtlichen Regelungen – wäre laut Köhler „machbar und sinnvoll“.

Felix Dossmann und Pro City jedenfalls sind positiv überrascht, „dass unsere privatwirtschaftliche Initiative eine so breite Unterstützung findet – und das in einem Wahlkampfjahr“. Es zeige, „dass die Zeit für unser Konzept einer nachhaltig lokalen Lieferung jetzt wirklich reif ist.“ Man wolle nun zügig an SLAM weiterarbeiten, verspricht der Göttinger. (Thomas Kopietz)

Damit soll Schluss sein: Stau von Lieferfahrzeugen und dadurch Behinderungen für Passanten und Gastronomie-Besucher um die Mittagszeit in Göttingens Innenstadt und Fußgängerzone, hier an der Prinzenstraße. Das Lieferkonzept SLAM soll Abhilfe schaffen.

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