Vereine bezeichnen sich als "unpolitisch"

Libanesisch-schiitische Kulturvereine: Sympathie für die Hisbollah?

+
Hat im Jahr 2012 Räume am Schützenring in Northeim erworben: der libanesische Kulturverein Al-Huga in Northeim. 

Als „unpolitisch“ bezeichnen sich die libanesisch-schiitischen Kulturvereine El-Rida in Rosdorf und Al-Huga in Northeim.

Das schließt Sympathie-Bekundungen für die Islamistenorganisation Hisbollah („Partei Gottes“) nicht aus, der seit Ende April alle Aktivitäten in Deutschland verboten sind.

„Über die Hisbollah will ich nicht sprechen, ich bin kein Politiker“, erklärt Ali Mohamad Ali vom Rosdorfer Verein El-Rida. Die Hisbollah verfügt in Deutschland über keinen eigenen Moscheeverband, betont Ortwin Hallwaß von der Polizeidirektion Göttingen. Anhänger träfen sich in „örtlichen, der Organisation nahestehenden Moscheevereinen, auch in Südniedersachsen“. Vereinsnamen nenne er nicht.

Hallwaß teilt aber mit, dass die Polizeiinspektion Göttingen in „turnusmäßigen Intervallen“ Gespräche mit dem El-Rida-Vorstand führt. Die Polizeiinspektion Northeim stehe in telefonischem Kontakt mit dem Al-Huga-Verein. Ein persönliches Gespräch sei geplant. Daran nehme auch Nermin Bozkurt, die Ansprechpartnerin der Polizeidirektion Göttingen für interkulturellen Dialog, teil.

Nach Erkenntnissen der Polizei in Südniedersachsen haben in den vergangenen Jahren regelmäßig Personen aus Südniedersachsen am Al-Quds-Tag in Berlin teilgenommen. Die jährlich stattfindende, antiisraelische Demonstration sei „für die schiitisch geprägte Islamistenszene in Deutschland“ von „zentraler Bedeutung“, weiß Hallwaß.

„Die libansisch-schiitischen Vereine in Deutschland treten selten politisch in Erscheinung“, berichtet Islamismus-Experte Lino Klevesath vom Göttinger Institut für Demokratieforschung. Die straff organisierte Hisbollah wolle das so. Sie betrachte Deutschland als „Ruheraum“, wo unter anderem Spenden gesammelt würden. Ausnahmen seien der Al-Quds-Tag oder politische Großereignisse.

Ein solches Ereignis war der Libanonkrieg 2006. Damals ließen Demonstranten in Göttingen Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah hochleben und bezeichneten Israel als „Kindermörder“. Mitdemonstrierende El-Rida-Mitglieder seien deshalb aber keine Hisbollah-Anhänger, betonte seinerzeit der Vorsitzende, Wafik Hodeib.

Zu den Demonstranten gehörte damals ein Göttinger Chirurg, eines der Gründungsmitglieder des Waisenkinderprojekts Libanon. Der 2014 verbotene Verein warb allein zwischen 2007 und 2013 drei Millionen Euro für eine libanesische „Märtyrer“-Stiftung ein. Diese unterstützte mit dem Geld aus Deutschland die Hinterbliebenen von Hisbollah-Milizionären, die im Kampf gegen Israel gefallen waren.

Zur Islamischen Republik Iran bekannte sich 2015 ein gutes Dutzend junger Al-Huga-Mitglieder, als sie in der Northeimer Innenstadt Rosen und einen Brief des islamischen Revolutionsführers Ali Chamenei an die Jugend Europas verteilten.

„Die Al-Huga-Mitglieder sympathisieren bis heute mit der Hisbollah und der hinter ihr stehenden Islamischen Republik Iran“, bestätigt Nasim Moschref vom Migrationsrat Northeim. Das wisse er aus Gesprächen mit afghanischen Landsleuten, die in der Moschee des Vereins am Northeimer Schützenring gebetet hätten.

VON MICHAEL CASPAR

Hisbollah: Eine einflussreiche schiitische Organisation

"Die Islamische Republik Iran stand 1985 bei der Gründung der Hisbollah Pate“, sagt Lino Klevesath vom Göttinger Institut für Demokratieforschung. Jahrelang kämpften Hisbollah-Milizionäre gegen Israel, das den schiitisch geprägten Südlibanon von 1982 bis 2000 besetzt hielt.

Seit dieser Zeit gibt es Kontakte zu militanten Palästinensern. „Bis heute ist die Hisbollah antiisralisch“, sagt Klevesath. Zwischen Israelis und Juden werde nicht unterschieden. Antisemitische Vorstellungen, etwa einer jüdischen Weltherrschaft oder jüdischer Ritualmorde, würden von der „Partei Gottes“ kolportiert. „Dis Hisbollah ist die einflussreichste schiitische Organisation im Libanon“, sagt Klevesath.

Sie arbeite mit anderen politischen Parteien, auch christlichen, zusammen. Gleichzeitig bilde sie mit ihrer Miliz einen „Staat im Staate“. Sie kämpfe in Syrien auf Seiten des Assad-Regime. Ihre sozialen Einrichtungen im Libanon unterstützten Bedürftige.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.