Göttingen: Liebe über die Grenzen hinweg

Buchfink-Theater in Göttingen zeigt neue Produktion in der St. Johanniskirche

Christoph Buchfink erzählt in der neuen Produktion des Buchfink-Theaters die Geschichte einer Liebe zu Zeiten der deutschen Teilung.
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Christoph Buchfink erzählt in der neuen Produktion des Buchfink-Theaters die Geschichte einer Liebe zu Zeiten der deutschen Teilung.

„Bis Mitternacht an der Grenze“ heißt die neue Produktion des Buchfink-Theaters. Hier erzählt Christoph Buchfink die Geschichte einer deutsch-deutschen Liebe zu Zeiten der Teilung.

Göttingen – Viel Applaus spendeten die Zuschauer bei der Premiere im Chorraum der St. Johanniskirche.

„Haben Sie ein Visum?“, stimmt Buchfink in Uniform die Zuschauer beim Eintritt ein Die Erinnerung an die Teilung Deutschlands wird unterstützt durch Corona-Auflagen: Die Zuschauer müssen die Kontaktdaten geben. Während der Vorstellung sollen sie laut Ansage aus der Kirche den Mund-Nasen-Schutz tragen.

Mit einem Spielzeugauto simuliert Buchfink eine Fahrt. Bis 24 Uhr muss der Fahrer an der Grenze sein, sonst verliert er sein Visum und darf Freundin Tina nicht mehr besuchen. Er kommt zu spät: Zehn Minuten. Aussteigen, Befragung – der junge Mann hat Glück. Der Grenzbeamte lässt ihn laufen.

Mit einem Run durch die Geschichte vom Kaiserreich bis vor der Wende zeigt Buchfink, dass Deutschland immer schon zerteilt war – mal in kleinere, mal in größere Bereiche. Vor diesem Hintergrund beginnt die Liebe zu Tina bei einem Treffen der Kirchengemeinden.

Buchfink erzählt und spielt die Geschichte mit Landkarten, einem Mini-Grenzzaun, mit multifunktionalen Häuschen, einem Bildschirm wie ein Fernseher und seinen Puppen. Wunderbar anschaulich ist das Spiel mit zwei Paar Schuhen, die eine Begegnung eines anderen Paares aus West- und Ostdeutschland bezeugen. Mit einem der Paare beschreibt der Erzähler den Weg des DDR-Jungen durch den Grenzfluss, dann an Land bis nach Nürnberg an die Tür der Verehrten. Nach Zurückweisung geht er zurück, ihm wurde Straffreiheit versprochen. Doch er landet für zwei Jahre im Bau.

Der junge Westdeutsche und Tina lassen sich nicht beirren. Nachdem die Bundesrepublik der DDR Anfang der 1980er Jahre einen Milliardenkredit gewährt hatte, so Buchfink, wurden auch Zwei-Tages-Besuche möglich. Tinas Freund freut sich über die Nächte. Buchfink zeigt sie in einem Puppenbett, aus dem die Köpfe und vier Füße herausragen. Doch als die beiden Liebenden Urlaub in Bukarest planen, darf der Junge nicht mehr einreisen, Tina wird Observierung angesagt. Denn ein Bekannter hat sie verpfiffen.

Sie sind an der Geschichte gescheitert. Vier Jahre später, nach der Grenzöffnung, wäre ihre Liebe möglich gewesen, ist das Fazit von Buchholz, der seine gut einstündige Story mit Bildern der Grenzöffnung beendet. Zur Premiere bekam er nicht nur viel Applaus, sondern auch Halloren-Kugeln und andere DDR-Leckereien, die die Wende überdauert haben.

Die Produktion wurde gefördert mit Mitteln des Landschaftsverbands Südniedersachsen, von Stadt und Landkreis Göttingen sowie der Göttinger Kulturstiftung und kann gebucht werden. Weitere Informationen gibt es auf buchfink-theater.de. (Ute Lawrenz)

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