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Life-Science-Factory im Sartorius-Quartier: Fabrik für Einfallsreichtum

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Von: Thomas Kopietz, Michael Caspar

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High-Tech-Labore zum MIeten – für junge Wissenschaftler und Unternehmer mit Ideen: Im Sartorius Quartier an der Annastraße in Göttingen Life Science Factory. Ein Blick in ein Labor, dass als Modul erweitert werden kann.
High-Tech-Labore zum Mieten – für junge Wissenschaftler und Unternehmer mit Ideen: Im Sartorius Quartier an der Annastraße in Göttingen Life Science Factory. Ein Blick in ein Labor, dass als Modul erweitert werden kann. © Hubert Jelinek

Ein einzigartiges Gründerzentrum ist in Göttingen entstanden. Dort können sich junge Unternehmen aus den „Lebenswissenschaften“ ansiedeln.

Göttingen – 150 geladene Gäste haben an der hybriden Eröffnungsfeier der Göttinger Life Science Factory teilgenommen, einem bundesweit so einzigartigen Gründerzentrum der Lebenswissenschaften im weiter wachsenden Sartorius Quartier.

Moderne, vollausgestattete Labore bietet die Factory, außerdem eine Werkstatt zur Prototypenentwicklung sowie Büro- und Veranstaltungsräume, berichtete Dr. Joachim Kreuzburg, der Vorstandsvorsitzende der Sartorius AG und Triebfeder für das Projekt.

Der Göttinger Laborzulieferer hat die gemeinnützige Life Science Factory gegründet und deren – bereits im Januar bezogenen – Neubau an der Annastraße 27 finanziert. Das Gründerzentrum, dessen Geschäfte Dr. Sven Wagner und Marco Janezic führen, verfügt über eine Nutzfläche von 3300 Quadratmeter auf vier Etagen. Nach gute einem halben Jahr gibt es bereits knapp 20 Mieter, die kostengünstig High-Tech-Geräte und Labore je nach Größenbedarf sowie technischen Service und Netzwerkkontakte zu anderen jungen, forschenden Unternehmern bekommen.

„Bilden, gründen, wohnen“ – unter diesem Motto solle die Nachnutzung des Areals erfolgen, auf dem das Sartorius-Stammwerk 120 Jahre lang ansässig gewesen sei, führte Kreuzburg aus.

Die „DNA“ des Quartiers „für erfolgreiches Wirtschaften“ habe er in seinem Masterplan für den neuen Stadtteil fruchtbar machen wollen, erklärte Tristan Kobler, Gründer und Geschäftsführer vom Schweizer Büro Holzer Kobler Architekturen. Er überreichte Kreuzburg den symbolischen Schlüssel für das neue Gebäude.

Über Erfolgsfaktoren von Start-ups im Bereich der Lebenswissenschaften tauschten sich anschließend die Gründer Professor Wolfram Zimmermann, Direktor des Göttinger Instituts für Pharmakologie und Toxikologie an der Universitätsmedizin, sowie Dr. Julia Hitzbleck aus Hamburg auf dem Podium aus. Patente schaffen einen geschützten Raum für die eigene Arbeit, gab der Professor zu bedenken.

Durch die Vergabe von Lizenzen lassen sich mit Patenten aber auch Einnahmen erzielen, ergänzte die Hamburgerin. Andere verzichteten auf Patente, damit sich eine neue Technik am Markt schnell durchsetze.

Um aus einer guten Idee ein erfolgreiches Produkt zu machen, braucht ein Wissenschaftler mehr als sein Fachwissen, betonte Hitzbleck. Sie riet bei der Suche nach Mitstreitern auf gemeinsame Ziele zu achten. Die Chemikerin: „Man muss sich nicht lieben.“ Auch der Rat von Business Angels, erfahrenen Unternehmern, sei wertvoll, betonte Wolfram Zimmermann.

Schlüsselübergabe für die Life Science Factory: Sartorius-Vorstandschef Dr. Joachim Kreuzburg (rechts), auch Ideengeber für das Projekt, erhält aus den Händen von dem Schweizer Architekt Tristan Kobler den obligatorischen Schlüssel zur Einweihung.
Schlüsselübergabe für die Life Science Factory: Sartorius-Vorstandschef Dr. Joachim Kreuzburg (rechts), auch Ideengeber für das Projekt, erhält aus den Händen von dem Schweizer Architekt Tristan Kobler den obligatorischen Schlüssel zur Einweihung. © Michael Caspar

Beide unterstrichen, wie wichtig eine flexible Infrastruktur sei. Gründer sollten zunächst nur das beschaffen, was sie täglich benötigten, erklärte die Hamburgerin. Und da reiche anfangs auch Gebrauchtes, sagte Zimmermann. Alle anderen Geräte mit Dritten gemeinsam zu nutzen, spare neben den Anschaffungskosten auch das Geld für die Instandhaltung.

Eine Herausforderung in den Lebenswissenschaften ist die Finanzierung Millionen Euro schwerer Firmengründungen. Hitzbleck riet, immer auch öffentliche Mittel zu nutzen und anfangs nicht zu viele Anteile an Geldgeber zu vergeben. Business Angels könnten wertvolle Hinweise geben. Beide betonten auch die Bedeutung von Räumen, die ein Arbeiten ermöglichten und den Austausch förderten. Am Ende aber zähle der oft beschworene Teamgeist – er sei das Wichtigste für das Gelingen eines Start-Ups, waren sich Zimmermann und Hitzbleck einig.

Damit war die mehr als zweistündige Opening-Veranstaltung nicht beendet, es gab eine weitere Gesprächsrunde und– natürlich – noch Führungen durch das hochmodern ausgestattete Gebäude das als Life Science Factory viele einfallsreiche junge Wissenschaftler anlocken und schließlich zu Unternehmern mit wegweisenden Produkten machen soll. (Michael Caspar/Thomas Kopietz)

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