1. Startseite
  2. Lokales
  3. Göttingen
  4. Göttingen

Life Science Factory in Göttingen eröffnet: Startrampe für neue Ideen

Erstellt:

Von: Thomas Kopietz

Kommentare

Im modernen Fabrik-Outfit: Die Life Science Factory an der Annastraße in Göttingen für Forscher und Gründer wurde eröffnet. Es präsentiert sich als Gebäude mit Ziegelfassade und viel Glas.
Im modernen Fabrik-Outfit: Die Life Science Factory an der Annastraße in Göttingen für Forscher und Gründer wurde eröffnet. Es präsentiert sich als Gebäude mit Ziegelfassade und viel Glas. © Hubert Jelinek

Aus der feierlichen Eröffnung der Life Science Factory im Sartorius Quartier wurde pandemiebedingt ein „Soft Opening“, soll heißen, eine abgespeckte, lockere Hybrid-Eröffnungsveranstaltung. Dabei präsentierte das Team um die Geschäftsführer Dr. Sven Wagner und Marco Janezic sich und die Räume, in denen vor einer Woche noch massiv gewerkelt wurde.

Göttingen – Natürlich durfte auch Sartorius-Vorstandschef Dr. Joachim Kreuzburg nicht fehlen, der auch seine Vision von einer Talentschmiede für Wissenschaftler als junge Unternehmer vorstellte.

Sartorius hat am alten Firmensitz diese „Fabrik“ für Wissenschaft und Entwicklung im Bio- und Medizinbereich, für Forscher aus Göttingen, der Region und weit darüber hinaus gebaut. Als Vorbilder fungierten auch Life-Science-Boomer wie die Region Boston (USA) und das Land Israel. 15 Millionen Euro investierte Sartorius in das Projekt LSF und das Gebäude mit 3300 Quadratmetern an der Annastraße. Auch bei den gesamten laufenden Kosten ist man mit im Boot. Als Hausnummer nennt Kreuzburg „etwa eine Million Euro pro Jahr“, um anzufügen: „Aber wir haben ja auch Einnahmen aus der Vermietung.“

Etwa 2300 Euro kostet ein Labormodul, vollausgestattet mit Zellbrüter (Inkubator), geschlossener Sicherheitswerkbank, Zentrifuge, notwendigem Material und Versorgung – auch mit besonderen Gasen, wie die Labor-Leiterin Dr. Katrin Wallbrecht bei einem Rundgang sagt. Je nach Bedarf können Module kombiniert werden. Die Raumaufteilung ist flexibel, aus einem Labor können so zwei zusammenhängende oder auch von den restlichen abgetrennte Labore werden. Das kostet natürlich mehr.

High-Tech-Labore: Diese beiden jungen Forscherinnen haben ein Labor in der Life Science Factory im Sartorius-Quartier gemietet und arbeiten bereits dort.
High-Tech-Labore: Diese beiden jungen Forscherinnen haben ein Labor in der Life Science Factory im Sartorius-Quartier gemietet und arbeiten bereits dort. © Hubert Jelinek

„Loslegen kann man innerhalb von 48 Stunden“, sagt Geschäftsführer Sven Wagner, der betont, dass die SFL auch ein Begegnungsraum für den ungezwungenen Austausch der „Mieter“ untereinander ist. Das hilft bei kleineren Problemen und erweitert die Perspektive, sagt denn auch Karin Wallbrecht. Und Sven Wagner ergänzt: „Hier werden Menschen Seite an Seite arbeiten, aber an völlig unterschiedlichen Projekten.“ So kann geforscht, gearbeitet werden, können auch Prototypen entstehen – 3-D-Drucker sind vorhanden.

Von Außen wirkt das viergeschossige Haus keineswegs klotzig. Große Glasflächen im Erdgeschoss und frische Farben wie Magenta und Pink signalisieren Offenheit, Transparenz, Lebendigkeit. Hinter der Drehtür erwartet den Gast das Forum. Auch das ist über Schiebewände flexibel gestaltbar – bietet bei Veranstaltungen für maximal 300 Leute Platz, wie Factory-Initiator Joachim Kreuzburg sagt, der im Übrigen auch dem Land und der Stadt Göttingen für die Unterstützung ausdrücklich dankt.

Zwei Geschäftsführer: Marco Janezic und Dr. Sven Wagner leiten das Projekt und zwölfköpfige Team der Life Science Factory in Göttingen.
Zwei Geschäftsführer: Marco Janezic und Dr. Sven Wagner leiten das Projekt und zwölfköpfige Team der Life Science Factory in Göttingen. © Hubert Jelinek

Für Kreuzburg soll die Factory dazu beitragen, dass das „überaus starke Potenzial der Wissenschaft in Göttingen“ noch effektiver ausgeschöpft wird. Aus der Forschung dürfe noch viel mehr Wertschöpfung entstehen, wie er sagt, „über Produkte, die den Menschen helfen“.

In der LSF erhalten die Nutzer auch Hilfe und Beratung, um als Jung-Unternehmer bestehen zu können. „Sie sollen sich auf das Forschen und Arbeiten konzentrieren können“, sagt Sven Wagner.

Eines ist Joachim Kreuzburg wichtig: Die Dynamik sollte nicht von Dauermietern gebremst werden. Nach spätestens zwei Jahren sollten sie in den High-Tech-Labore wieder Platz machen – für die nächsten Start-Ups und Forscher. Denn für Kreuzburg ist die „Factory“ eine Startrampe, von der Raketen aufsteigen und wo stetig neue aufgestellt werden.

Förderer der Life Science Factory: Joachim Kreuzburg (links) erläutert Dr. Georg Schütte (Volkswagenstiftung) und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann die Laborräume. Geschäftsführer Sven Wagner hört zu.
Förderer der Life Science Factory: Joachim Kreuzburg (links) erläutert Dr. Georg Schütte (Volkswagenstiftung) und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann die Laborräume. Geschäftsführer Sven Wagner hört zu. © Hubert Jelinek

Mieter und Interessenten gibt es laut der Geschäftsführer schon jetzt viele. Das dynamische zwölfköpfige LSF-Team steht für sie bereit und stellte sich locker in einem Videofilm vor. Dass deren Elan und die ureigene Gründersprache abfärbt, dokumentierten auch für den Bau Verantwortliche: Für die Praktiker ist eine Herausforderung nun eine „Challenge“.

Übrigens: Die „harte“ Eröffnung im großen Stil für die Öffentlichkeit ist für Mittwoch, 27. April vorgesehen. Weitere Infos gibt es hier. (Thomas Kopietz)

Auch interessant

Kommentare