Linke Gruppen greifen Göttinger Burschenschaftler an

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Auseinandersetzungen: Burschenschaftler sind immer mehr das Ziel von Übergriffen in Göttingen.

Göttingen. Schon seit Jahren kommt es in Göttingen immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen der linken und der rechten Szene. Jetzt ist klar: Die Zahl der Vorfälle, bei denen Burschenschaften im Fokus stehen, hat deutlich zugenommen.

In den vergangenen zwei Jahren habe es 14 körperliche Übergriffe gegen Burschenschaftler und 26 Sachbeschädigungen an Verbindungshäusern gegeben, sagt der Leiter des Zentralen Kriminaldienstes der Polizei Göttingen, Volker Warnecke. Auch aus dem Lager der Burschenschaften gab es Angriffe. Der gravierendste Vorfall ereignete sich im Juli, als ein 21-Jähriger aus einem Verbindungshaus auf ein gegenüberliegendes Studentenwohnheims schoss.

Aufgeheizte Stimmung 

Aktualisiert um 13.55 Uhr am 22.12.2015

Burschenschaften sind bereits häufiger ein Angriffsziel von Linksaktivisten gewesen. In jüngster Zeit seien die Konflikte virulenter geworden, sagt Warnecke. Die aufgeheizte Stimmung hängt unter anderem mit zwei Vorfällen im Sommer zusammen. Im Juli sollen zwei Verbindungsstudenten auf offener Straße einen Studenten attackiert und erheblich verletzt haben, der sich als Sprecher der so genannten Wohnrauminitiative engagiert. Vier Tage später schoss ein 21-Jähriger aus dem Gebäude der Burschenschaft Germania mit einer Druckluftwaffe in ein offen stehendes Fenster eines gegenüberliegenden Studentenwohnheims, wo gerade eine Band probte. Die Universität Göttingen hatte nach dem Vorfall sämtliche Verlinkungen auf ihrer Internet-Seite zu Studentenverbindungen gekappt. Es sei jedoch falsch und zu kurz gegriffen, wegen des Vorfalls pauschal alle Verbindungen zu verurteilen, erklärte damals ein Sprecher. Zudem gab es drei Vorfälle am dritten Adventswochenende. Dabei wurden Burschenschaftler angegriffen. Vor allem die schlagende Verbindung Hannovera ist Linksaktivisten ein Dorn im Auge. Vor drei Jahren geriet die Hannovera in die Schlagzeilen, weil sich eines ihrer Mitglieder als Administrator einer rechtsextremen Internet-Seite des österreichischen Neonazis und Holocaustleugners Gottfried Küssel betätigt hatte. Der Göttinger Student hatte zudem in Internet-Foren unverhohlen seine nationalsozialistische Gesinnung zum Ausdruck gebracht. Nachdem Medien über diese Umtriebe berichtet hatten, wurde er aus der Burschenschaft ausgeschlossen.

AfD-Funktionär wohnt in Verbindungshaus 

Im Göttinger Verbindungshaus der Hannovera wohnt eine Reizfigur der Linken. Lars Steinke war 2013 zunächst stellvertretender Vorsitzender des Göttinger Kreisverbandes der „Alternative für Deutschland“ (AfD). Er trat dann aber aus „persönlichen Gründen“ zurück – ebenso ein anderer AfD-Funktionär, der auf seiner Facebook-Seite mit dem Hitlergruß zu sehen war. Vor einem Jahr gründete der Burschenschaftler die Göttinger Hochschulgruppe „Junge Alternative“, seit kurzem ist er Vorsitzender des Bezirksverbandes Braunschweig. Verquere Formulierungen Der 22-jährige Student neigt zu verqueren Formulierungen. So verkündete er, dass man „die Menschen, die Potenziale, die durch die Flüchtlingskrise geschaffen wurden, auch abrufen“ müsse. Mehrfach behauptete Steinke, von Vermummten angegriffen worden zu sein. Wiederholt haben sich AfD-Verlautbarungen über angebliche Angriffe in Göttingen als Räuberpistolen oder aufgeblasene Propaganda entpuppt. Aktuell macht Funktionär Lars Steinke mit einer Reihe von Kundgebungen auf sich aufmerksam, die jeweils sonntagnachmittags am Ehrenmal für die Weltkriegsopfer in Duderstadt stattfinden.

Lautstarke Proteste 

Am zweiten Adventssonntag versammelten sich dort etwa 65 Personen, lautstark gestört von einer Gegendemonstration mit 160 Teilnehmern.

42 Studentenverbindungen in Göttingen ansässig

Bundesweit gibt es etwa 1000 Studentenverbindungen. Göttingen ist niedersachsenweit der Hochschulstandort mit den meisten Studentenverbindungen, insgesamt sollen in der traditionsreichen Uni-Stadt 42 Korporationen ansässig sein. Laut Wikipedia steht Göttingen damit bundesweit an vierter Stelle hinter München (84), Berlin (63) und Bonn (51). Innerhalb der Hochschulgremien und der Studentenschaft spielen die Verbindungen kaum eine Rolle. Die von dem Hannovera-Mitglied Lars Steinke gegründete Hochschulgruppe „Junge Alternative“ konnte bei den jüngsten Wahlen zum Studierendenparlament keinen Sitz ergattern. Nach Ansicht des niedersächsischen Innenministeriums ist bei manchen Burschenschaften eine gewisse Nähe zu rechtsextremistischen Tendenzen feststellbar. Das geht aus einer Antwort auf eine kleine Anfrage der Göttinger Landtagsabgeordneten Gabriele Andretta und acht weiteren SPD-Abgeordneten hervor.

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