Linke und Piraten wollen legal im Baggersee baden

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Eigentlich ist das Baden hier verboten: Trotzdem lockt der Rosdorfer Baggersee im Sommer viele Besucher.

Göttingen. Falls es in diesem Sommer noch einmal so richtig sommerlich heiß werden sollte, wird es die Menschen in der Region wieder raus an die Badeseen ziehen. Auch der Rosdorfer Kiessee ist ein beliebtes Ausflugziel. Eigentlich verbietet die angrenzende Gemeinde Friedland das Baden dort allerdings. Die Linke und die Piraten wollen das nun ändern.

Gemeinsam bereiten sie Anträge an den Göttinger Kreistag vor. Ihre Forderungen: An ungefährlichen Uferstellen soll das Schwimmen erlaubt werden, außerdem soll es beispielsweise eine geregelte Müllentsorgung und sanitäre Anlagen geben. Mit Schwimmleinen sollen die gefährlichen von den ungefährlichen Badebereichen abgegrenzt werden.

„Ein Badeverbot zu erlassen, nur um sich der Verantwortung zu entziehen, ist keine Lösung“, sagt der Kreistagsabgeordnete Andreas Schleper (Piraten). „Wir bestehen darauf, dass weiterhin gebadet werden kann und das die Behörden ihre Aufgabe erfüllen.“

Der See kann nicht auf die Schnelle freigegeben werden, sagt Johann Schustek. Er vertritt den Bürgermeister der Gemeinde Friedland. „Das ist ein großer Aufwand.“ Um eine Umnutzungs-Planung zu realisieren, müsse zunächst die Firma Oppermann zustimmen. Danach wäre eine Einigung mit den Gemeinden Rosdorf, Friedland und dem Landkreis Göttingen nötig. Sei dies abgeschlossen, müsse der Umbau erfolgen: Dazu zähle, dass die Randbereiche gesichert werden müssen und Liegewiesen angelegt werden.

Bisher verbiete die Firma Oppermann das Baden allerdings. Da der See im Hochwassergebiet liege, hätte Oppermann nicht die Möglichkeit, den See einzuzäunen. Die Firma selbst war zu einer Stellungnahme nicht bereit.

Ein Gewohnheitsrecht zum Baden im See gebe es nicht, sagt Schustek. „Im Illegalen gibt es kein Gewohnheitsrecht“. Wer dort baden geht, begehe Hausfriedensbruch, weil der See auf Privatgelände liege. Zudem würden abgestellte Autos an Straßen und Wegen die Landwirtschaft behindern. Auch für die Fahrzeuge der Firma Oppermann gebe es oft kein Durchkommen.

Die DLRG Göttingen warnt ebenfalls vor dem Baden im Kiessee. „Im Rosdorfer Baggersee wird seitens des Betreibers noch Kies abgebaut“, heißt es dort. „Durch die im See eingesetzten Maschinen und Fördereinrichtungen entstehen weitere Gefahren.“ So könnten sich Strudel bilden, die Schwimmer in die Tiefe ziehen. Auch gehe von den Maschinen Verletzungsgefahr aus. Ein weiterer Gefahrenpunkt: Rettungskräfte könnten den See nur schwer erreichen. Denn auch hier versperren Falschparker die Zufahrt. Einen tödlichen Unfall hat es an dem Baggersee bereits gegeben. Im Jahr 2008 starb dort ein 51-Jähriger Mann aus Göttingen.

Baden offiziell verboten 

Bei einem Treffen im Göttinger Kreishaus stimmten Linke und Piraten ihr Vorgehen zum Baden im Rosdorfer Kiessee ab. Ihre Anträge wollen sie im Kreistag einbringen.

Der erste betrifft den Radweg von Göttingen nach Niedernjesa. „Davon profitieren nicht nur die Badenden, sondern auch die Pendler“, sagt Francisco Welter-Schultes von der Piraten-Partei. In späteren Anträgen soll es dann um die Müllentsorgung und eine Gewässerschutzprüfung gehen. Das Anliegen der Parteien sei vor dem Hintergrund der hohen Besucherzahlen entstanden, sagt Welter-Schultes.

Baden im Göttinger Baggersee

Baden im Göttinger Baggersee
Baden im Göttinger Baggersee © Stefan Rampfel
Baden im Göttinger Baggersee
Baden im Göttinger Baggersee © Stefan Rampfel
Baden im Göttinger Baggersee
Baden im Göttinger Baggersee © Stefan Rampfel
Baden im Göttinger Baggersee
Baden im Göttinger Baggersee © Stefan Rampfel
Baden im Göttinger Baggersee
Baden im Göttinger Baggersee © Stefan Rampfel
Baden im Göttinger Baggersee
Baden im Göttinger Baggersee © Stefan Rampfel
Baden im Göttinger Baggersee
Baden im Göttinger Baggersee © Stefan Rampfel
Baden im Göttinger Baggersee
Baden im Göttinger Baggersee © Stefan Rampfel
Baden im Göttinger Baggersee
Baden im Göttinger Baggersee © Stefan Rampfel
Baden im Göttinger Baggersee
Baden im Göttinger Baggersee © Stefan Rampfel
Baden im Göttinger Baggersee
Baden im Göttinger Baggersee © Stefan Rampfel

Bereits 2013 hatte die Linke eine Anfrage zu dem Kiessee gestellt. Damals habe es Gerüchte gegeben, dass der Baggerbetrieb im See beendet werden solle. Die Linke wollte wissen, ob ein Naherholungsgebiet geplant ist, sagt Welter-Schultes. Der Landrat habe damals geantwortet, dass dies nicht geplant sei. Nun hätten die Piraten das Thema wieder aufgreifen wollen.

„Die Sachlage ist unverändert“, sagt Ulrich Lottmann, Sprecher des Landkreises Göttingen. „Das Baden ist dort verboten und wird es bleiben“. Mit einer neuen Verordnung wurde das Baden nun in allen Gewässern der Gemeinde Friedland verboten. Nach EU-Vorgaben sei dies notwendig, da die Gemeinde andernfalls eine Gewässerprüfung vornehmen müsste, obwohl die Firma Oppermann das Baden ohnehin verbiete, erklärt der Stellvertreter des Bürgermeisters der Gemeinde Friedland, Johann Schustek: „Wer in den See springt, muss es selbst verantworten.“ (sas)

Hintergrund

Baderegeln der DLRG 

Das Baden in Seen birgt grundsätzlich Gefahren. Vermindern lässt sich das Risiko, wenn man sich richtig verhält. Um Sommertage am See unbeschwert genießen zu können, empfiehlt die DLRG Baderegeln zu beachten.

• Kopfsprünge in unbekannte Gewässer sind lebensgefährlich und tabu. Gerade unsichtbare Gegenstände unter der Wasseroberfläche wie Steine oder nicht sichtbare Felsen, können leichtsinnige Leute schwer verletzen.

• Nach dem Sonnenbaden sollte man nicht einfach ins Wasser springen, sondern den Körper langsam an den Temperaturunterschied gewöhnen.

• Zunehmend ertrinken ältere Menschen. Hier ist ein Gesundheitscheck eine gute Vorsorge. Denn bei Herz-Kreislaufprobleme kann das Baden gefährlich sein.

• Jüngere neigen eher zu Leichtsinn, einer höheren Risikobereitschaft sowie Alkoholkonsum, was beim Baden schnell zu Unfällen führt.

• Luftmatratzen, aufblasbare Badeboote oder Gummitiere sind nur Hilfsmittel und können Nichtschwimmern keine Sicherheit bieten.

• Die meisten Ertrinkungsfälle sind an unbewachten Badestellen zu verzeichnen. Daher ist es ratsam, sich immer an bewachten Stränden aufzuhalten. (red/sas)

Von Lara Sasse

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