Göttingen

Literarischer Festabend über Rituale mit Autor Clemens Meyer im Jungen Theater

Porträt Autor Clemens Meyer.
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Starker Gegenwartsautor: Clemens Meyer.

Das Literaturfest Niedersachsen macht Halt in Göttingen. Am 20. September, 19 Uhr, gibt es im Jungen Theater einen Abend zum Thema „Von Mächtigen und Mitläufern“.

Göttingen – Das Literaturfest Niedersachsen läuft unter dem Motto „Rituale“ und macht natürlich Halt in der Literaturhauptstadt des Landes, in Göttingen. Kooperationspartner ist das Literarische Zentrum. Über das sind auch Karten zu bekommen.

Auch Politik lebt von Ritualen, im Großen wie im Kleinen: Das gilt für internationale Gipfeltreffen und dörfliche Bürgermeisterwahlen, Ostermärsche und Fridays-for-Future-Demos genauso wie für Geheimtreffen von Neonazis oder Antifa.

Rituale spielen nicht nur in jeder Facette unseres Alltags eine große Rolle, sondern auch in der Literatur können sie wichtige Motive und strukturierende Elemente für Erzählungen sein.

So auch in Clemens Meyers Romanen. Darin entspinnen sich aus alltäglichen Ritualen ungewöhnliche Situationen – wie in „Die stillen Trabanten“. Da dreht beispielsweise ein Wachmann täglich seine Runden um eine Asylbewerberunterkunft und verliebt sich wider Erwarten in eine Frau hinter dem Zaun.

Der Leipziger Clemens Meyer ist ein äußerst interessanter Autor. Auch in seinem gefeierten Debüt-Roman „Als wir träumten“ aus 2006 geht es um Rituale: So fliehen vier halbstarke Jungs vor den Glatzen, kämpfen mit Fäusten um Anerkennung, nehmen Reißaus vor der Zukunft und landen immer wieder bei der Polizei. Im JT wird Meyer aus „Die stillen Trabanten“ lesen.

Zwei Stipendiaten des Literatur Labors Wolfenbüttel werden ebenfalls ihre Kurzgeschichten über radikale Rituale vorlesen: Farukh Sauerwein schickt einen Reporter zu einem inszenierten Event-Terroranschlag in einer Arena für zigtausend Zuschauer. Sie holen sich Autogramme vom Attentäter, und wer die „Zehn Minuten Grusel“ überlebt, belohnt sich mit einem Fan-Shirt vom Merchandise-Stand.

Philipp Neudert erzählt vom Wochenend-Ritual einer Horde Neonazis auf dem Dorf: Sie fahren ziellos durch die öde Gegend, rauchen, saufen bis zur Besinnungslosigkeit und drohen allen, die nicht so sind wie sie. Zur „Wintersonnenwende“ ist ein „Studierter“ auf Heimatbesuch dabei, der den stumpfen Gruppenzwang nicht mehr erträgt. Mit den Autoren des Abends spricht Charlotte Milsch. (Thomas Kopietz)

Karten kosten 10 bis 15 Euro; erhältlich online über die Internetseiten www.literarisches-zentrum-goettingen.de und literaturfest-niedersachsen.de

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