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Literarisches Zentrum Göttingen stellt sein Herbstprogramm vor

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Von: Thomas Kopietz

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Literarisches Zentrum: Vorstellung des Herbst-Programms vor dem Literaturhaus. Von links: Gesa Husemann, Amelie May und Anja Johannsen.
Literarisches Zentrum: Vorstellung des Herbst-Programms vor dem Literaturhaus. Von links: Gesa Husemann, Amelie May und Anja Johannsen. © Thomas KOpietz

Das Literarische Zentrum in Göttingen stellt ein abwechslungsreiches Programm für den Herbst vor: Vorträge und Lesungen warten auf Literaturbegeisterte.

Es läuft wieder mehr in gewohnten Bahnen im Programm des Literarischen Zentrum für den Herbst. Das Frühjahr-Sommer-Programm hatte dem kleinen Team einen Veranstaltungsmarathon im Spitzentempo abverlangt: mit vielen Lesungen, einige nach Pandemie-Ausfällen nachgeholt – örtlich teils in Ausweichquartieren, teils im neuen Quartier Literaturhaus. Dort geht es nun zügig weiter mit Veranstaltungen, die verschiedener kaum sein könnten.

Daniel Schreiber zu Gast

Los geht es dennoch mit einem Nachholtermin: Daniel Schreiber sorgte 2021 mit „Allein“ für Furore, dann sollte eigentlich schon im Juni mit Katja Kullmann nach Göttingen kommen, musste aber absagen. „Nun kommt er, aber allein“, sagt Anja Johannsen, Geschäftsführerin im Literarischen Zentrum und meint den Auftritt am Donnerstag, 8. September, um 20 Uhr. Schreibers Buch dreht sich um in der Pandemie noch bedeutender gewordenen Fragen: Wie lässt sich glücklich alleine leben? Welche Rolle spielen dabei Freundschaften?

„Gruppe 47“ der 1960er-Jahre

Der Göttinger Hainbund ist so etwas wie die „Gruppe 47“ der 1960er-Jahre – ein Zusammentreffen großer Schreiber. Vor 250 Jahren taten sich am 12. September 1772 fünf dichtender Göttinger Studenten zusammen. Den auf dem Kerstlingeröder Feld, quasi im Wald gegründete Göttinger Hainbund gab es nur drei Jahre, aber er wirkte nach – wie die „Gruppe 47“ – in den Werken und Namen der Dichter wie Heinrich Christian Boie und Ludwig Christoph Heinrich Hölty, nach dem heute noch eine Grundschule in Göttingen benannt ist. Im Wallstein-Verlag ist ein Buch über den Hainbund erschienen. Auch der Göttinger Verleger Thedel von Wallmoden wird zum Thema sprechen – am Montag, 12. September, ab 20 Uhr.

Abschluss der documenta fifteen

Ja, Göttingen ist noch, aktiver Teil der documenta 15 gewesen sein. Zum Abschluss der 100 Kulturtage im Kunsthaus gibt es von Dienstag, 13. bis Donnerstag 15. September im Literaturhaus Großartiges: Die amerikanische Fotografin Maya Mercer hat in dem bitterarmen District Yuba County im Norden Kaliforniens junge Frauen begleitet und fotografiert. Die Bilder und eine Performance sind eindrucksvoll. Dazu hat der Autor Albert Ostermaier Verse und Gedichte geschrieben. Mehr im Internet unter www.kunsthaus-gottingen.de oder www.literarisches-zentrum.de

Als verstörenden Roman bezeichnet Anja Johannsen „Rot (Hunger)“ des Austors und Religionswissenschaftlers Senthuran Varatharajah. Es geht auch um Kanabalismus unter einvernehmlichen Handeln. Der Autor schreibt über die Sehnsucht, sich den Geliebten einzuverleiben – es geht am Freitag, 16. September, ab 20 Uhr um die kannabalische Sprache der Liebe.

Ein wunderbar leichtes Buch hat Amor Towles mit „Lincoln Highway“ geschrieben. Zwei Brüder fahren in den 50-er-Jahren in eine Studebaker durch die USA – auf dem Lincoln Highway, öffnen sich Landschaften und Menschen, und sich selbst. Towles spricht mit Antje Deistler aus der Übersetzung und dem Liebslingsbuch von Barack Obama. Es liest am Montag, 19. September Schauspieler Roman Majewski.

Themenschwerpunkt rund um Care Arbeit

Nach der Lesung von Lize Spitz aus ihrem Roman „Ich bin nicht da“, der von psychischen Veränderungen und Krankheiten erzählt (Mittwoch, 21. September) kommt es am Samstag und Sonntag, 24./25. September zu einem Themenschwerpunkt im Literaturhaus. Es geht mit vielen Autorinnen um ein Thema das in der Pandemie extrem an Bedeutung und auch an Wertschätzung gewonnen hat: die Pflege und das Kümmern um Menschen. „Who cares“ heißt der Festivalkongress zur Care-Arbeit, die meist – ob professionell in Einrichtungen, oder privat mit Angehörigen – meist von Frauen geleistet wird. Großartige Autorinnen beschäftigen sich mit Büchern dazu. Übrigens: Eine Kinderbetreuung wird angeboten.

Auch noch im Herbstprogramm, das bis kurz vor Literaturherbst-Start (22. Oktober) läuft, sind Madame Nielsen (Freitag, 7. Oktober) in der Reihe „Love it or leave it“, sowie endlich wieder die Reihe „Liederabend“, diesmal zum Werk von Patti Smith – mit dabei sind Top-Musik-Kenner: SZ-Musikjournalistin Juliane Liebert und Gerhard Kaiser.

Zum Abschluss des Herbstprogramms gibt es fürs breite Publikum „Döner. Eine türkisch-deutsche Kulturgeschichte“ von Eberhard Seidel – im Gespräch mit Doris Akrap (Freitag, 14. Oktober). Ach, ja: Und das Buchmessen-Gastland Österreich schickt drei Autoren und Autorin Elke Laznia am Dienstag, 27. September: „Schreiben heißt nicht Geschichtenerzählen“.

Programm – auch das Kids-Angebot: www.literarisches-zentrum-goettingen.de, dort sind ebenfalls Kartenbestellungen möglich.

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