Literatur im Verkehr: Poetry Slam mit Dalibor Markovic im Bus

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Literatur in Kurzfassung: Sieben Minuten unterhält Poet Dalibor Markovic aus Frankfurt am Main Schüler und Erwachsene in der Buslinie 210 in Richtung Uslar mit Sprache und Beatbox.

Göttingen. Nächster Halt Literatur: Poet Dalibor Markovic kapert am Freitag einen Bus als Werbung für das „Poetree Lyrikfestival" am Samstag im Göttinger Cheltenhampark.

Am Bahnhof in Göttingen ahnen die Schüler nichts. Aber Marcovic steht schon bereit: Mit Megafon ausgestattet steigt er gegen 13.30 Uhr in den Bus. Als er anfängt zu sprechen, zucken einige auf ihren Sitzen zusammen, setzen ihre Kopfhörer ab. In den ersten Sekunden hat er die Aufmerksamkeit der Fahrgäste - und fängt mit seinem ersten Text an. Der Poetry-Slammer - ein Künstler, der eigene Texte, Gedichte oder Lieder vor Publikum vorträgt - fängt an mit einem Rap, der sich am Alphabet orientiert.

Perfekt ist die Aktion, die vom Literarischen Zentrum geplant wurde, noch nicht: Das Megafon pfeift immer wieder, es wackelt ordentlich, während der Fahrer sich mit dem Bus durch den Mittagsverkehr in der Göttinger Innenstadt schlängelt. Deswegen verlieren einige Schüler schnell das Interesse an der Aktion. „Ich hab ihn nicht so gut verstanden“, sagt ein Junge aus den hinteren Reihen - für ihn sei das nichts.

„Es geht um den ersten Kontakt“, erklärt Gesa Husemann vom Literarischen Zentrum. Die Projektleiterin der Aktion „Slam the Bus“ möchte den Schülern Literatur näherbringen. „Wir wollen überraschen. Zeigen, dass Literatur Spaß machen kann.“ Während in einigen Schulen bereits Lesungen und ähnliche Aktionen stattfinden, will Husemann mit der Busaktion die erreichen, die Literatur und alles, was damit verbunden ist, nicht aus der Schule oder von den Eltern kennen.

Es geht Husemann um Sprachkunst und Klang und nicht darum, dass jedes einzelne Wort richtig verstanden wird. „Und wenn die Schüler nicht zu uns kommen, dann kommen wir eben zu ihnen.“ Im Bus kämen alle Menschen zusammen - vor allem am Freitagmittag.

Auf der Linie 210 in Richtung Uslar versucht Markovic mit drei kurzen Texten zu begeistern. Sein Abschluss ist eine Beatbox-Version von Goethes Erlkönig. Bereits am Vormittag stand Markovic im literarischen Zentrum auf der Bühne. In zwei Veranstaltungen von über 60 Minuten hat er rund 220 Schüler der zehnten und elften Klasse des Otto-Hahn- und Hainberg-Gymnasiums unterhalten - vor allem die erste Veranstaltung gegen 10 Uhr sei aus seiner Sicht „fantastisch“ gewesen.

In Zügen hat der 39-Jährige schon vorgetragen. Der Bus war für den gebürtigen Frankfurter mit kraotischen Wurzeln neu: „Am Ende war es besser als erwartet.“ Denn umgefallen ist er nicht, obwohl sich seine Bühne dauernd bewegte: „Ich hatte irgendwann den Ehrgeiz, mich gar nicht festzuhalten.“ Wenige Minuten und drei Haltestellen später ist die literarische Fahrtschon vorbei: Am Levinpark steigt Markovic steigt aus.

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