Literaturherbst im Frühling: Großer Fußball-Sport auf der Bühne

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Launige, selbst-ironische Geschichtenerzähler: Die 11-Freunde-Macher Philipp Köster (links) und Jens Kirschneck.

Göttingen. Fußball im Deutschen Theater: funktioniert das (wenn auch nur theoretisch)? Klare Antwort: Ja! Kein Wunder, wenn man viel über Fußball zu erzählen hat und zudem seit Kindertagen Fan des selben Vereins ist: DSC Arminia Bielefeld.

Mit diesem Spruch beenden Philipp Köster und Jens Kirschneck ihre – ja was ist es eigentlich – Lesung, nein ihren Fußball-Unterhaltungsabend mit zotigen Anekdoten und humorvollen Essays, in denen sich die Chefs des Magazins „11-Freunde“ gern und oft den Spiegel vorhalten.

„Wir stehen manchmal wie der Ochs vorm Berge“, hat Jens Kirschneck im HNA-Interview gesagt. Soll heißen, im Hochglanzprodukt Fußball von heute fühlen sich er und Köster manchmal deplatziert, obschon sie Einladungen zu Talk-Runden bei Sky oder Sport 1 annehmen und der Erfolg der 11-Freunde-Hefte auch von der kommerziellen Entwicklung des Fußballs generell profitiert.

So erzählen sie gerne über ihre Fußball-Sozialisation als Arminen-Fans, inklusive Trinkgelage und polizeilicher Ermittlungen (aber nur wegen Kleinkram). Und sie berichten über ihre früh beendeten Karrieren als Vereins- und Wilde-Liga-Kicker. Die mäßig talentierten Köster und Kirschneck haben sie wegen „Perspektivlosigkeit“ beendet.

Am Pult im DT spielen die beiden aber in Halbzeit eins schnelle Doppelpässe, erzählen, lesen und spielen Filmzusammenschnitte ein: von den besten Schwalben, tänzelnden Linienrichtern und chaotischen Sanitätereinsätzen, bei denen die Spieler schon mal von der Trage fallen. Das gibt’s auch bei YouTube, aber geschnürt im 11-Freunde-Abend-Paket ist es noch spaßiger.

Kritik am Fußball oder gestolperten Fußball-Riesen wie „Kaiser“ Franz Beckenbauer gibt es höchstens unterschwellig. Denn Männer wie Beckenbauer und Brehme liefern schließlich die Anekdoten. Aber: Manchmal plaudern Kirschneck/Köster aus internen Gesprächen und der Mythos Teamchef-Beckenbauer-WM-1990 wird entzaubert: Denn Franz hatte längst nicht alles im Griff 1990, aber wurde Weltmeister.

Eigentlich lieben Köster und Kirschneck aber den kleinen Fußball, die Fans: Einer aus Essen kommt zu den Lesungen und missioniert die Autoren: „Wisst Ihr, wie geil das wäre, wenn RWE wieder in der Bundesliga spielt?!“ Köster und Kirschneck können es sich als Bielefelder nur zu gut vorstellen. Die Antwort bekommen sie trotzdem vom Essener Fan serviert: „Es ist, wie wenn Heidi Klum an meine Eier spielt.“ Auch das ist Fan-Sein. „Ich liebe die Menschen im Ruhrgebiet“, sagt Köster, der wie Kirschneck in Berlin lebt und ein Problem damit hat, dass sein Sohn mehr zur Hertha als zur Arminia neigt.

Nach dem Abpfiff kommt das Duo wieder: zwei Mal fünf Minuten Verlängerung. Das Publikum im DT ist zufrieden. Die beiden Schreiber haben Wort gehalten: Es wurde ein spaßiger Abend, der mit einem Gruß endete: an Arminia!

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