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Wie man einen Pottwal zerlegt: Bestsellerautorin Dörte Hansen stellt ihren neuen Roman vor

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Von: Kim Henneking

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Bestsellerautorin: Dörte Hansen in Göttingen.
Bestsellerautorin: Dörte Hansen in Göttingen. © Kim Henneking

Die Bestsellerautorin Dörte Hansen stellt beim Literaturherbst im Göttingen ihr drittes Buch vor. Auch darin geht es um das Leben in Norddeutschland.

Göttingen – 700 Gäste sind am Montagabend in die Sheddachhalle des Sartorius Quartier in Göttingen gekommen. Die Schlange der Bücher-Fans wand sich um das Gebäude und entlang der Annastraße. Alle strömten in die ausverkaufte Halle, um der Bestseller-Autorin Dörte Hansen bei der Lesung ihres dritten Buchs zuzuhören.

„Zur See“ heißt der Roman der Journalistin und Autorin aus Husum. Wie in ihren ersten Büchern „Altes Land“ und „Mittagsstunde“ geht es auch im dritten Buch, um das Leben in Norddeutschland. Im Zentrum steht die Familie Sander, die seit Jahrhunderten von der Seefahrt lebt.

Literaturherbst Göttingen 2022: Bestsellerautorin Dörte Hansen stellt ihr drittes Buch vor

Doch das Leben auf ihrer Nordseeinsel verändert sich. Die Menschen leben weniger von der Fischerei und mehr vom Tourismus. Als eines Tages ein Pottwal am Strand landet, weiß keiner der Walfänger-Nachfahren mehr, damit umzugehen.

„Es ist Fluch und Segen zugleich“, sagte Dörte Hansen über die Modernisierung des Insellebens. Denn das Seefahrerleben hat die Beziehungen der Familie Sander stark belastet. Ihre Geschichte spiele auf keiner bestimmten Nordseeinsel und könne doch auf jeder von ihnen stattfinden.

Wer aber typische Inselmenschen erwartet, suche vergeblich. „Es sind alles skurrile Leute, aber im Grunde sind sie so normal wie wir alle“, kommentiert Moderator Stephan Lohr. „Sie sind nicht skurril. Es sind Nahaufnahmen“, antwortet Dörte Hansen. „Wir sind alle voll mit merkwürdigen und widersprüchlichen Dingen. Ich gucke meinen Charakteren nur genau dabei auf die Finger.“

Ihre Bücher würden oft als Triptychon, also als Dreiteiler, beschrieben, sagte Hansen und stimmt dieser Bezeichnung zögerlich zu. „Ich wollte eigentlich ein anderes Buch schreiben, aber ich bin wieder beim selben Ton gelandet.“ Wie zuvor spiele die Veränderung der Gesellschaft eine zentrale Rolle.

700 Besucher bei Lesung von Bestsellerautorin Dörte Hansen in Göttingen dabei

Den Geschmack des Publikums hat sie damit definitiv getroffen. Während Dörte Hansen Auszüge aus den ersten Kapiteln vorlas, lauschten 700 Menschen so gebannt, man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Das Gespräch mit Moderator Lohr war locker und freundschaftlich und sorgte für einige herzliche Lacher.

Lohr drückte die Sorge aus, dass die Autorin mit ihrem nächsten Roman Deutschland verlassen könne, nachdem sie Buch um Buch weiter in den Norden gezogen ist. Schließlich sei es die einzigartige Auffassung und Beschreibung des norddeutschen Lebens, das ihre Bücher auszeichne. Das nächste Buch könne auch weiter südlich stattfinden, stellte Dörte Hansen in Aussicht.

Schließlich ist sie derzeit Stadtschreiberin in Mainz, wo sie sich ein Jahr lang kreativ ausüben könne. „Vielleicht kommt das nächste Mal ein Großstadtroman.“ Wasser und Möwen gebe es auch „im Süden“. „Aber ich bilde mir ein, die Möwen sprechen dort einen anderen Akzent.“ (Kim Henneking)

Weitere Informationen: Dörte Hansen, „Zur See“, Penguin-Verlag, 256 Seiten, Hardcover, 24 Euro. Göttinger Literaturherbst, Karten und Programm finden Sie hier.

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