Untergehende DDR

Literaturherbst Göttingen: Jenny Erpenbeck las aus Roman „Kairos“

Göttinger Literaturherbst: Bestsellerautorin Jenny Erpenpeck (links) und NDR-Kultur-Moderatorin Alexandra Friedrich.
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Göttinger Literaturherbst: Bestsellerautorin Jenny Erpenpeck (links) und NDR-Kultur-Moderatorin Alexandra Friedrich.

Von einer Liebe zwischen ungleichen Partnern in der untergehenden DDR der 1980er-Jahre erzählt Jenny Erpenbeck in ihrem neuen Roman „Kairos“.

Göttingen – Beim Göttinger Literaturherbst las sie aus ihrem neuen Roman im Alten Rathaus. Im gefüllten Saal zeigte sich das Publikum begeistert.

Als „intensive Autorin“ stellt die Moderatorin Alexandra Friedrich (NDR Kultur) Jenny Erpenbeck vor und nennt wichtige Daten aus ihrem Leben: So wurde die Frau aus einer Schriftsteller-Großfamilie 1967 in einer Berliner Intelligenzsiedlung geboren. Hier merkt Erpenbeck sofort an, dass die Siedlung auf dem Stadtplan Intelligenzberg benannt sei. „Das lässt natürlich hoffen“, scherzt sie weiter.

Thema: Liebe auf den ersten Blick

Von einem Coup de foudre (Liebe auf den ersten Blick) in der untergehenden DDR erzähle „Kairos“, leitet Friedrich zum Buch. In der griechischen Mythologie sei Kairos der Gott des glücklichen Augenblicks, erklärt Erpenbeck den Titel. Vorne trage der Gott eine goldene Locke, an der allein man ihn festhalten könne. Wenn er vorbeigezogen sei, sei der Moment verstrichen.

Solch einen Augenblick erleben die 19-jährige Katharina und der über 50-jährige Hans. Sie stürzen sich kopfüber in eine tiefe Beziehung. Fast genauso stürzt sich Erpenbeck ins Lesen. „Ich fange jetzt einfach an“, sagt sie und beginnt den Prolog.

Mit ihren Fragen arbeitet Friedrich heraus, dass Erpenbeck Schreiben als Prozess des Sich-Erinnerns versteht. Sie wollte nachspüren, wie sich der Alltag in der DDR der 1980er Jahre angefühlt habe. Mit dem Gefühl nichts bewegen zu können, hätten sich viele in Privaträume zurückgezogen.

Jenny Erpenbeck: Leute mussten sich in der neuen Heimat behaupten

Nach der Wende mussten sie schnell die neuen Regeln verstehen, um sich erfolgreich zu behaupten. Schon der Bundesminister Wolfgang Schäuble habe mit seinen Worten gezeigt, dass es sich nicht um eine Vereinigung von zwei Staaten, sondern um einen Beitritt der DDR gehandelt habe.

Wenn Jenny Erpenbeck liest, scheint es, als würde die humorvolle, offen und warmherzig wirkende Frau ihre Worte zum Leben erwecken. Das Publikum spendet ihr Zwischenapplaus und langen Beifall nach anderthalb Stunden. Als Erpenbeck signiert, bildet sich eine Schlange.

Die Veranstaltung wurde von NDR Kultur aufgezeichnet und wird voraussichtlich am 16. Januar 2022 ab 20 Uhr in der Sendung „Sonntagsstudio“ ausgestrahlt. (Ute Lawrenz)

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