Buch und Lesung „Die Wahrheit der Dinge“

Literaturherbst Göttingen: Markus Thiele schreibt über Justizskandale

Unterhielten sich wie zwei gute Bekannte: Romanautor und Rechtsanwalt Markus Thiele (links) und Moderator Thomas Kopietz im Sparkassen-Forum.
+
Unterhielten sich wie zwei gute Bekannte: Romanautor und Rechtsanwalt Markus Thiele (links) und Moderator Thomas Kopietz im Sparkassen-Forum.

Der Göttinger Rechtsanwalt Markus Thiele sprach beim Göttinger Literaturherbst vor mehr als 100 Zuhörern über sein neuestes Werk „Die Wahrheit der Dinge“.

Göttingen – Bevor Thiele, seines Zeichens Rechtsanwalt für Arbeits- und Baurecht, textlich in seinen Roman einsteigt, plaudern er und Moderator Thomas Kopietz zunächst ein wenig über ihn und seine Arbeit.

Dabei hat Thiele für die Anwesenden noch einen kleinen Tipp: Als Vorbereitung auf den Abend sei er nochmal in der Sauna gewesen. „Das war keine gute Idee, ich schwitze immer noch und bin mittlerweile beim vierten Liter Wasser angekommen“, erzählt er lachend mit erfrischend lockerer Art, die er während der Lesung beibehält. Die Schmunzler im Publikum sind ihm sicher.

Ein Gespräch unter guten Bekannten

Überhaupt erinnert das Zusammenspiel von Thiele und Kopietz an ein Gespräch unter guten Bekannten – vor Zuhörern. Trotz der Lockerheit auf dem Podium, die Ernsthaftigkeit der Themen, um die es in den Werken von Markus Thiele geht, werden deutlich. Denn auch, wenn er ein Fan dieses Rechtsstaates sei und alle einen guten Job machten: schwarze Schafe gebe es überall, so auch in der Justiz. Und genau solche Fälle triggern Markus Thiele.

In dem Roman „Die Wahrheit der Dinge“ geht es um Angst, um Rechtsextremismus und um Wegschauen. Es ist eine Gesellschaftskritik. „Ich möchte den Lesern erzählen, dass sie sich ein eigenes Bild über Dinge machen und sich informieren sollen“, erklärt Thiele.

Die Wahrheit der Dinge: Worin diese nun wirklich liegt, blieb an diesem Abend offen. Es liegt am Leser, dies selbst herauszufinden.

Reale Vorlagen...

Ein traumatischer Vorfall in dem Gerichtssaal von Strafrichter Frank Petersen – eine Nebenklägerin, Corinna Maier, erschoss am letzten Verhandlungstag den rechtsradikalen Mörder ihres Sohnes – verändert ihn.

Nach einem umstrittenen Urteil gerät er heftig in die Kritik. Beruflich und auch privat bleibt das nicht ohne Folgen. Er beginnt zu realisieren, dass dieser eine Vorfall der Schlüssel ist. Und er mit Corinna Maier reden muss.

Den Romanen von Markus Thiele liegen reale Straftaten und -prozesse zugrunde, so auch hier. Zum einen geht es um den Fall Marianne Bachmeier, die 1981 in einem Gerichtssaal den mutmaßlichen Mörder ihrer Tochter erschoss. Und es geht um Amadeu António Kiowa, eines der ersten bekannten Todesopfer rechtsextremer Gewalt im Jahr 1990 in Deutschland seit der Wiedervereinigung.

... aber: fiktives Ergebnis

„Ich nehme einen realen Fall und spinne ihn dann fiktiv weiter, bis ich zu einem Ergebnis komme“, erklärt Thiele im Gespräch. Die realen Details jedes Falls stehen immer im Nachwort. „Damit hat der Leser eine Schablone, mit der er überprüfen kann, was ich dort geschrieben habe“, sagt Thiele.

Die ausgewählten Textpassagen, die er in mehreren Abschnitten vorliest, machen dabei Lust auf mehr. In sehr klarer, authentischer Sprache schildert er die Schicksale der beiden Hauptprotagonisten und bringt diese schließlich zusammen.

„Ich kann nicht über Dinge schreiben, die ich nicht selbst in irgendeiner Form erlebt habe“, so Thiele auf die Nachfrage, wie er es schaffe, diverse Szenen in seinem Buch so genau zu beschreiben, dass es einen als Leser mitnimmt und an der ein oder anderen Stelle auch für Gänsehaut sorgt. (Melanie Zimmermann)

Markus Thiele, „Die Warhheit der Dinge“, Benevento-Verlag, 240 S., 22 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.