Reihe mit Polarforschung bis zur Krebshistorie

Literaturherbst Göttingen: Wissenschaft zum Online-Hörensehen

Die Paulinerkirche in Göttingen
+
Die Paulinerkirche: Hier wollen sich in der Literaturherbst-Reihe Wissenschaft die fünf Göttinger Max-Planck-Institute präsentieren. Es gibt nur wenige Plätze, deshalb werden die Veranstaltungen auch online übertragen.

Die Reihe Wissenschaft der fünf örtlichen Max-Planck-Institute beim Göttinger Literaturherbst (23. Oktober bis 1. November) zählt zu den Stützen des Festivals und ist ein Publikumsmagnet. 

Göttingen – Knapp 250 Gäste finden Platz im so eindrucksvoll schlichten Veranstaltungssaal der Paulinerkirche. Diese muss in diesem Jahr fast leer bleiben. Die Lesungen und Gespräche mit sechs Top-Wissenschaftsautoren und Forschern, die tatsächlich in der Paulinerkirche sein werden, finden ohne Publikum statt, werden aber komplett online bei „Literaturherbst on Air“ zu sehen und hören sein.

Die Max-Planck-Institute fahren ein striktes Corona-Schutzkonzept, haben ihr öffentliches Programm zurückgefahren, deshalb gibt es nach Absprache mit dem Literaturherbstteam auch keine Veranstaltungen mit 30 Zuschauern in der Paulinerkirche. „Das ist schade, aber die Möglichkeit, online zu übertragen, ist gegeben und bietet einen guten Kompromiss“, sagt Svea Dettmer für die MPI-Organisatoren.

So sieht es auch Johannes Peter Herberhold, Literaturherbst-Geschäftsführer: „Unser On-Air-Programm ist ein Pilotprojekt und zukunftsweisend. Wir werden sicher nicht mehr dahinter zurückfallen.“ Das heißt: Der Literaturherbst wird wohl auch künftig vor Ort und im Netz live zu erleben sein. Möglich wird das mit einem einzigen On-Air-Ticket für 18 Euro. Es gilt für alle Online übertragenen Veranstaltungen.

Für die Wissenschaftreihe haben die MPI wieder ein spannendes Programm zusammengestellt. Jede Lesung beginnt um 19 Uhr.

Ohne das Thema Corona geht es auch dabei nicht. So wird am Sonntag, 25. Oktober, einer der Top-Experten für globale Infektionskrankheiten, Jörg Hacker, in der Paulinerkirche sein – mit seinem Buch „Pandemien. Corona und die neue Infektionsgefahr“. Darin geht es auch um die Rolle der Globalisierung bei der Pandemieentstehung.

Noch weitreichender ist das Thema von Jutta Allmendinger. Die Gesellschaftsforscherin analysiert und fragt, wie es um den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland bestellt ist. Und Allmendinger, die am Freitag, 23. Oktober, nach Göttingen kommt, entwirft auch Szenarien wie alles besser werden kann. Buch: „Über das Vertrauen in unser Vertauen“.

Dass Göttingen mit dem selbst in der Stadt unbekannteren MPI zur Erforschung multiethnischer und multikultureller Gesellschaften auch in der Migrationsforschung stark aufgestellt ist, zeigt, dass Ayelet Shachar einen Leibnizpreis erhalten hat. Shachar spricht am Dienstag, 27. Oktober, über das Konzept der Grenze. „Shifting Borders“ – Grenzen verschieben sich, auch beeinflusst durch Flucht und Pandemien.

Den Klimaveränderungen auf der Spur sind viele Forscher. Auch Markus Rex vom Alfred-Wegner-Institut, der mittlerweile ein Medienstar geworden ist – als Leiter der Expedition des Forschungsschiffs Polarstern, die, eingefroren im Packeis, ein Jahr lang am Nordpol driftete. Rex kommt mit dem Rohling seines Buches zum Literaturherbst. Er berichtet am 29. Oktober also exklusiv.

Über ein anders Ökosystem – nämlich die Stadt – forscht Menno Schilthuizen von der Uni Leiden in Holland. In den Städten passen sich Pflanzen und Tiere an, in rasender Geschwindigkeit. Der Forscher berichtet am 1. November von seinen ungewöhnlichen Expeditionen: „Darwin in der Stadt“, so der Buchtitel.

Über Krebs sind unzählig viele Bücher geschrieben worden, ein solches aber noch nicht: Die Medizinhistorikerin Bettina Hitzer (31. Oktober) stellt in ihrem Buch, mit dem gar nicht so treffenden Titel, „Krebs fühlen“ vor, wie sich das emotionale Umgehen mit dem Krebs über Jahrhundert verändert hat, von dem tödlichen Verlauf, über Schmerzen, Heilungschancen hin bis zur Apparatemedizin. „Dieses Buch empfehle ich als Plichtlektüre für alle Mediziner“, sagt Frauke Alves, Medizinerin an der Uni-Klinik und Forscherin am MPI für Experimentelle Medizin. (Thomas Kopietz)

Tickets bzw. das On-air-Ticket gibt es hier.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.