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Literaturherbst Göttingen: Wolfgang Niedecken las und sang zum Abschluss

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Von: Thomas Kopietz

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BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken (rechts) mit akustischer Gitarre sitzt neben Pianist Mike Herting, der an einem roten Keyboard spielt..
Großartig: BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken liest und singt Bob Dylan, begleitet von Pianist Mike Herting beim Göttinger Literaturberbst vor 700 – meist Masken tragenden – Zuschauern in der Sheddachhalle. © Christoph Mischke

Am Sonntagabend (21.11.2021) saß Wolfgang Niedecken mit Gitarre und Buch in der neuen Sartorius-Sheddachhalle, sang englisch-kölsche Dylan-Songs und las aus seinem Dylan-Buch.

Göttingen – Bei „Blowing In The Wind“ hat Wolfgang Niedecken damals auf Durchzug geschaltet. Er verband damit eine schmalzige Pop-Version von „Peter, Paul & Mary“. Dass er dennoch einer der glühendsten Verehrer Dylans werden würde, war Mitte der 60er-Jahre nicht absehbar. Es brauchte eines „Blitzeinschlages“, wie er im HNA-Interview sagt.

In der Reihe Kiwi-Musikbibliothek haben die Verlagsmacher in Person von Niedecken zweifelsohne den richtigen Autor herausgepickt, um über die Passion für Dylan zu schreiben. „Na gut“, habe er im spaßigen Understatement auf die Anfrage geantwortet. „Jawoll!“, sprach es innerlich zu ihm. Denn Dylan, dessen Musik und Lyrik, aber auch dessen Lebensorte haben Niedecken geprägt.

BAP-Gründer Niedecken: Für eine Doku reiste er nach New Orleans, auf den Spuren von Dylan

Davon träumte er als junger Mann, der Musik machen wollte, und den zweifelsohne Dylan maßgeblich mit dazu gebracht hat. 2017 nimmt BAP-Gründer Niedecken in New Orleans „dem am besten zu Dylan passenden Lebensort“ sein „Familienalbum“ auf und er begibt sich für eine Film-Doku auf die Spuren des „Meisters“, wie er ihn nennt. Es ist eine Reise zu Sehnsuchtsorten für Niedecken, eine zu den Orten, wo Dylan lebte und auftrat.

Diese glücklichen Umstände verarbeitet Niedecken vortrefflich in seinem Kiwi-Buch. Das Script liefern die Reise, die Album-Produktion und Dylans Musik. Und so wird der gut zweieinhalbstündige (das erinnert an alte BAP-Konzert-Zeiten) Auftritt ein Erlebnis, eine Zeit-, Musik- und USA-Reise. Schilderungen von Orten, Erlebnissen, Menschen – wie der Krabbenfischer im Missisippi-Delta, der einen Joint mit Paul McCartney rauchte – und der Blick auf das eigene Leben.

Apropos: Das Musikerleben des Wolfgang Niedecken begann in einer Schülerband quasi als „Paul-McCartney-Klon“ wie er mit verschmitztem Humor und in Bezug auf seinen ersten, „rot-samtbezogenen Bass aus dem Quelle-Katalog“ erzählt.

Wolfgang Niedecken mit seiner Westerngitarre beim Literaturherbst in der Sartorius-Sheddachhalle in Göttingen.
Erzählt und singt: Wolfgang Niedecken beim Literaturherbst in der Sartorius-Sheddachhalle in Göttingen. © Thomas Kopietz

„Like A Rolling Stone“: Auch in der Sheddachhalle kommt die eingekölschte Version gut rüber

Den Blitzeinschlag aber lieferte just zu dieser Zeit „Like A Rolling Stone“, ein Song, den Niedecken einkölschte, oft damit nicht zufrieden war, der dennoch bei BAP-Konzerten immer gut ankam. So auch 2021 in der Sheddachhalle, die das erste Lese-Konzert überhaupt erlebt und akustisch prima verkraftet.

Schön, das Wolfgang Niedecken mit einem Song der ersten BAP-Platte einsteigt: „Sintflut“, und somit die vielen BAP.Fans der ersten Stunde im Saal einfängt. Rührend ist, dass Niedecken mit einem Ständchen an eine einst 93-jährige „Lieblingsoma“ einsteigt. Den Jubel im Saal leitet Niedecken mit einer Geste gen Himmel weiter.

Bei „With God On Your Side“ bestätigt er dann seinen guten Ruf als Kölner-Dylan, den er mit „One More Cup Of Coffee“ untermauert. Der Manfred Mann Gassenhauer „Mighy Quinn“ ist nach 90 Minuten der Rauswerfer – in die Pause!

Wolfgang Niedecken: Bei der Zugabe haben seine Fans Freudentränen im Auge

Ein Stündchen packt der locker-humorvolle, gleichwohl souveräne und stimmlich mitreißende Niedecken noch drauf. Am Ende warten schöne Episoden aus dem Buch und noch großartigere Songs – begleitet vom bejubelten Jazz-Pianisten Mike Herting – wie „Forever Young“, „Schluss, aus, okay“ und „Songs sinn Dräume“ auf das begeisterte Publikum, in dem manch einer auch eine Träne des Glücks im Auge hat.

„Genau so soll es sein, das wollen wir“, sagt ein zufriedener Niedecken hinterher, packt die Gitarre ins Auto und fährt mit seiner Tina und Hund ins Hotel. Es war ein Fest, ihn lesen, erzählen und singen zu hören. Wolfgang Niedecken würde sagen: „Wunderbar!“

Bliebe noch der wohl von einigen Besuchern geteilte Wunsch des Hard-Core-BAP-Fans Gerd aus Göttingen: „Hoffentlich gibt´s davon ne Platte.“ (Thomas Kopietz).

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