Catrin Misselhorn und Raphaela Edelbauer

Literaturherbst in Göttingen: Ein Abend über Supercomputer und Sexroboter

Noch sind Roboter nicht zu echter Empathie fähig: Philosophieprofessorin Catrin Misselhorn im Gespräch mit Peer Trilcke.
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Noch sind Roboter nicht zu echter Empathie fähig: Philosophieprofessorin Catrin Misselhorn im Gespräch mit Peer Trilcke.

Software, die aus Gesichtsausdruck und Sprachmelodie auf die Simmung eines Menschen schließt, Sexroboter und künstliche Systeme, die Schmerz empfinden – Über neue Entwicklungen der Künstlichen Intelligenz (KI) sprachen Philosophieprofessorin Catrin Misselhorn und die übers Internet zugeschaltete Schriftstellerin Raphaela Edelbauer beim Göttinger Literaturherbst.

Göttingen – „Damit Maschinen besser mit Kunden und Mitarbeitenden kommunizieren können, müssen sie deren Emotionen erkennen und auf sie eingehen“, erläuterte die Göttinger Professorin Misselhorn im Gespräch mit dem Potsdamer Literaturprofessor Peer Trilcke im Adam-von-Trott-Saal der alten Mensa am Wilhelmsplatz. Software zum Wahrnehmen von Emotionen wie Ärger, Ekel oder Furcht gebe es bereits. Zum Einsatz käme sie zum Beispiel bei Pflegerobotern, die Senioren im Alltag unterstützten oder ihnen Gesellschaft leisten sollten.

Obwohl Menschen dazu neigten, in solchen Robotern mehr als reine Maschinen zu sehen, empfänden diese bisher selbst nichts und hätten auch kein Bewusstsein, führte die Autorin des Buches Künstliche Intelligenz und Empathie (Reclam, 2021) aus. Eine offene Frage sei, ob man sie trotzdem schlecht behandeln dürfe. Für Empörung habe in sozialen Netzwerken ein Mann mit einem groben Tritt gegen einen hundeähnlichen Roboter gesorgt. Noch drängender stelle sich die Frage bei menschenähnlichen Sexrobotern, die zunehmend Verbreitung fänden. Besonders strittig seien gewalttätiger Sex mit ihnen sowie die von Pädokriminellen nachgefragten Sexroboter in Kindergestalt. Gegner befürchteten, dass das zu einer Verrohung führe.

Die KI, so Misselhorn, stoße zunehmend in Bereiche vor, die bisher dem Menschen vorbehalten schienen. So gebe es bereits seit 2017 ein Programm, dass das hochkomplexte chinesische Go-Brettspiel besser beherrsche als Weltmeister. Es bassiere auf den Verläufen von Spielen, die tausende von Menschen ausgetragen hätten. Der Computer erschaffe also bisher nichts genuin Neues. Das gelte auch für Schreibprogramme, die berührende Texte verfassen könnten. Sie nutzten Sprachfiguren, mit denen sie gefüttert würden. Auch da gäben Computer lediglich Bekanntes in neuer Form wieder.

Keine Angst hat die Professorin davor, dass in absehbarer Zukunft ein menschenähnlicher Supercomputer eine Maschinenherrschaft über die Welt errichtet. Gefahr drohe eher von Staaten und Firmen, die die vorhandene KI zur Kontrolle und Manipulation der Menschen nutzten, ergänzte die österreichische Autorin Edelbauer. Damit Computer menschenähnlich werden, müssten sie über eigene Emotionen und eine eigene Biographie verfügen.

In Edelbauers Roman Dave (Klett-Cotta, 2021) geht es um einen Supercomputer, der die Identität eines Menschen erhalten soll. Moderator Trilcke sprach von „der klügsten, ästhetischsten und gewitztesten Darstellung“ des Themas. (Michael Caspar)

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