Corona Pandemie

Logistikkapazitäten werden knapper: Praktiker aus Göttingen und Osterode berichten

Ein Mann hält die Utensilien für Schnelltests in die Kamera.
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Noch bezahlt die Göttinger Zufall logistic group Mitarbeitenden, die sich nicht impfen lassen wollen, sämtliche Schnelltests, berichtet Qualitäts- und Umweltmanager Lars Kreike.

Pandemiebedingte Sicherheitsvorkehrungen verknappen die ohnehin schon begrenzten Speditionskapazitäten noch zusätzlich. Darauf machen Logistiker aus Göttingen und Osterode aufmerksam.

Göttingen – „Alles ist viel zeitaufwendiger geworden“, berichtet Peter Kiermasch, Geschäftsführer des in Göttingen ansässigen, internationalen Transport- und Logistikunternehmens Lopex. Fahrer, die Ware holen und bringen wollten, ständen bei Kunden oft in der Warteschlange.

Es seien Bescheinigungen vorzulegen und zusätzliche Formulare auszufüllen. Die Fahrer der Subunternehmer - Lopex hat keine eigenen Chauffeure - seien alle geimpft. „Anders geht es auch nicht“, stellt Kiermasch klar. Bei „vielen Firmen“ kämen nur noch Personen aufs Werksgelände, die 2G erfüllten, also geimpft oder genesen seien.

Für „pragmatische Lösungen“ wirbt Lars Obermann, geschäftsführender Gesellschafter von Obermann Logistik aus Osterode. Teilweise akzeptierten Kunden nur Schnelltests, die bei ihnen selbst durchgeführt worden seien. Oder es gelte bei ihnen 2G und ungeimpfte Fahrer dürften nicht aufs Werksgelände.

Obermann weiß auch von Fällen, wo Fahrern osteuropäischer Subunternehmer der Zutritt verwehrt worden ist. Der Grund: Sie waren mit russischen oder chinesischen Vakzinen geimpft worden, die in Deutschland nicht zugelassen sind.

„Wenn wir den Empfänger von Sendungen kennen, können wir uns auf sie einstellen“, sagt Obermann. Die eigenen 100 Fahrer seien bis auf wenige geimpft. Wenn Kunden aus den genannten Gründen die Annahme verweigerten, müsse telefonisch nach einer Lösung gesucht werden. Das binde dann Arbeitskraft.

„Dabei benötigen die Empfänger die Ware“, wundert sich Obermann. Und die Kontakte zu Fahrern seien bereits seit dem ersten Corona-Jahr auf das Nötigste beschränkt worden. Ohnehin reichten die Logistik-Kapazitäten kaum aus. Derzeit fehlten in Deutschland 80.000 Fahrer. Tendenz: kräftig steigend.

„In Absprache mit Kunden bemühen wir uns seit Pandemie-Beginn direkte Kontakte möglichst zu verringern“, berichtet Christian Wolter, Pressesprecher der Göttinger Zufall logistic group. So stehe abzuholende Ware zum Teil bereits auf der Rampe bereit. Abliefernachweise würden nicht mehr im Firmengebäude der Kunden, sondern in einem Container davor unterzeichnet. Zufall-Beschäftigte arbeiteten, wo das – wie etwa im kaufmännischen Bereich – möglich sei, im Homeoffice.

„Seit der Gesetzgeber 3G am Arbeitsplatz vorschreibt, testet Zufall auf eigene Kosten die wenigen noch ungeimpften Mitarbeitenden vor Arbeitsantritt“, sagt Wolter. Von Anfang Januar an gelte das allerdings nur noch für zwei Tests in der Woche. Die anderen Tests müssten Kollegen, die sich nicht impfen lassen wollten, dann selbst zahlen.

In „Ausnahmefällen“ akzeptierten Kunden die Zufall-Tests nicht. Von Zufall eingesetzte Subunternehmer müssten die Einhaltung der 3G-Regel bei ihren Beschäftigten sicherstellen. Sie hätten ein wirtschaftliches Interesse, das auch zu tun. (Michael Caspar)

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