Ausgedünnter Fahrplan

Pro Bahn: Dritter Lokführer-Streik in Folge ist eine „bittere Pille“

Schwierige Lage für die Kunden: Gerd Aschoff vom Fahrgastverband Pro Bahn kann den Frust, der bei Reisenden aufkommt, nachvollziehen.
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Schwierige Lage für die Kunden: Gerd Aschoff vom Fahrgastverband Pro Bahn kann den Frust, der bei Reisenden aufkommt, nachvollziehen.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) sorgt zum dritten Mal für Frust bei Bahnreisenden. Der Streik endet voraussichtlich erst in der Nacht zum Dienstag, 7. September, um 2 Uhr. Die Bahn rät, geplante Reisen zu verschieben, wenn dies möglich ist.

Update vom 02.09.2021, 16.10 Uhr: Den dritten Bahnstreik in Folge der Gewerkschaft der Lokomotivführer bewertet der Fahrgastverband Pro Bahn Südniedersachsen als „bittere Pille für die Fahrgäste“.

Zudem sei eine Arbeitsniederlegung bis Dienstag, 7. September, 2 Uhr, in dieser Form unnötig, weil die Verhandlungsoptionen nicht ausgeschöpft seien. Pro Bahn-Sprecher Gerd Aschoff: „Die Reisepläne zahlreicher Fahrgäste werden über den Haufen geworfen.“

Aschoff verweist darauf, dass die in der Region präsenten Wettbewerbsbahnen Cantus, Metronom und Nordwest-Bahn vom Streik nicht betroffen sind, also nach Fahrplan verkehren. Bei der Deutschen Bahn tritt ein Notfahrplan in Kraft, dessen angezeigte Verbindungen nach Erfahrung des Fahrgastverbandes „relativ zuverlässig eingehalten werden“. Sitzplätze können für diese Züge reserviert werden.

Pro Bahn weist außerdem darauf hin, dass die Fahrgastrechte auch im Streik Gültigkeit haben. Dazu gehört eine Entschädigung bei Verspätung in der Ankunft von mehr als 60 Minuten, die seit kurzem übrigens auch direkt im Internet beantragt werden kann.

Vorsitzender Aschoff: „Auf diesen Anspruch sollte kein Fahrgast verzichten!“ Pro Bahn fordert die Tarifpartner auf, ohne Vorbedingungen an den Verhandlungstisch zurückzukehren, um dort nach einem Kompromiss zu suchen.

Die Bahn setzte am Donnerstag erneut ihren Streikfahrplan in Kraft. Damit wird versucht, einen Teil der Verbindungen anzubieten. Das Verkehrsunternehmen rät, auf geplante Fernreisen zu verzichten, wenn man nicht zwingend fahren muss. Infos zum Streikfahrplan der Bahn können hier abgerufen werden. Das Erstattungsportal ist hier zu finden. Infos zu den Kulanz-Regelungen gibt es hier.

Hier der ausgedünnte Fahrplan für den Regionalverkehr in Südniedersachsen

  • RB 80/81 Bodenfelde – Northeim: Ein Schienenersatzverkehr ist im Zwei-Stunden-Takt eingerichtet.
  • RB 80/81 Northeim – Nordhausen: Die Züge beider Linien verkehren voraussichtlich im Zwei-Stunden-Takt kombiniert.
  • RB 82 Göttingen – Kreiensen – Bad Harzburg: Die Züge verkehren voraussichtlich im Zwei-Stunden-Takt.
  • RB 86 Einbeck Mitte – Göttingen: Die Züge verkehren auf diesem Streckenabschnitt planmäßig zwischen Einbeck/Mitte und Einbeck-Salzderhelden, die durchgehenden Züge von und nach Göttingen fallen allerdings aus.
  • RB 46 Braunschweig Hbf – Herzberg: Die Züge verkehren voraussichtlich im Zwei-Stunden-Takt. Weitere Infos sind unter bahn.de/aktuell abrufbar.

Update vom 24.08.2021, 12.15 Uhr: Für Entlastung im Lokführerstreik sorgen am heutigen Dienstag weiterhin die Privatbahnen, denn Metronom, Cantus und Nord-West-Bahn verkehren. Die Regionalbahnen der Deutschen Bahn sind auch am zweiten Streik in der Regel nur im Zwei-Stunden-Takt unterwegs. Im Fernverkehr verkehrt nur etwa 30 Prozent der Züge. Meist sind Ersatzzüge unterwegs. Reisende sollten sich deshalb unbedingt vor Fahrtantritt informieren oder ihre Fahrt verschieben. Infos gibt es über die Smartphone-App „DB Navigator“, unter der kostenfreien Hotline 08000/99 66 33 sowie hier. Das Erstattungsportal der Bahn ist hier zu finden. Infos zu den Kulanzregelungen kann man hier bekommen.

Erstmeldung vom 23.08.2021, 15.10 Uhr: Göttingen – Eine erste Streikaktion gab es bereits vor anderthalb Wochen. Bestreikt werden bis zum Mittwoch, 25. August, 2 Uhr, unter anderem Personenzüge im Nah- und Fernverkehr der Bahn.

Fahrgäste, die den Nahverkehr in Südniedersachsen und Nordhessen nutzen, sind nicht so stark betroffen, da die Privatbahnen (Metronom, Cantus, Nord-West-Bahn und Hessische Landesbahn) nicht bestreikt werden. Sie schultern einen Großteil des Nahverkehrs in der Region. Bei Nahverkehrsstrecken, die von der Deutschen Bahn bedient werden, hat das Unternehmen einen Streik-Fahrplan herausgegeben, der auch am Dienstag gelten soll. Hier die Angebote für Südniedersachsen:

Anders sieht es im Fernverkehr aus. Dort entfallen nach den Planungen der Bahn bis zum Streikende drei von vier Verbindungen. Am Montag hatten sich viele Fahrgäste in Südniedersachsen bereits auf den Ausstand eingestellt. Diesmal hatten sie genügend Zeit, da die GDL die Streikmaßnahmen bereits am Freitag angekündigt hatte. Beim Streik vor zehn Tagen lagen zwischen Ankündigung und dem Streik nur 15 Stunden, was bei Fahrgästen zu großen Verunsicherungen führte.

Gerd Aschoff vom Fahrgastverband Pro Bahn Südniedersachsen kritisiert, dass mit dem Streik ein Streit zwischen der GDL und der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) auf dem Rücken der Fahrgäste ausgetragen wird. (Bernd Schlegel)

Erweiterte Kulanzregelungen wegen des Bahnstreiks

Die Deutsche Bahn hat ihre Kulanzregelungen wegen des Bahnstreiks deutlich ausgeweitet. So behalten alle bereits gebuchten Fahrkarten des Fernverkehrs für Strecken, die vom 23. bis einschließlich 25. August vom GDL-Streik betroffen sind, ihre Gültigkeit. Die gebuchten Fahrkarten kann man bis einschließlich 4. September flexibel nutzen. Weitere Infos zur Kulanzregelung sind hier abrufbar.

Wer Entschädigungen, zum Beispiel für verspätete Züge, geltend machen möchte, sollte das entsprechende Online-Portal der Bahn nutzen, das hier zu finden ist. (bsc)

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