1. Startseite
  2. Lokales
  3. Göttingen
  4. Göttingen

Lokhalle Göttingen: Mit 102 Jahren fit für die Zukunft

Erstellt:

Von: Thomas Kopietz

Kommentare

Eindrucksvolles Industriedenkmal: Die Lokhalle ist das größte Veranstaltungszentrum der Region, drei Hallenteile bieten mehr Grundfläche als ein Fußballfeld mit internationalen Maßen. Die Halle – hier die Süd-Ost-Draufsicht – wird für zehn Millionen Euro technisch überholt.
Eindrucksvolles Industriedenkmal: Die Lokhalle ist das größte Veranstaltungszentrum der Region, drei Hallenteile bieten mehr Grundfläche als ein Fußballfeld mit internationalen Maßen. Die Halle – hier die Süd-Ost-Draufsicht – wird für zehn Millionen Euro technisch überholt. © Michael Mehle

Die Lokhalle Göttingen wird für die Zukunft fit gemacht. Die „Ertüchtigung“ bei laufendem Betrieb kostet zehn Millionen Euro.

Göttingen – Früher wurden hier Lokomotiven ertüchtigt – jetzt wird die Lokhalle selbst „ertüchtigt“. Zehn Millionen Euro soll das kosten und bei laufendem Betrieb in drei Jahren geschehen. Genutzt werden sollen vor allem die Sommerpausen.

Mächtige Stahlträger – teils mit leichter Rost-Patina, stählerne Kranbrücken mit Monster-Flaschenzügen, ein robuster Estrichboden mit eingelassenen Schienensträngen, aufgestellte Dachfenster durch die das Licht gebrochen in Streifen fällt, den riesigen Innenraum fast mystisch einhüllt: Das ist sie, die Lokhalle. Industriedenkmal und größtes Veranstaltungszentrum der Region. Bundesweit prämiert als Top-Veranstaltungsort. Und ausgestattet mit einem faszinierenden Flair. 24 Jahre ist sie in neuer Funktion in Betrieb. Millionen Besucher haben sie gesehen, ja erlebt.

Damit das so bleibt, folgt jetzt nach 24 Betriebsjahren als Veranstaltungszentrum die „Ertüchtigung“, wie die Stadt und deren hunderprozentige Tochter GWG als Betreiberin das nüchtern und sperrig bezeichnen. „„Die Lokhalle muss mit der Zeit gehen – sie ist jetzt ein Ertüchtigungsfall“, bringt es GWG-Geschäftsführer Jens Düwel auf den Punkt. Die Ertüchtigung sei generell notwendig und weniger, im Vergleich zu anderen Kultur-Bauten in Göttingen durch Versäumnisse verursacht. „Die Lokhalle ist einfach in die Jahre gekommen.“

So wird es weder Neu- noch Anbauten geben, das beeindruckende Gebäude aber vor allem im Inneren und Verborgenen modernisiert, sicherer und energieeffizienter – letztlich aufgewertet – wird.

Dass die Stadt stattliche zehn Millionen – mit möglichen marktbedingten Teuerungen – über günstige Kredite, die an die GWG weitergegeben werden, in die Hand nimmt, sei notwendig und wichtig, wie Oberbürgermeisterin Petra Broistedt sagte. Die Lokhalle erwirtschafte laut Gutachten 25 Millionen Euro pro Jahr, enthalten sind auch Umsätze für Firmen und in der Gastronomie. In der Stadt und Region blieben so 15 Millionen Euro Wertschöpfung. Zudem sei die Lokhalle nach wilden Diskussionen vor ihrer Wiedergeburt als Veranstaltungszentrum nun zu einem „Identifikationsanker für Göttingen geworden“, so Broistedt.

Gelitten hat das Hallen-Management in der Pandemie: Vorher lag die Auslastung bei 100 Prozent – jetzt bei 50 Prozent wie Kai Ahlborn sagt. Die so entstandene Zeit nutzten der Stellvertreter und die Hallenleiterin Nicole Klammer, um zu fragen: „Was muss verbessert werden?“ Heraus kam der Ertüchtigungsplan, der mithilfe des Büros onp-Schwieger umgesetzt wird. Aufgepäppelt wird nun die technische Gebäudeausrüstung (TGA) mit Lüftungsanlagen, Brandmeldeanlage und Elektro-Installationen. Am auffälligsten für die Besucher wie Ahlborn sagt, wird das neue Beleuchtungskonzept samt LED-Technik. Innen wie Außen soll die Lokhalle mehr ausstrahlen – die Fassaden-Illumination kann farblich variiert werden – abgestimmt auf die Corporate-Design-Farben der Mieter. Generell soll die Lokhalle als Industriedenkmal auch eindrucksvoller inszeniert werden. Innen wird es bessere Verdunklungsmöglichkeiten geben. Außen auch Photovoltaik-Elemente auf dem Dach, was Anforderungen an die Statik und Planung stellt, wie Alessa Brill von onp sagt.

Extrem wichtig ist laut Kai Ahlborn das Schaffen einer modernen IT-Infrastruktur mit einem flächendeckenden WLAN-Netzwerk – heute Standard in Veranstaltungshallen. In der Lokhalle musste es vor allem für Messen aufwändig und teuer per eine Verkabelung gelegt werden.

Lichtdurchflutet: Die 9000 Quadratmeter große, 1920 gebaute Lokhalle erhält neue Technik – auch Verdunklung, Elektronik und Beleuchtung.
Lichtdurchflutet: Die 9000 Quadratmeter große, 1920 gebaute Lokhalle erhält neue Technik – auch Verdunklung, Elektronik und Beleuchtung. ©  Thomas Kopietz

Genutzt werden sollen auch unterirdische Gänge wie einstige Gruben zur Lok-Wartung und auch wiederentdeckte kleinere Kellerräume, die in den 30-er-Jahren auch als Bunker angelegt wurden. Gitter sollen Besuchern auch Einblicke in den Untergrund ermöglichen. Broistedt betont, dass für die Modernisierung auch mehr Fördergeld eingeworben werden wollen. 200 000 Euro habe man bereits bekommen.

Über den Bau und Fortschritte will die GWG informieren. Regelmäßig soll es Führungen geben, zuerst am Sonntag, 8. Mai.

Als „Erkunder“ könnten die Planer auch Campino von den Toten Hosen gebrauchen. Der Sänger kletterte 2005 beim Konzert vor 6000 Fans mutig an einem Stahlträger empor. Der hielt stand. Wie die Lokhalle seit 1920. (Thomas Kopietz)

Von Thomas Kopietz

Auch interessant

Kommentare