Ausrüstung von Unterrichtsräumen

Luftfilter für Schulen kommen - Stadtrat stellt 1,5 Millionen Euro bereit

S-Arena
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Nach Diskussion in der S-Arena: Der Göttinger Stadtrat stellte kurzfristig 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Das Geld ist für die Ausrüstung von Unterrichtsräumen mit Luftreinigungssystemen und Plexiglastrennwänden vorgesehen.

Die Stadt Göttingen wird an seinen Schulen kurzfristig bis zu 1,5 Millionen Euro in die Ausrüstung von Unterrichtsräumen mit Luftreinigungssystemen und Plexiglastrennwänden investieren.

Göttingen – Einen entsprechenden interfraktionellen Eilantrag beschloss der Rat am Freitagabend einstimmig. „Wir haben uns in den vergangenen Wochen intensiv mit ausgewiesenen Experten beraten und sind trotz der dort gehörten unterschiedlichen Auffassungen zu dem Schluss gelangt, der in unserem Antrag seinen Ausdruck findet“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Olaf Feuerstein. „Wenn wir damit schneller sind als das Ministerium und andere Kommunen, wird das absolut nicht schaden, dann gehen die Lieferzeiten für die Geräte noch nicht ins Uferlose.“

Dem Dringlichkeitsantrag, den die Christdemokraten ursprünglich alleine stellen wollten, hatten sich unter der Woche nach konstruktiven Gesprächen sämtliche im Stadtrat vertretenen Fraktionen angeschlossen. So war es auch nicht verwunderlich, dass er einstimmig verabschiedet wurde. Die Verwaltung wird damit ermächtigt, kurzfristig für bis zu 1,5 Millionen Euro Luftreinigungssysteme und Plexiglastrennwände für die Unterrichtsräume seiner Schulen anzuschaffen. Die mobilen Geräte sollen demnach grundsätzlich drei Kriterien erfüllen: sechsfacher Austausch der Raumluft pro Stunde, Reinigungsqualität nach einem hohen Standard sowie eine Lärmbelastung von unter 55 Dezibel.

„Zwar befinden wir uns in den Haushaltsberatungen für 2021, aber ohne Zweifel benötigt die Verwaltung nicht erst im Mai oder Juni, sondern jetzt sofort einen haushaltswirksamen Beschluss, wenn hier bereits in den nächsten Wochen und damit noch in der kalten Jahreszeit die ersten Maßnahmen greifen sollen“, sagte Olaf Feuerstein. Schließlich sei allen Beteiligten daran gelegen, „dass unsere Schulen möglichst schnell zu relativ normalem Präsenzunterricht zurückkehren können“. Aktuell wisse niemand, wie lange man mit den massiven Bewegungseinschränkungen zur Eindämmung der Endemie werde leben müssen.

Durch neue, aggressivere Varianten des Corona-Virus seien weitere Verschärfungen nicht ausgeschlossen. „Wir wissen auch nicht genau, welche Bedeutung speziell unseren Kitas und Schulen bei der Weiterverbreitung des Virus zukommt“, so Feuerstein. „Wir wissen aber sicher, dass wir unseren Kindern kein weiteres Jahr ohne Präsenzunterricht zumuten können.“ Die verfügten Anordnungen zum Durchlüften von Klassenräumen selbst bei Minustemperaturen würden hier aber eher hilflos als praktikabel und zielführend wirken. Durch mobile Lüftungsanlagen lasse sich die Ansteckungsgefahren in Räumen weitgehend ausschließen. Plexiglastrennwände zwischen den Tischen würden zusätzlich eine Abschottungswirkung erzielen.

In den vergangenen Wochen hatten Experten wie die Professoren. Eberhard Bodenschatz, Wolfgang Viöl und Markus Raffel aus Göttinger Forschungseinrichtungen Test und Expertisen – mit zum Teil bahnbrechenden Erkenntnissen – zum Luftaustausch und zur Luftfilterung in Unterrichtsräumen von Schulen gestartet und vorgelegt. Die Stadtverwaltung hatte diese über die Schul- und Bau-Ezernentinne der Öffentlickeit vorgestellt. Auch der Stadelternrat hatte die gebündelten Ergebnisse gesammelt und öffentlich zugänglich gemacht.

Folter-Test im Klassenraum: Mit Spezial-Dummys liefen im Labor des Deutschen Luft- und Raumfahrzentrums (DLR) in Göttingen Versuche.

Saubere Luft: Rat lehnt Linken-Antrag ab

Noch bevor der interfraktionelle Eilantrag zur Beschaffung von Luftreinigungssystemen für die Göttinger Schulen beschlossen worden war, lehnte der Rat einen von den Linken eingebrachten eigenen „Antrag für saubere Luft in den Schulen“ mit großer Mehrheit ab. Danach sollte die im Aufsichtsrat der Städtischen Sparkasse vertretenen Ratsmitglieder aufgefordert werden, sich dort dafür einzusetzen, die der Sparkasse zugewiesenen Gewinne der Städtischen Wohnungsbau von 1,037 Millionen Euro der Stadt Göttingen zu überlassen, um ihre Schulen mit Luftfiltersystemen und Trennscheiben auszustatten. „Bei einem Jahresüberschuss der neuen, fusionierten Sparkasse von 5,9 Millionen Euro, der über dem Niveau des Vorjahres liegt, halten wir es für angemessen, dass dieser Betrag, der von einem Städtischen Betrieb erwirtschaftet worden ist, nicht an ein anderes, finanziell gut ausgestattetes Städtisches Institut weitergeleitet wird“, lautete es in der Antragsbegründung.

Nachdem Stadtkämmerer Christian Schmetz dargelegt hatte, dass dieser Vorgang allein schon aus rechtlichen Gründen nicht möglich sei, versicherte Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler, in Gesprächen mit dem Sparkassenvorstand erfahren zu haben, dass dieser ohnehin plane, Geld für die Luftreinigung an den Schulen bereitstellen zu wollen. In welcher Höhe das geschehen werde, könne er aber nicht sagen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Tom Wedrins sagte: „Hundertprozentig sicheren Schutz für unsere Schulen schaffen wir nicht alleine, deshalb setzen wir auf einen Mix. Mit 1,5 Millionen Euro geben wir als Stadt unser Bestes dazu, aber der Mix braucht auch die Unterstützung vom Landeselternrat und vom Land.“

Der Stadtelternrat steht hinter dem Beschluss, wie die Vorsitzende Cindy Heine sagte: „Ich danke dem Stadtrat für den Beschluss, der allerdings längst überfällig war.“ Die Göttinger Politik und Verwaltung stelle sich hier in hohem Maße ihrer Verantwortung für den umfassenden Gesundheits-und Infektionsschutz an Schulen in Zeiten von Corona und den sich verbreitenden Virusvarianten. „Wir danken allen Fraktionen, die zügig einen gemeinsamen Konsens gefunden haben; den im Vorfeld beteiligten Experten,dieihre Expertise in die Entscheidungsfindung eingebracht haben und schlussendlich der Verwaltung, die sich nunmehr der Umsetzung annimmt.“ Dabei dürfe man sich aber nicht viel Zeit lassen, denn diese sei knapp.

Außerdem bittet der Stadtelternrat um die Einrichtung eines Spendenkontos, „damit am Ende alle Schulräume mit Luftreinigungssystemen ausgestattet werden können“. (Per Schröter und Thomas Kopietz)

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