Name wechselt auf kleineren Jet

Lufthansa-Flugzeugtaufe: "Göttingen" fliegt 2014 als Fanhansa

Die aktuelle „Göttingen“: Der Airbus A 321-200 ist auf den Europastrecken bei der Lufthansa unterwegs. Noch in diesem Jahr soll der Aufkleber Fanhansa verschwinden. Foto: Martin Tietz/nh

Göttingen. Er warb weltweit für Göttingen: Der Lufthansa-Airbus A-340-300 flog mit dem Schriftzug „Göttingen“ 20 Jahre um die Welt.

Im Mai wurde er ausgemustert und ersetzt. Der Name „Göttingen“ wechselte auf einen kleineren Jet, einen Airbus A 321-200.

Der ist nun „nur noch“ in Europa Werbeträger für Göttingen. Die fliegende „Göttingen“ hat Tradition: Vor mehr als 46 Jahren erhielt erstmals ein Lufthansa-Flugzeug den Namen der Stadt, eine Boeing 737-130, wurde am 3. September 1968 auf dem Flughafen Hannover-Langenhagen feierlich getauft. Taufpatin war Elisabeth Leßner, Gattin des damaligen Oberbürgermeisters Walter Leßner. Drei Tage später, am 6. September, startete die erste „Göttingen“ mit dem Kranich am Leitwerk erstmals zu einem Linienflug.

Der Name der Uni-Stadt wurde seitdem dreimal auf modernere Nachfolger übertragen: 1994 erhielt ein Lufthansa-Airbus A 340-300 als dritte „Göttingen“ den Namen der südniedersächsischen Universitätsstadt. Dieses Langstreckenflugzeug mit der Kennung D-AIGF war weltweit im Einsatz, insbesondere nach Nordamerika und Asien. Heimatflughafen war Frankfurt.

Letzter Passagierflug 

Der letzte Passagierflug der alten „Göttingen“ fand am 3. März 2014 mit der Flugnummer LH 759 von Chennai (Indien) nach Frankfurt statt. Am 6. März wurde das Flugzeug ohne Passagiere nach Bangor im US-Bundesstaat Maine geflogen. Der letzte Flug führte den vierstrahligen Jet in zwei Stunden und 56 Minuten zum Tupelo Regional Airport im US-Bundesstaat Mississippi. Noch heute steht die „Göttingen“ auf dem Gelände der Firma Universal Asset Management, einer auf Flugzeugdemontage und Komponentenverkauf spezialisierten Firma. Sie wartet darauf, auseinander genommen zu werden.

Seit März fliegt nun die neue, bereits 2011 in Dienst gestellte „Göttingen“ als Airbus A321-200 mit dem Kennzeichen D-AIDG.

Sowohl der alte, als auch der neue Göttingen-Airbus waren bei der Lufthansa prädestiniert für Neuheiten. 2004 begann auf der D-AIGF ein neues Zeitalter mobiler Kommunikation. Als damals weltweit erste Fluggesellschaft bot Lufthansa auf der „Göttingen“ den Passagieren zwischen München und Los Angeles routinemäßig schnelles Breitband-Internet in Reiseflughöhe. Lufthansa erlangte die weltweit erste Zertifizierung von WLAN an Bord eines Flugzeuges.

Die neue „Göttingen“ war 2014 die erste Lufthansa-Maschine mit dem „Fanhansa“-Schriftzug. Anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft wurde bei acht Flugzeugen das neue Fanhansa-Logo aufgeklebt. 7,65 Meter lang ist der Fanhansa-Schriftzuges auf dem Airbus.

Damit veränderte Lufthansa erstmals seit Aufnahme des Flugbetriebs vor fast 60 Jahren ihren Namen auf dem Flugzeugrumpf. Aber: Noch in diesem Jahr sollen die Fanhansa-Aufkleber wieder verschwinden. Erst im neuen Jahr sollen die Urkunden für die offizielle Namensübertragung in Göttingen unterschrieben werden. Dies teilte die Lufthansa auf Anfrage mit.

Vergleich: Die Neue, die Alte 

Im Vergleich zur alten Göttingen-Maschine hat der Airbus A 321-200 nur 190 Sitzplätze (A 340-300: 221 Sitzplätze), eine Länge von 45 Metern (63 Meter) und eine Spannweite von 34 Metern (60 Meter). Das maximale Abfluggewicht liegt bei 83 Tonnen (275 Tonnen beim A 340), die Reisegeschwindigkeit bei 840 km/h (890 km/h). Die Reichweite der neuen „Göttingen“ beträgt 3000 Kilometer, der alte A 340 konnte 11.500 Kilometer weit fliegen. 

Zweimal Göttingen bei der Lufthansa

Hintergrund: 24 Flugzeugnamen aus Niedersachsen

Die Niedersachsen-Flotte der Lufthansa umfasst 24 Jets von unterschiedlicher Größe mit kontinentalen und interkontinentalen Einsatzgebieten. Neben der „Niedersachsen“, einer neuen Boeing 747-8, tragen Airbus-, Boeing- und Bombardier-Jets unterschiedlicher Bauart und Größe die Namen der Städte Braunschweig, Buxtehude, Celle, Cuxhaven, Delmenhorst, Emden, Goslar, Hameln, Hannover, Helmstedt, Hildesheim, Langenhagen, Lingen, Lüneburg, Nordenham, Oldenburg, Osnabrück, Salzgitter, Stade, Verden, Wolfsburg, Wilhelmshaven - und Göttingen - durch die Welt.

Neben dem „Göttingen“-Langstrecken-Airbus wurden 2014 nach 20 Jahren auch die A 340 „Remscheid“ und „Koblenz“ turnusgemäß ausgemustert und zur Verschrottung in die USA nach Tupelo überführt. 

Lufthansa-Geschichte der Länder- und Städtenamen

Die Tradition, Flugzeuge der Lufthansa mit den Namen deutscher Länder und Städte zu versehen, geht auf den September 1960 zurück. Damals gab es in Frankfurt die erste Flugzeugtaufe, als die „Kranichlinie“ ihren allerersten Langstrecken-Jet vom Typ Boeing 707 in Dienst stellte. Der vierstrahlige Jet erhielt den Namen „Berlin“. Taufpate war der damalige Regierende Bürgermeister Willy Brandt.

Seither wurden über 300 Lufthansa Flugzeuge auf die Namen deutscher Städte getauft. Auch sämtliche Länder und einige internationale Namen finden sich in der Kranich-Flotte. Am Anfang der Taufpatenschaften stand für Lufthansa der Gedanke, die Verbundenheit zum Heimatstandort Deutschland jenseits der großen Drehkreuze und Standorte auch in die Regionen zu tragen. Die getauften Flugzeuge sind fliegende Botschafter ihrer Heimat.

Die Größe der Stadt spielt dagegen keine entscheidende Rolle. Allerdings wird bei der Vergabe im Allgemeinen darauf geachtet, dass die Einwohnerzahl in sinnvoller Relation zur Größe des Flugzeugmusters steht. Daher wurde vermutlich die „Göttingen“ nun auch herabgestuft, vom Langstreckenflugzeug Airbus A 340 auf das kleinere Mittelstreckenflugzeug Airbus A 321. Neben dem Namen der Patenstadt am Bug des Flugzeugs wird auch das Stadtwappen im Eingangsbereich der Kabine angebracht.

Von Stefan Rampfel

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