Mahnwache für chinesischen Wissenschaftler

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Protest vor der Aula am Wilhelmsplatz: Menschenrechtler der Gesellschaft für bedrohte Völker erinnerten vor dem deutsch-chinesischen Symposium an die Verfolgung chinesischer Wissenschaftler. In der Mitte hinter dem Gefängnisgitter-Plakat GfbV-Asienreferent Ulrich Delius.

Göttingen. Mit einer Mahnwache haben 25 Aktivisten der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Montag an den inhaftierten chinesischen Wissenschaftler Guo Quan erinnert.

Die Menschenrechtler demonstrierten vor der Aula der Göttinger Universität, in der am Nachmittag der zweite Göttinger Wirtschaftstag China begann.

In dem öffentlichen Symposium zum Thema „Volksrepublik China: Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam unterwegs“ stand ein Referat des VW-Vorstandsmitglied Dr. Jochem Heizmann im Mittelpunkt: „Chinas Automobilmarkt – Herausforderungen für die Automobilindustrie“. Anschließend sah das Programm eine Podiumsdiskussion über „Zukünftige Herausforderungen für die nachhaltige Kooperation mit der Volksrepublik China“ vor.

Mit ihrer Mahnwache forderten die Mitglieder der Gesellschaft für bedrohte Völker die Universität Göttingen auf, mehr Einsatz für die Freilassung Guo Quans zu zeigen. Dem Professor an der Göttinger Partner-Universität in Nanjing sei 2007 die Lehrbefugnis entzogen worden, nachdem er sich in Briefen an die chinesische Staatsführung für ein Mehrparteiensystem und für demokratische Reformen ausgesprochen hatte. Wegen seines Einsatzes für eine Demokratisierung sei Guo Quan 2008 zu zehn Jahren Haft verurteilt worden.

Dazu stellte Uni-Sprecher Romas Bielke klar, dass nach seinen Informationen Guo Quan eine Professur an der Nanjing Normal University hat, mit der die Universität Göttingen keinen Kooperationsvertrag abgeschlossen hat.

„Wenn die Göttinger Universität mit dem Symposium die Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft vertiefen will, darf die Frage der Menschenrechte an Hochschulen nicht ausgespart werden“, erklärte der GfbV-Asienreferent Ulrich Delius. „Denn Guo Quans Verfolgung ist kein Einzelfall.“ So sei der uigurische Wirtschaftsprofessor Ilham Tohti im September 2014 wegen seiner Kritik an Chinas Nationalitätenpolitik zu lebenslanger Haft verurteilt. Sieben seiner Studenten müssten Gefängnisstrafen zwischen drei und acht Jahren verbüßen. Auch zahlreiche weitere Professoren seien in den vergangenen Monaten massiv eingeschüchtert oder festgenommen worden. (p)

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