Mahnwache der Deutsch-Französischen-Gesellschaft am Montag am Markt

Trikolore vor der Kulisse der Göttinger Innenstadt und der Jakobi-Kirche: In Göttingen wird es am Montag eine Mahnwache und Solidaritätskundgebung geben, Beginn ist um 15 Uhr vor dem Alten Rathaus. Foto: Kopietz

Göttingen. 20 Stunden sind seit der fürchterlichen Terror-Anschläge in Paris vergangen. Christa Neifeind, die Vorsitzende der Deutsch-Französischen-Gesellschaft (DFG) Göttingen steht noch unter Schock.

„Ich habe heute fast nur telefoniert, versucht Freunde zu erreichen, E-Mails geschrieben und über das Thema gesprochen“, sagt Neifeind. Verarbeitet, verstanden hat die engagierte Frau das, was geschehen ist, noch nicht. „Ich fühle mich wie gelähmt.“

„Klar ist ihr am Tag darauf aber: Ein Wort das Geschehene trefflich zu beschreiben, gibt es nicht. „Man ist fassungslos – es ist der absolute Horror, zumal, wenn man weiß, dass Freunde in Paris unterwegs sind“, sagt Christa Neifeind. Sie kam am Freitag von einem Konzert. Im Göttinger Kino Lumiere fand das erste Niedersächsische Chanson- Festival statt. Neifeind hatte mitgeholfen, noch Künstler betreut. Im jüngsten DFG-Rundbrief hatte sie für das Festival geworben und geschrieben: „Ich freue mich darauf.“ Ihre Erwartungen erfüllten sich: „Ein wunderbarer, emotionaler Abend mit jungen Künstlern aus Frankreich und Belgien.“

Zuhause wollte Neifeind wissen, wie das Fußball-Spiel Frankreich-Deutschland ausgegangen war. „Sofort waren wir mitten in der Terror-Berichterstattung – furchtbar“. Von der Hochstimmung fiel Neifeind direkt in die Trauer um die Opfer. Gefühle, die nicht zu verarbeiten waren.

Mittlerweile weiß Neifeind aber genau, worauf es jetzt ankommt: Solidarität zeigen. Das Bekenntnis der Kanzlerin zur Deutsch-Französischen-Freundschaft sei wichtig gewesen, die Anteilnahme in Europa ohnehin. Die Signale aus Deutschland seien für viele Franzosen von Bedeutung. „Bei vielen Franzosen hat das Deutschlandbild gelitten, auch durch die gezeigte Dominanz der deutschen Politik.“ Aber: „Man traut sich ja kaum auszusprechen, dass es Terror braucht, um wieder näher zusammenzurücken.“ Man müsse nun intensiver die Partnerschaft pflegen. „Was in Schulen und Städtepartnerschaften geleistet wird, ist gut“, sagt Neifeind. In der Pflicht stünde stärker die politisch-administrative Ebene.

Vorsitzende der Deutsch-Französischen Gesellschaft Göttingen: Christa Neifeind. Foto: nh

Die Warum-Frage hat sie sich auch gestellt: Warum trifft es Frankreich, warum wieder Paris? In dem Land gäbe es große Probleme im Umgang mit den verschiedenen, meist muslimischen Bevölkerungsgruppen, den Migranten, die sich ausgegrenzt fühlen. Probleme, die sich in den Vorstädten ballen und zeigen. Auch der militärische Einsatz gegen den IS in Syrien könne ein Grund sein. Mehr noch vermutet Christa Neifeind, dass die klare Position Frankreichs, in Konflikten mutig Stellung zu beziehen, das Land zur Zielscheibe der Terroristen macht. Paris werde von wahnsinnigen Fanatikern abgestraft für ein mutiges Verhalten.

Konsequenzen haben die Anschläge auch für die Arbeit der DFG Göttingen: „Ich möchte, dass wir das Thema „Wir dürfen die Freundschaft nicht verlieren“ noch mehr in den Vordergrund stellen. Wir müssen die Freundschaft mehr pflegen. Sie ist wichtig.“

Am Montag hat die DFG in Göttingen eine Gedenkveranstaltung organisiert. Zusammen mit der Europaunion, der Deutsch-Polnischen-Gesellschaft und voraussichtlich dem Partnerschaftsverein findet am 15 Uhr vor dem Alten Rathaus ein öffentliches Gedenken und eine Solidaritätsdemonstration statt. Alle Interessierten sind eingeladen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.