1. Startseite
  2. Lokales
  3. Göttingen
  4. Göttingen

1. Mai-Kundgebung in Göttingen: Bessere Bedingungen beim Wohnen, in Kitas, Schulen und Medizinberufen

Erstellt:

Von: Thomas Kopietz

Kommentare

Tag der Arbeit: Auf der Bühne am Albaniplatz in Göttingen protestierten Kita-Mitarbeitenden aus Göttingen mit ihrem Stücke - „Ab in die Tonne“. Ähnlichkeiten des Mottos mit dem Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) – zu sehen im Mülltonnendeckel – waren offensichtlich.
Tag der Arbeit: Auf der Bühne am Albaniplatz in Göttingen protestierten Kita-Mitarbeitenden aus Göttingen mit ihrem Stücke - „Ab in die Tonne“. Ähnlichkeiten des Mottos mit dem Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) – zu sehen im Mülltonnendeckel – waren offensichtlich. © Thomas Kopietz

Es ging um Krieg, Wohnungsmangel und die Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen: Zum Tag der Arbeit gab es einige Kundgebungen auf dem Göttinger Albaniplatz.

Göttingen – An der großen Bühne am Albaniplatz wehte die Fahne mit der weißen Friedenstaube auf blauem Grund. Auf der Bühne bei der DGB-Kundgebung zum 1. Mai ging es thematisch in den Reden und Beiträgen natürlich auch um den Krieg, das daraus resultierende Leid und die Menschen, die teils auch in Deutschland gestrandet sind.

So blieb an diesem Sonntag eine starke Botschaft hängen: Keine Grenzen für geflüchtete Menschen, gleich von wo sie kommen, welcher Hautfarbe sie sind und welcher Religion sie angehören. Und: Solidarität mit den Menschen in der Ukraine.

Aber die Gewerkschafter widmeten sich auch den klassischen Themen, für die sie sich seit Jahrzehnten einsetzen, auch jetzt, in „krassen Zeiten“, wie Julia Niekamp sagte. „Wir bewegen uns weiter. Wir können gemeinsam gestalten.“ Diese Aussagen sind nicht neu, müssen sie aber auch gar nicht sein.

Mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen

Das sonst übliche Wort Kampf kam vielen auf dem Albaniplatz, auch Bettina Unger vom DGB-Kreisvorstand, zwar weniger leicht über die Lippen, aber doch gelegentlich im Zusammenhang mit Tarifrunden und gerechter Bezahlung – in Göttingen zurzeit bei den Bediensteten der ausgelagerten UMG-Betriebe.

Das war wiederum eine Steilvorlage für den Gastredner Kalle Kunkel vom Verdi-Fachbereich Gesundheit, den die DGB-Veranstalter dem von der SPD vorgeschlagenen eigenen Generalsekretär Lars Klingbeil vorzogen. Kunkel kennt die Tarifauseinandersetzungen im Gesundheitswesen und in den Kliniken.

Schon in Göttingen hat er sich einst eingespannt, um mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen herauszuholen. In Berlin an der Charité ist das jetzt über einen besondern Tarifvertrag für die Therapeuten gelungen.

Einzelerfolge aber dürften laut Kunkel nicht darüber hinwegtäuschen, was Corona erneut deutlich offenbart hat: den Personalmangel in vielen Bereichen und eine durch die Kommerzialisierung der Krankenhäuser und Pflege verursachte Schieflage im Gesundheitssystem.

Ungerechtigkeit bei Corona-Prämien

Auswüchse seien auch Ungerechtigkeiten wie die Corona-Prämie für wenige, die eine „schallende Ohrfeige für all jene sind, die in der Pandemie alles und noch mehr im Job gegeben haben“, rief Kalle Kunkel. Beifall.

Auch sei der Öffentliche Dienst an den Rand der Handlungsfähigkeit gespart worden. In Schulen und Kitas fehle es an Personal. Dabei gehe es doch dort darum, allen eine gerechte Bildung zu ermöglichen.

Zu diesem Thema hatten Göttinger Kita-Mitarbeitende ihren Protest-Auftritt. Sie karrten eine blaue Tonne mit Aufschrift „..ab in die Tonne“ auf die Bühne. Zunächst verkündeten sie in Wort und auf Pappschild deutlich, wie es um ihre Arbeitsbedingungen und Wertschätzung steht.

Reizthema: Wohnen und Wohnungsmangel

Sie warfen sie in die Tonne, unter deren Deckel der Kultusminister (Grant Hendrik) Tonne zu sehen war. In die Tonne-Tonne warfen sie Schilder mit Aufschriften wie „Mehr Lohn“, „Mehr Vorbereitungszeit“, „Neuer Betreuungsschlüssel“, „Kleine Gruppen“ und „Ausbildungsentlohnung“. Arbeitskampf und Streik seien die Mittel, all das zu erreichen.

15 intensive Diskussionsminuten bot ein Reizthema: Wohnen und Wohnungsmangel. Oberbürgermeisterin Petra Broistedt (SPD) stellte sich der Kritik von Karlheinz Paskuda (Bündnis für gutes Wohnen Göttingen und Aufsichtsrat Städt.

Wohnungsbau Göttingen). Angesichts weiter steigender Mieten in Göttingen und derzeit 3000 entstehenden und geplanten Wohnungen mit 30 Prozent-Anteil sozialem Wohnraum gab es nicht viel Neues.

„Wir brauchen Bindung auf Dauer“

Paskuda forderte aber vehement, dass solche Sozialbindungen von neuen Wohnungen nicht nach 15 oder 30 Jahren auslaufen würden und danach den Mega-Immobilienfirmen wie Adler und Vonovia große Geschäfte ermöglichten.

„Wir brauchen eine Bindung auf Dauer.“ Petra Broistedt widersprach nicht, wohl aber bei einer anderen Forderung Pakudas nach dem Bau-Verzicht auf Einfamilienhäuser in Göttingen. In der Stadt gebe es kaum Raum dafür, sagte Broistedt, wohl aber auf den Dörfern.

Zwanglose Gespräche und Musik der Band „Sundays“

Günstiges Wohnen bleibe aber für sie generell weiter ein Ziel. Dabei helfe auch verdichtetes Bauen.

Gebaut wird auch noch an der Stadthalle, gleich hinter dem Albaniplatz. Dort prägten sich den knapp 1000 Besuchern auch Transparente im Kopf: „Verhandeln statt schießen!“ Das Thema Krieg war doch oft präsent.

Manchmal aber gab es pure Entspannung, bei einem Bier, einer Limo – auch viele Kinder waren da – zwanglosen Gesprächen sowie der Musik der starken Band „Sundays“. (Thomas Kopietz)

Auch interessant

Kommentare