Brennende Matratze offenbar Ursache

Mann stirbt bei Feuer in Hochsicherheits-Gebäude

Göttingen. Ein 46-jähriger Patient aus dem Maßregelvollzug ist bei einem Brand im „Festen Haus“ in Göttingen gestorben.

Einsatzkräfte konnten den Mann am Mittwochmorgen gegen vier Uhr nur noch tot aus seinem Zimmer bergen.

Aktualisiert um 17.52 Uhr

Vier weitere Personen, drei Patienten und ein Bediensteter, wurden durch Rauchgasintoxikation leicht verletzt und vor Ort medizinisch betreut. 14 Patienten waren zum Brandzeitpunkt in dem Trakt untergebracht. Wie die Polizei mitteilte, konnten sechs Patienten der Einrichtung aus dem gefährdeten Bereich evakuiert und andernorts gesichert untergebracht werden. Eine Gefahr durch einen möglichen Ausbruch von Patienten war zu keiner Zeit gegeben. Alarmiert wurden die Göttinger Berufsfeuerwehr mit dem Löschzug, die Feuerwache Klinikum sowie die Freiwillige Feuerwehr Grone. Im Einsatz waren auch mehrere Rettungswagen, Rettungssanitäter und Notärzte. Trupps der Feuerwehr drangen mit Atemschutzgeräten auf die Station im ersten Obergeschoss vor, konnten den 46-Jährigen aber nicht mehr retten. Die Brandursache ist bisher noch nicht geklärt. Nach unbestätigten Informationen soll eine Matratze gebrannt haben. Die Leitung der Einrichtung in Moringen wollte keine Fragen zu dem Vorfall beantworten. Zuständig sei das Ministerium Gesundheit, Soziales und Gleichstellung. Am Vormittag war Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt nach Göttingen gekommen, um sich vor Ort über das Unglück zu informieren. Das Hochsicherheitsgebäude, das von einer Mauer umgeben und videoüberwacht ist, befindet sich auf landeseigenem Gelände im Stadtteil Leineberg und gehört zum Maßregelvollzug Moringen.

Im Festen Haus sind Patienten untergebracht, die unter schweren psychiatrischen Krankheitsbildern leiden und als gefährlich eingestuft werden. Den Patienten sind gefährliche Gegenstände verboten. Ein höchstrichterliches Urteil erlaubt es ihnen aber, in ihrem Raum zu rauchen. Es gäbe aber immer eine regelmäßige individuelle Risikoeinschätzung, teilte das Ministerium für Gesundheit, Soziales und Gleichstellung in Hannover auf HNA-Anfrage mit.

Ein Toter bei Feuer im Maßregelvollzug Göttingen

Bei dem 46-Jährigen hätten keine Gründe vorgelegen, die gegen den Besitz eine Feuerzeuges sprachen. Die Zimmer im Festen Haus sind nachts verschlossen. Kontrolliert werden die Patienten per Sichtkontakt durch die Tür bei stündlichen Kontrollgängen. Ab jetzt soll in kürzeren Intervallen kontrolliert werden. Das Rauchen soll nur noch nach persönlicher Ansprache des Personals erlaubt werden. In der Nachbarschaft des Festen Hauses entsteht ein großer Neubau für den Maßregelvollzug, der noch in diesem Jahr bezogen wird. Dort sollen bis zu 70 Patienten untergebracht werden. Baukosten: mehr als 30 Millionen Euro.

Sicherheitsvorkehrungen: Unrhythmische Kontrollen und keine gefährlichen Gegenstände

 Das Ministerium für Gesundheit, Soziales und Gleichstellung in Hannover weist ausdrücklich darauf hin, dass das Rauchen eingeschlossenen Patienten im Maßregelvollzug, ebenso wie Strafgefangenen laut einem höchstrichterlichem Urteil ausdrücklich erlaubt ist. In dem Fall des jetzt bei einem Brand getöteten 46-Jährigen Insassen des „Festen Hauses“ in Göttingen „lagen laut Einschätzung der Einrichtung und Vorgeschichte des Patienten keine Gründe vor, die bei ihm gegen den Besitz eines Feuerzeugs sprachen“, teilte das Ministerium auf HNA-Anfrage mit.

Verboten sind den eingeschlossenen Patienten aber gefährliche Gegenstände, ebenso auch solche, die sie zur Flucht nutzen könnten, oder die dem „Unterbringungsziel entgegenstehen könnten“. In den Maßregeleinrichtungen gibt es nach Auskunft des Ministeriums „anlassbezogen und spontan Überprüfungen in unregelmäßigen Abständen“, aber keine Routinekontrollen, damit sich die Patienten nicht auf einen Rhythmus einstellen können. Bei den Kontrollen würden nur „in sehr seltenen Fällen“ gefährliche Gegenstände gefunden. Bereits 2005 hatte es fast zur gleichen Nachtzeit einen Brand im Festen Haus in Göttingen gegeben.

Damals wurde der Patient gerettet, kam nicht zu Schaden. Warum es diesmal nicht gelungen ist, das konnte die Sprecherin des Ministeriums nicht beantworten: „Die Untersuchungen sind noch nicht beendet“, teilte Heinke Traeger mit. Auch über präventive Maßnahmen könne man erst nachdenken, wenn die Ursache feststünde. Die Sicherheitsvorkehrungen jedenfalls würden ständig überprüft und aktuellen Erkenntnissen angepasst. Das gilt auch für das neue „Feste Haus“, das in der Nachbarschaft für 70 Patienten entsteht. „Sie können davon ausgehen, dass wir dort auch die in diesem Fall gewonnenen Erkenntnisse umsetzen werden – zur Sicherheit der Patienten“, sagte Traeger. Der 46-Jährige, für den am Mittwoch jede Rettung zu spät kam, jedenfalls hatte in seinem Bett eine schwer entflammbare Matratze. (tko/jvp)

Rubriklistenbild: © Rampfel

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