Leibniz-Preisträgerin von 2016

Preisgekrönt: Marina Rodnina liefert neue Erkenntnisse der Proteinproduktion

Porträtfoto von Prof. Dr. Marina Rodnina.
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Ausgezeichnet: Prof. Dr. Marina Rodnina.

Die Direktorin am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, Prof. Dr. Marina Rodnina, hat nach dem Leibniz-Preis 2016 nun eine weitere Auszeichnung erhalten.

Göttingen – Sie hat längst einen Namen in der Internationalen Forscherszene – was nicht nur an ihrem klingenden Namen und ihrer Position als – zurzeit geschäftsführende – Direktorin am Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie liegt. Am 21. Oktober bekam Prof. Dr. Marina Rodnina den Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) für ihre Biochemie-Forschung

Rodnina hat sich der Erforschung der Proteine verschrieben. Sie sind praktisch an allen Vorgängen in lebenden Zellen beteiligt, können ihre Aufgaben aber nur erfüllen, wenn sie im Körper fehlerfrei hergestellt werden. Dieser Prozess der Proteinbiosynthese ist äußerst komplex, eine zentrale Rolle übernehmen dabei Ribosomen.

Sie sind die „Proteinfabriken“ lebender Zellen und lesen die im Erbgut codierten Protein-Bauanleitungen präzise ab, verknüpfen nach diesem Plan Aminosäuren miteinander zu langen Ketten. Danach muss sich diese Aminosäurekette noch in ihre korrekte dreidimensionale Struktur falten – und das Protein ist funktionsfähig.

All das ist bekannt, und dennoch ein hoch spannendes Forschungsfeld, das Rätsel aufwirft – auch für Marina Rodnina, die sagt: „Es gibt immer noch eine große Lücke in unserem Wissen, und zwar darüber, wie ein neu produziertes Protein seine Arbeitsfähigkeit erreicht.“

Auf der Spur ist sie mit ihrem Team auch den Fehlern in den Prozessen: Denn, wenn etwas schief läuft bei der Proteinproduktion, dann kann das fatale Folgen haben. Fehler in der Proteinfaltung sind ursächlich am Entstehen von Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson und andere neurodegenerative Erkrankungen beteiligt.

Die Forscher um Rodnina konnten in den vergangenen Jahren zentrale Prinzipien der Proteinproduktion offenlegen, wie das MPI mitteilt. Sie haben dabei nicht nur entscheidende Einblicke geliefert, wie Ribosomen arbeiten und wie sie sicherstellen, dass Proteine zur richtigen Zeit am richtigen Ort produziert werden. „Wir verstehen nun sehr viel besser, wie Störfälle in der Proteinfabrik vermieden werden und welche Prozesse am Ribosom für die Qualitätskontrolle sorgen.“ (Thomas Kopietz)

Zur Person

Marina Rodnina stammt aus der Ukraine und hat an der Uni Kiew studiert und wurde dort promoviert. Mit einem Stipendium der Humboldt-Stiftung kam sie 1990 an die Uni Witten/Herdecke. Nach der Habilitation 1997 arbeitete sie als Professorin bis 2009 am Lehrstuhl für Physikalische Biochemie. 2008 wechselte sie als Direktorin an das MPI für biophysikalische Chemie in Göttingen, wo sie seither die Abteilung Physikalische Biochemie leitet. Sie ist auch Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Academia Europaea. Rodnina erhielt zahlreiche Preise.

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