Wegen Massenvergiftung: Göttinger Giftzentrum war viel beschäftigt

Göttingen/Handeloh. Die Massenvergiftung bei einem Heilpraktiker-Treffen in Handeloh (Kreis Harburg) hat auch die Experten des Giftinformationszentrums Nord (GIZ-Nord) in Göttingen in Alarmstimmung versetzt.

„Bei uns hat an dem Nachmittag ununterbrochen das Telefon geklingelt“, sagt der Leiter des für die Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen zuständigen Giftinfozentrums, Andreas Schaper. Zu den Ratsuchenden gehörten unter anderem Mediziner aus fünf Krankenhäusern, in denen die 29 Seminarteilnehmer behandelt wurden.

Die Heilpraktiker waren am vergangenen Freitag offenbar in einen kollektiven Drogenrausch geraten. Den Schilderungen der Ärzte zufolge hätten alle Patienten halluziniert, sagte Schaper. Etwa die Hälfte habe außerdem an Krampfanfällen gelitten. In fast allen Fällen habe außerdem eine retrograde Amnesie, eine bestimmte Form des Gedächtnisverlusts, vorgelegen.

Ein Großaufgebot von Notärzten, Polizisten, Sanitätern und Feuerwehrleuten hatte die teilweise kaum zu bändigenden Heilpraktiker in die Notaufnahmen der umliegenden Krankenhäuser gebracht. Ersten Ermittlungen zufolge sollen sie die verbotene Substanz 2C-E eingenommen haben. Diese amphetaminähnliche Substanz gehöre zu den neuen synthetischen Drogen, erläuterte Schaper. Da bislang wenig über die Droge bekannt ist, hatten die Mediziner die Göttinger Giftexperten kontaktiert. „Wir haben empfohlen, die Patienten zunächst weiter im Krankenhaus zu behalten und bei Krampfanfällen Benzodiazepine zu verabreichen“, sagte Schaper. Spezielle Gegenmittel gebe es nicht. Nach 24 Stunden seien die Symptome abgeklungen.

Auch für die Göttinger Giftinformationszentrum ist die Droge 2 C-E ein relativ neues Phänomen. Bislang habe man erst einen Vergiftungsfall im Jahr 2013 gehabt, berichtet Schaper. Die Göttinger Giftexperten wollen die Massenvergiftung jetzt wissenschaftlich aufarbeiten.

Hintergrund: 

Das Giftinformationszentrum-Nord in Göttingen ist rund um die Uhr telefonisch zu erreichen (Notrufnummer 0551 / 19240). (pid)

www.giz-nord.de

Rubriklistenbild: © dpa

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