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Göttinger Forscher Patrick Cramer wird Max-Planck-Präsident

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Von: Thomas Kopietz

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Corona-Faust zur Begrüßung: Patrick Cramer begrüßt Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften in Göttingen.
Corona-Faust zur Begrüßung: Patrick Cramer begrüßt Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am neuen Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften in Göttingen. © Hubert Jelinek

In Göttingen findet die Gründungsfeier für Deutschlands größtes Max-Planck-Institut statt. Forscher Patrick Cramer wird Präsident der MPG in München.

Göttingen – Besser hätte es ein Regisseur für einen Erfolgsfilm nicht inszenieren können: Am Donnerstag (23.06.2022) wird bekannt, dass der Göttinger MPI-Forscher Patrick Cramer die riesige wie bedeutsame Max-Planck-Gesellschaft mit rund 24000 Mitarbeitern ab Juni 2023 als Präsident führen wird.

Am Freitag (24.06.2022) steht Cramer dann im Manfred-Eigen-Saal am Göttinger MPI-Campus zur Begrüßung der mehr als 300 Gäste zur Gründungsfeier „seines“ Institutes, dem Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften auf der Bühne und wird dann – ungeplant – fortan zum Mittelpunkt derselben.

Dennoch: Die Redner wie der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil, dessen Wissenschaftsminister Björn Thümler, die Vizepräsidentin der MPG, Asiva Akhtar, Veronika von Messling (Bundesministerium für Bildung und Forschung) und Göttingens Oberbürgermeisterin Petra Broistedt strichen neben Cramers Wahl vor allem die Bedeutung des neuen MPI heraus. Das wird das größte unter allen bestehenden Instituten der Max-Planck-Gesellschaft und könnte auch Vorbild für weitere Fusionen sein.

Göttingen: Einzigartiges und größtes Max-Planck-Institut in Deutschland

Es ist zwar nicht neu, bildet aber ein bisher einzigartiges Konstrukt aus der Fusion zweier großer und erfolgreicher MPI, dem für Experimentelle Medizin und dem für biophysikalische Chemie, „der“ Nobelpreisträger-Schmiede – aus der eben solche wie Manfred Eigen, Erwin Neher und Stefan Hell aufgrund ihrer bahnbrechenden Forschungsergebnisse hervorgegangen sind.

Gründungsfest Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften in Göttingen: Nobelpreisträger Stefan Hell (links) gratuliert seinem Kollegen Patrick Cramer, der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft wird.
Gründungsfest Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften in Göttingen: Nobelpreisträger Stefan Hell (links) gratuliert seinem Kollegen Patrick Cramer, der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft wird. © Hubert Jelinek

Patrick Cramer erwähnte, dass man mit der Fusion letztlich eine Linie von Manfred Eigen fortführe: Denn der hatte 1971 bereits die Zusammenführung der beiden MPI für Spektroskopie und für physikalische Chemie in Göttingen zum MPI für biophysikalische Chemie initiiert. Cramer bilanzierte: „Unser Kraftakt hat sich gelohnt, wir haben die Fusion in Rekordzeit hinbekommen. Das Institut ist einzigartig.“

Gründung Max-Planck-Institut macht Ministerpräsident Weil glücklich

All das machte den Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) glücklich, sogar derart, dass er auf seiner ihm zur Verfügung stehenden Euphorie-Skala kurzzeitig „am oberen Ende“ war. Er betonte die herausragende Arbeit der MPI-Institute in Göttingen. „Wenn die MPG zentral organisiert wäre, wie hier in Göttingen, dann wäre sie ohne Weiteres vergleichbar mit Stanford und Harvard in den USA.“ Weil schloss: „Sie sehen einen rundum zufriedenen Ministerpräsidenten. Das ist in diesen Zeiten nicht einfach. Und das wird sich nach Verlassen dieses Raumes auch wieder ändern.“

Gründung Max-Planck-Institut: Wissenschaftsminister Thümler fällt auf

Vielleicht änderts sich das schon, als Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) seinem „Chef“ widersprach – unnötigerweise: „Ob man die Forschung hier mit Stanford oder anderen renommierten Einrichtungen weltweit vergleicht, lasse ich mal dahin gestellt...“ Er gratulierte zur „spektakulär schnellen Fusion“ und dazu, neue Wissenschaftsräume zu schaffen. Niedersachsen rücke mit diesem einzigartigen Vorgang in den Fokus der MPG-Forschungslandschaft. Am neuen Institut habe man „den nächsten Nobelpreis sozusagen im Auge“.

Karrieresprung nach München: Patrick Cramer geht im Juni 2023

Apropos Nobelpreisträger: Wenn ein solcher, in Person von Stefan Hell, einem Forscher-Kollegen des MPI für Multidisziplinäre Naturwissenschaften Blumen überreicht, dann dokumentiert den Karrieresprung Cramers, der vom geschäftsführenden Direktor am neuen Göttinger MPI ab Juni 2023 zum Präsident der Max-Planck-Gesellschaft wird. Cramer war bei Gründungsfeier am Freitag in Göttingen der „Mann des Tages“, noch vor Ministerpräsident Stephan Weil.

Und noch ein Satz von Patrick Cramer bleibt im Ohr: „An der Spitze bleibt nur, wer sich bewegt.“ Gemeint war das nicht als Mahnung, sondern als Synonym für die MPI-Mitarbeitenden. „Sie alle sind Bewegerinnen der Forschung“, sagte er mit Blick in den Saal – und schloss auch die gesamte Belegschaft, die Politiker und Vertreter anderer Institute und der Uni ein.

Geschenk mit Symbolkraft: eine Kiste Einbecker Bockbier

Das spektakulärste Geschenk freilich brachte die Oberbürgermeisterin mit. Petra Broistedt stellte einen Kasten Einbecker Bockbier auf die Bühne - als Symbol für die Verbindung Göttingen-München. Die Münchner hatten Mitte des 17. Jahrhunderts den Einbecker Braumeister Elias Pichler abgeworben, jenen „Erfinder“ des Bockbieres. Das braute er fortan im Hofbräuhaus.

Illustre Mannschaft bei der Gründungsfeier Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften in Göttingen: mit Ministerpräsident Stephan Weil (4. v.r.), Wissenschaftsminister Björn Thümler (2.v.r.), Nobelpreisträger Stefan Hell (Mitte), geschäftsführender Direktor Patrick Cramer (6.v.5.), Melina Schuh (2.v.l.) und Oberbürgermeisterin Petra Broistedt (rechts).
Illustre Mannschaft bei der Gründungsfeier Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften in Göttingen: mit Ministerpräsident Stephan Weil (4. v.r.), Wissenschaftsminister Björn Thümler (2.v.r.), Nobelpreisträger Stefan Hell (Mitte), geschäftsführender Direktor Patrick Cramer (6.v.5.), Melina Schuh (2.v.l.) und Oberbürgermeisterin Petra Broistedt (rechts). © Hubert Jelinek

Die Kiste Bockbier symbolisierte am Freitag aber auch den Weggang von Patrick Cramer in die MPG-Zentrale nach München. Das Einbecker Bockbier übrigens blieb auch nach Pichlers Weggang legendär und erfolgreich. Ein gutes Zeichen in Bezug auf die Nach-Cramer-Ära am neuen MPI in Göttingen.

Nach der Feierstunde, auch mit spannenden Kurzvorträgen zu Forschungsprojekten, so von Stefan Glöggler (Stoffwechsel Bildgebung), Marieke Oudelaar (3-D-Genome), Jost Kollmeier (Echtzeit-MRT) und Constanze Depp (Alzheimer-Forschung) sowie einem faszinierenden Vortrag von Melina Schuh über Eizellenforschen, die allesamt zeigten, wie nah die MPI-Grundlagenforschung an den Menschen ist, ging das Feiern beim Sommerfest weiter. (Thomas Kopietz)

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