Max-Planck-Gymnasium Göttingen

Max-Planck-Gymnasium in Göttingen: Schulleiter Schimpf verabschiedet sich nach 16 Jahren

Dr. Wolfgang Schimpf steht am Treppengeländer im May-Planck-Gymnasium
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Entspannt am letzten Arbeitstag: Dr. Wolfgang Schimpf beendet seinen Dienst als Schulleiter am Max-Planck-Gymnasium mit Ablauf des Schuljahres. Zum Ende, in der Corona-Krise, hat Schimpf, der durchaus als kritischer Geist gilt, noch einmal viele Erfahrungen gesammelt.

Wolfgang Schimpf verlässt das Max-Planck-Gymnasium (MPG). 16 Jahre hat er es geleitet, mischte als ein Sprachrohr der Göttinger Gymnasien aber auch landesweit politisch und kritisch mit.

Göttingen - Als Vorsitzender der niedersächsischen Direktorenvereinigung ist Schimpf kein Unbekannter. Mancher Minister, besonders eine Ministerin, bekamen seine Kritik zu hören, auch der Ministerpräsident kennt den Namen Schimpf, dessen Wort Gewicht hat, auch weil er um die Mechanismen der Politik weiß. Schuldezernenten waren ebenfalls Ziel der Kritik.

Er geht mit zwei Jahren Verzögerung und 67 Jahren, aber nicht in den „Ruhestand“, er will „weiter etwas machen“. Vielleicht als Geigenlehrer, schiebt er nach. Hinter ihm im Direktorenzimmer am MPG steht ein Notenständer mit einem Brahms-Heftchen.

Im Juli 2021 wirkt Wolfgang Schimpf zufrieden. Er, der seinen Doktor-Titel beim großen Göttinger Albrecht Schöne über Lyrisches Theater im 18. Jahrhundert machte – und dann fast zwangsläufig am Gymnasium mit humanistischer Tradition, dem MPG, landete.

Kein einfacher Start im Kollegium

Rückwärtsgewandt, sei er, hatte man ihm im Kollegium böswillig nach- oder vorausgesagt, damals als er 2005 als Schulleiter-Kandidat feststand. „90 Prozent im Kollegium waren gegen mich“, erzählt Schimpf, dem der Gegenwind kräftig ins Gesicht blies, was seinen Ehrgeiz aber anstachelte.

Sehr schwer sei es gewesen. „Ich war ein Anfänger. Es gibt keine Ausbildung für Schulleiter“, blickt er zurück. Selbstkritisch. Die Aufgabe war riesig: Aus 90 Spielern mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Marktwerten ein Team zu formen, ein funktionierendes. Das dauerte, wie der „Teamchef“ berichtet, der auch sichtlich zufrieden wie verschmitzt sagt: „Sie haben mich falsch eingeschätzt.“

Schimpf setzte neue Schwerpunkte und Inhalte am MPG

Denn mit Wolfgang Schimpf hat sich das MPG massiv verändert, es gibt neue Schwerpunkte wie die Informatik, neue Inhalte wie die beliebte Hausarbeitenklasse mit zwei Klassenlehrern. Vor allem aber eine neu aufgestellte Mannschaft. „Ich habe 70 Leute eingestellt, und ich habe zu fast Jeder und Jedem einen besonderen persönlichen Bezug.“

Mit der Entwicklung der Schule ist Schimpf zufrieden. Auch mit seiner persönlichen. Er ist mit seinem MPG gewachsen. Aber das klassische MPG jenseits der Roboter mit KI im „Minimax“ gibt es auch noch.

Wolfgang Schimpf hat eine Fachgruppe Philosophie mit drei Lehrern aufgebaut. „Philosophie ist ein gymnasiales Fach par excellence“, sagt er. „Man lernt zu Lesen, zu Schreiben, zu Denken und Reflektieren.“

Seine Ansprüche hat der nie aufgegeben, obwohl Gymnasien heute „quasi Gesamtganztagsschulen“ sind, wie er es einmal sagte. Und die Gymnasien versuchten heute, Schüler zum Abitur zu bringen, die von ihren Eltern unabhängig von Empfehlungen dafür vorgesehen werden. „Wir machen das, es ist unsere Aufgabe.“

Sein Abitur hat Wolfgang Schimpf in seiner Geburtsstadt Hameln am Schiller-Gymnasium gebaut, das hat in der Rattenfängerstadt den Status des MPG in Göttingen: klassisches Gymnasium. In Göttingen hat der Klassik-Musik-Fan, der nun die Plakate der Mailänder Scala im Direktor-Zimmer abhängen muss, viel erlebt.

Auch die enorm arbeitsreiche Umwandlung zu G 8, die Integration der Flüchtlingskinder, die Rückumwandlung zu G 9, als G 8 gut lief – und schließlich die Corona-Krise. „Sie hat uns Lehrern das Essenzielle genommen, wie den Ball beim Fußball: den Unterricht in einem Raum mit den Schülern.“ Das sei ein Schock gewesen. Einen, den man aber fix durch Pragmatismus, Engagement und Einsatz über das Maß hinaus selbstheilend bewältigt, aber nicht ganz verwunden habe.

Auch in dieser Zeit war er öffentlicher Kritiker: so, wenn der Kultusminister zauderte, inhaltlich daneben lag und vor allem, als Grant Hendrik Tonne erst die Medien, danach die Schulen informierte.

Den Wert der Digitalisierung in den Schulen durch die Pandemie erkannt

Schimpf, der sich in Aufsätzen für die „Süddeutsche“ und „FAZ“ kritisch mit digitalem Unterricht auseinandergesetzt hat und auf die unerlässliche Kompetenz der Lehrer als Lenker im Digitalen Lernen hinwies, weiß heute um den Wert von Digitalisierung, sie hat in der Krise geholfen.

Zwar wirkte er von Beginn an für die Gegner wie ein Fortschrittskeptiker. Wichtige Entwicklungen jedenfalls hat Schimpf erkannt, manche, auch die unvermeidlichen, forciert. Auch dank der Impulse junger Kollegen.

Seinem Nachfolger eilt indes der Ruf eines fortschrittlichen Lehrers voraus. Und im Namen hat er Vorgänger Schimpf etwas voraus: Schrimpf heißt der Neue. Das Leben schreibt schöne Geschichten – und Namen. (Thomas Kopietz)

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