Nobelpreisschmiede mit Biotop

Max-Planck-Institut Göttingen hat seinen Außenbereich komplett umgestaltet

Junge Turmfalken kurz vor dem ersten Ausflug: Kurz nach dem Anbringen des Nistkastens am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie zog ein Turmfalkenpaar ein und zog vier Jungtiere groß.
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Junge Turmfalken kurz vor dem ersten Ausflug: Kurz nach dem Anbringen des Nistkastens am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie zog ein Turmfalkenpaar ein und zog vier Jungtiere groß.

Das Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie hat seine Idee in die Tat umgesetzt und das gesamte Institutsgelände in ein vielfältiges Biotop umgewandelt. In dieser Woche wurde das „BioDiversum“ eingeweiht.

Göttingen – Das Göttinger Institut gilt als eine der renommiertesten Forschungseinrichtungen in Deutschland. Jetzt übernimmt die „Schmiede der Nobelpreisträger“ auch noch eine Vorreiterrolle beim Artenschutz. Initiiert hat dies der frühere Institutsdirektor Professor Herbert Jäckle. Die Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft unterstützte die Idee, weitere Sponsoren waren die Sparkasse Göttingen und die AKB-Stiftung.

Insgesamt 1,65 Hektar – etwa die Fläche von 1,5 Fußballfeldern – wurden mit heimischen Wildpflanzen in Wiesen und Magerrasen umgewandelt. „Wo früher kurzgemähter artenarmer Rasen vorherrschte, finden sich heute Blühwiesen mit schon jetzt weit mehr als 100 verschiedenen Insektenarten“, sagte die geschäftsführende Direktorin des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie, Professor Marina Rodnina.

Am Teich des BioDiversums: (von links) Landschaftsplaner Ulrich Küneke, Institutsdirektorin Marina Rodnina, Ornithologe Peter Berthold und Ex-Institutsdirektor Herbert Jäckle.

„Unansehnliche Schotterflächen sind abgemagerten Standorten mit Stauden und Kräutern gewichen.“ Außerdem wurden 100 Nisthilfen für Vögel und Fledermauskästen aufgehängt. Der Effekt stellte sich sofort ein: So zog beispielsweise vier Wochen nach der Montage eines Nistkastens an einem Institutsgebäude ein Turmfalken-Paar ein. Die Mitarbeitenden konnten dann live von ihren Büros aus verfolgen, wie das Pärchen vier Jungtiere großzog.

Herzstück des BioDiversums ist ein 900 Quadratmeter großer Teich, der zusätzlichen Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen bieten soll. Anfang November werde außerdem noch eine Streuobstwiese angelegt, kündigte der verantwortliche Landschaftsplaner Ulrich Küneke an.

Das Max-Planck-Institut wird das Biotop-Projekt auch wissenschaftlich begleiten und regelmäßig eine Bestandsaufnahme machen, wie sich die Artenvielfalt entwickelt. Um den Erfolg des Projekts messen zu können, hatten die Forscher erstmals 2019 untersucht, was auf dem Gelände so alles kreucht und fleucht. Damals wiesen sie auf dem Campus 51 Vogelarten nach, darunter auch stark gefährdete Arten wie Grauschnäpper und Gartengrasmücke. Außerdem fanden sie 21 Schmetterlings-, 7 Fledermaus- und 68 Wildbienen-Arten. Das BioDiversum ist auch für die Öffentlichkeit frei zugänglich. (Heidi Niemann)

Mehr Infos: mpibpc.mpg.de

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