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Gericht entscheidet: Göttinger Medizinstudentin endgültig durchgefallen, Attest kam zu spät

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Von: Heidi Niemann

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Gebäude der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).
Gewonnen hat die Uni-Medizin Göttingen (UMG) ein Verfahren, in dem eine Medizinstudentin geklagt hatte. © Michael Mehle/nh

Wer erst mehrere Wochen nach einer Prüfung ein Attest vorlegt, das eine Prüfunfähigkeit bescheinigen soll, hat keinen Anspruch auf erneuten Versuch.

Göttingen – Das hat das Verwaltungsgericht (VG) Göttingen entschieden. Das Gericht wies damit die Klage einer Medizinstudentin gegen die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) als unbegründet ab. Der Kläger wandte sich dagegen, dass die UMG nach drei erfolglosen Versuchen eine Klausur als „endgültig nichtbestanden“ gewertet hatte mit der Folge.

Das Gericht gab der UMG Recht: Die Studentin habe erst knapp vier Wochen nach der letzten Prüfung geltend gemacht, dass sie prüfunfähig gewesen sei und von der Prüfung zurücktrete. Sie hätte dies jedoch unverzüglich anzeigen müssen (Aktenzeichen 4 A 83/21).

Gericht weist Klage gegen UMG ab: Göttinger Medizinstudentin ist endgültig durchgefallen

Die Medizinstudentin hatte die Klausur in der obligatorischen Lehrveranstaltung „Kursus der makroskopischen Anatomie“ nicht bestanden. Anschließend nahm sie zweimal an einer Widerholungsprüfung teil, beide Male fiel sie wieder durch. Knapp vier Wochen nach der letzten Prüfung beantragte sie, den Prüfungsversuch aufgrund einer persönlichen Härte zu annullieren.

Sie begründete dies damit, dass sie die Lebens- und Studiensituation durch die Covid-19-Pandemie psychisch stark belastet habe. Am Prüfungstag habe sie mit rund 250 Studenten vor dem Zentralen Hörsaalgebäude (ZHG) gestanden.

Trotz des geforderten Sicherheitsabstands von zwei Metern habe es in der Warteschlange Gruppenbildungen gegeben. Sie habe keine Möglichkeit gehabt auszuweichen.

Die Prüfung habe um 8 Uhr beginnen sollen. Durch die Einlasskontrollen und das Verteilen des medizinischen Mund-Nasen-Schutzes habe sie das Gebäude erst um 8.10 Uhr betreten können. Die Erinnerung an die Angst vor einer erneuten Quarantäne habe ihre Nervosität verschlimmert.

Studentin erleidet Panikattacke während Klausur - Attest wird zu spät eingereicht

Sie habe die Prüfung normal mitgeschrieben und versucht, sich nur auf die Fragen zu konzentrieren. Bereits während der Prüfung habe sie Schweißausbruch, Zittern und Herzrasen bemerkt, außerdem habe sie das Gefühl gehabt, unter der Maske keine Luft zu bekommen.

Nach Beendigung der Prüfung sei ihr beim Verlassen des Campus bewusst geworden, dass sie während der Klausur einen Blackout gehabt habe. Zwei Tage später habe sie eine Angstambulanz aufgesucht.

Knapp vier Wochen später beantragte sie, von der Prüfung zurücktreten zu dürfen. In dem von ihr vorgelegten ärztlichen Befundbericht wird der Studentin bescheinigt, während der Prüfung eine einzelne Panikattacke erlitten zu haben.

Medizinstudentin darf Klausur nicht erneut schreiben und ihr Studium nicht fortsetzen

Die UMG lehnte es ab, ihr einen nachträglichen Rücktritt von der Klausur zu genehmigen. Die Klägerin hätte rechtzeitig bei Prüfungsbeginn oder aber noch während der Prüfung ihren Rücktritt erklären können, dies habe sie nicht getan.

Da die Studentin auch in der zweiten Wiederholungsklausur nicht die erforderliche Punktzahl erreicht habe, gelte die leitungsnachweispflichtige Lehrveranstaltung endgültig als nicht bestanden.

Mehr noch: Die Fortsetzung des Medizinstudiums sei ausgeschlossen. Auch das Gericht hielt den nachträglich erklärten Rücktritt für nicht wirksam.

Die Pflicht zur Gleichbehandlung aller Prüflinge verbiete es, der Klägerin einen weiteren Wiederholungsversuch einzuräumen. (pid)

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