Vorwurf: Ballung von Windrädern

Mehr als 4000 Stimmen gegen Raumordnungsplan des Landkreises Göttingen

Treffen am Kreishaus: Bürger überreichten Andrea Brückner (2.v.r.) vom Landkreis Göttingen Kisten voller Einwände gegen den Regionalen Raumordnungsplan.
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Treffen am Kreishaus: Bürger überreichten Andrea Brückner (2.v.r.) vom Landkreis Göttingen Kisten voller Einwände gegen den Regionalen Raumordnungsplan.

Mehrere Kisten mit insgesamt mehr als 4000 Eingaben zum Regionalen Raumordnungsplan haben Bürger Andrea Brückner übergeben, der Fachbereichsleiterin Bauen beim Landkreis Göttingen.

Göttingen – Die Einwendungen, die vor allem aus Adelebsen kommen, richten sich insbesondere gegen die Ausweisung von Vorrangflächen für Windkraftanlagen

„Wir verstehen nicht, warum sich bei uns die Flächen ballen, vier im Gebiet der Gemeinde Adeleben und zwei im benachbarten Bereich Harste und Lenglern“, erklärt der FDP-Fraktionschef im Kreistag, Thomas Carl Stiller. „Die Lärmbelastung wird spürbar zunehmen, auch bei Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben“, gibt die Adelebser Gemeinderatsfrau Ilona Springer (FWG Pro Barterode) zu bedenken.

„Die im Südosten unseres Dorfes Wibbecke Richtung Barterode auf einer gut 100 Hektar großen Fläche vorgesehenen Windräder werden bei uns vormittags für Schattenwurf sorgen“, warnt das Ehepaar Michael und Elke Jung.

Klagen gibt es über eine Häufung von Belastungen. „An unserem Ort vorbei verlaufen bereits der Südlink und die Stromtrasse Wahle-Mecklar“, sagt Michael Roth von der 20 Personen starken Gruppe Gegenwind Harste. Neben dem Dorf liege das gesperrte Gebiet der ehemaligen Munitionsanstalt Muna und nun drohten auch noch Windräder.

„Die Windräder stören die Siedlungsentwicklung“, kritisiert FDP-Politiker Stiller. Die Menschen ziehe es wieder in den ländlichen Raum, wo Bauland günstig sei. Ein leistungsfähiges Internet sorge dafür, dass die Menschen im Homeoffice arbeiten könnten und nicht so viel pendeln müssten. Adelebsen sei auf Neubürger angewiesen, damit nicht noch mehr Infrastruktur wegbreche.

Der Artenschutz treibt viele Bürger um. „Die Windräder bedrohen den Roten Milan, zu dessen letzten Rückzugsgebieten Südniedersachsen gehört“, sagt Jürgen Könnecke aus Göttingen. Der pensionierte Volksschullehrer hat Anfang der 60er Jahre im Adelebser Ortsteil Güntersen gearbeitet.

Sorgen bereitet den Bürgern die Versorgung mit Wasser. „Das Trinkwasserschutzgebiet Grone Spring reicht bis zu uns“, erklärt die Adelebser Ratsfrau Springer. Die tonnenschweren Fundamente aus Stahl und Beton könnten wasserführende Schichten stören.

Springer äußert zudem grundsätzliche Zweifel, ob Windräder in Südniedersachsen Sinn machen. „Wir leben in einer Hügellandschaft, wo der Wind nur schwach weht“, erklärt sie. Die Barteröder Ortsratsfrau Claudia Weiske (FWG) macht sich für einen Mix unterschiedlicher erneuerbarer Energien stark. In der einstigen Vulkanlandschaft biete sich die Geothermie an.

Auch die Gewinnung von Biogas und Sonnenstrom sollten Berücksichtigung finden. „Wir sollten nicht alles auf eine Karte, die Windenergie, setzen“, ergänzt Nicole Reimann von der gut 100 Personen starken Adelebser Bürgerinitiative Gegenwind. (Michael Caspar)

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