Reden und Fest zum Tag der Arbeit

Mehr Besucher: Aufwind für die Mai-Kundgebung in Göttingen

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Mai-Kundgebung und Familienfest auf dem Albani-Platz: An einem historischen Ort kamen diesmal deutlich mehr Menschen als in den Vorjahren zur Mai-Veranstaltung der Gewerkschaften. Foto: Kopietz

Göttingen. Deutlich mehr Menschen als im Vorjahr kamen zu den Veranstaltungen am Tag der Arbeit. Vielleicht lag es auch an dem neuen Programm, das mehr auf die Jugend abgestimmt war.

So schlängelte sich zunächst ein langer Zug vom Platz der Synagoge über den Veranstaltungsort der Vorjahre Marktplatz – dort gab es kurze Reden – bis zum Albani-Platz, wo eine Bühne und Stände für das Familien- und Kulturfest aufgebaut waren. Mehr als 500 Menschen versammelten sich dort und hörten zunächst die Reden der Gewerkschaftler.

DGB-Kreisvorsitzender Lothar Hanisch betonte die Bedeutung des Gewerkschaftsprinzips Solidarität, gerade in Zeiten, da Populisten schnell erfolgreich sind, auch mit menschenverachtenden, unsozialen Ansichten.

Ein Thema, dass in seiner Mai-Rede auch Thomas Fischer aus dem DGB-Bundesvorstand aufgriff: Selbstbewusst stellte er heraus, dass gerade die Gewerkschaften und ihre Philosophie ein Mittel gegen rechtsradikale Tendenzen sind. Das Motto der Mai-Feiern stünde dafür. „Wir sind viele, wir sind eins! Mit uns wird es keine Wende der Erinnerungspolitik um 180 Grad geben“, sagte Fischer und erntete viel Applaus.

Man werde den Rechten eine klare Kante zeigen – in Zusammenarbeit mit Parteien. Das wurde mit der Wahl des Veranstaltungsortes deutlich: Am Albani-Platz verbrannten die Nazis am 10. Mai 1933 Bücher. Eine Erinnerungstafel mahnt mit einem Heinrich-Heine-Spruch von 1821: „Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ Den Albani-Platz hatte „Die Partei“ den Rechten nun als möglichen Kundgebungsort weggeschnappt, ebenfalls den Bahnhofsvorplatz, weil man eigene Veranstaltungen früh angemeldet hatte. Lothar Hanisch bedankte sich, dass in Kooperation mit der Partei das Fest am Albani ablaufen konnte.

Thomas Fischer warb auch dafür, 2017 unbedingt zu den Wahlen zu gehen. Angesprochen dabei waren besonders die jüngeren Besucher des Kultur- und Familienfestes.

Problem prekäre Arbeitsverhältnisse: Auf den Missstand wiesen Betroffene aus Göttinger Bildungseinrichtungen während der Mai-Kundgebung am Albani-Platz hin. Foto: Kopietz

Gleichzeitig mahnte er, kämpferisch für die Arbeitnehmerrechte und faire Bezahlung einzustehen. Es gehe darum, die Ost-West-Bezahlung anzugleichen, so bei den Gebäudereinigern. Und im Bauhauptgewerbe müsse weiter um den Mindestlohn gerungen werden. Generell mahnte Fischer, dass weniger Menschen Tarif-Einkommen beziehen: mittlerweile mit 49 Prozent nicht einmal die Hälfte aller. 63 Prozent seien es Ende der 90-er-Jahre gewesen. Und die Zahl der Mini-Jobs und prekären Arbeitsverhältnissen sei viel zu hoch. Die Lehrenden der Volkshochschule Göttingen standen dafür. Sie demonstrierten mit einem Transparent und fragten: „Wer übernimmt die Verantwortung?“

Doch nicht nur Probleme standen im Fokus: Manchen war die leckere Wurst und die angeregte Plauderei am Rande wichtiger als die Reden. Auch das gehört zur Mai-Kundgebung, die diesmal in Göttingen dank des Mitwirkens vieler junger Menschen aus dem Jugendbündnis einen stärkeren Fest-Charakter hatte, dafür sorgte auch die Band Eyala Music Band Hidden Light. 

51.000 Menschen haben sich nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Niedersachsen an den DGB-Veranstaltungen zum "Tag der Arbeit" beteiligt. Unter dem Motto "Wir sind viele. Wir sind eins." forderten sie mehr soziale Gerechtigkeit. "Gute Renten, gelungene Integration oder flexible Arbeitszeiten - diese Fragen treffen den Nerv der Menschen", sagte DGB-Bezirkschef Hartmut Tölle in Hannover. Die Politik müsse diese Themen unbedingt angehen, um Deutschland sozialer und gerechter zu machen.

Insgesamt veranstaltete der DGB in Niedersachsen 77 Kundgebungen. Den größten Zulauf hatte den Angaben zufolge das Gewerkschaftsfest in Hannover mit 10.000 Teilnehmenden. Hauptredner war dort Detlef Ahting von der Gewerkschaft ver.di. Rund 7.000 Menschen kamen zu einer Kundgebung in Braunschweig mit Professor Klaus Dörre von der Universität Jena. Etwa 5.500 Teilnehmer zog eine Veranstaltung in Salzgitter mit Annelie Buntenbach vom DGB-Bundesvorstand an. (tko)

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