Einweihung nach 15 Monaten Bauzeit

Mehr Licht und Klarheit in St. Michael

+
Altar aus weißem Marmor: Kirchenvorstand Hubert Schmoll, Architekt Gido Hülsmann und Jesuitenpater Manfred Hösl als Pfarrer und Cityseelsorger (von links) im komplett neu gestalteten Innenraum der katholischen Innenstadtkirche St. Michael.

Göttingen. Nach 15 Monaten Bauzeit, in der ihr Innenraum komplett umgestaltet wurde, wird die katholische Kirche St. Michael in der Göttinger Innenstadt am Sonntag, 13. September, von Hildesheims Weihbischof Hans-Günther Bongartz neu geweiht.

Die HNA fragte Pfarrer Manfred Hösl, Kirchenvorstand Hubert Schmoll und Architekt Gido Hülsmann, warum die Renovierung notwendig war und welchen Sinn die Umgestaltung hat.

War es wirklich nötig, mehr als eine Million Euro in einen Kirchenbau zu stecken? 

Darüber gab es in der Tat Diskussionen, weil der Papst so bescheiden ist, wegen der Vorfälle in Limburg und weil Sankt Michael traditionell eine sehr soziale Gemeinde ist, eine 68er Gemeinde. Aber die Mauern der Apsis mussten abgefangen werden, weil die Setzrisse immer größer wurden. Und bei einer Kirche, die von 7 bis 20 Uhr geöffnet ist, müssen die Heizkosten bezahlbar bleiben. Deshalb wurde eine Fußbodenheizung mit Warmluftheizung kombiniert. Außerdem musste nach 50 Jahren die Elektro-Installation erneuert werden, und die Beleuchtung wurde komplett auf energiesparende LED-Leuchten umgestellt. Im Zusammenhang mit der Hildesheimer Dom-Renovierung stellte das Bistum auch 800.000 Euro für St. Michael als eine weitere Kirche zur Verfügung.

Was zeichnet den neuen Innenraum aus? 

Weniger ist mehr. Raum, Licht, Klarheit. Die Kirche sollte heller werden. Altarinsel und Taufbecken sind aus weißem Marmor, Fenster-Umrandungen und die Altar-Rückwand aus grünlichem Alabaster, der Fußboden ist aus grauem Lava-Basalt. Die neuen Sitzbänke sind weiß lackiert und transportabel.

Was ist mit dem alten Inventar geschehen? 

Der alte Altar steht jetzt im Innenhof. Die früheren Kirchenbänke stehen jetzt im polnischen Olawa (Ohlau), wo eine Kirche ausgebrannt war. Einen von zwei Beichtstühlen hat eine Gemeinde bei Goslar übernommen.

Ist die schlichte Innenraumgestaltung ein Dauerzustand? 

Nein. Die Kirche sieht immer wieder anders aus. In der Passionszeit wird ein mobiler Kreuzweg installiert. In Marienzeiten prägt die Gottesmutter den Raum und in der Advents- und Weihnachtszeit wird auch wieder die ebenso bekannte wie beliebte Krippe aufgestellt. Die italienische Gemeinde pflegt weiter ihre Madonnenverehrung in St. Michael. Am Valentinstag (14. Februar) erstrahlt die Kirche in rot und am St.-Patricks-Day (17. März) ist sie erfüllt von grünen Luftballons und irischen Liedern.

Bleibt die Marienecke erhalten? 

Ja. Mit einer Besonderheit. Damit die komplett erneuerte Orgel keinen Schaden nimmt, wenn durchschnittlich 600 Kerzen pro Woche angezündet werden, wird der Kerzenruß ausgefiltert und die Abwärme der Raumheizung zugeführt.

Spricht St. Michael nur aktive Katholiken aus der Innenstadtgemeinde an? 

Nein. St. Michael ist die einzige Kirche im Bistum Hildesheim, die in einer Fußgängerzone liegt. Deshalb wird sie auch von vielen Passanten, Touristen und auch Nichtgläubigen aufgesucht, die dort beten oder einfach einen Moment der Ruhe genießen wollen. Schon der frühere Hildesheimer Bischof Josef Homeyer († 2010) wusste das zu schätzen: „In dieser Kirche bist du nie allein.“

www.samiki.de

St. Michael in Zahlen

1789 wurde St. Michael als erste katholische Kirche in Göttingen nach der Reformation als schlichtes Bethaus geweiht, damit katholische Studenten und Soldaten ihren Glauben pflegen konnten. Apsis und Turm wurden erst später angebaut.

1.050.000Euro kostete die Erneuerung. 800.000 Euro kamen vom Bistum, den Rest brachte die Gemeinde auf. Die kalkulierten Kosten wurden fast eingehalten.

15 Monate, von Pfingsten 2014 bis September 2015, dauerte der Umbau. Bis auf die Christmette 2014 auf der Baustelle genoss die Gemeinde St. Michael Kirchenexil in der evangelischen St. Nikolai- und der katholischen St. Pauluskirche. Werktagsgottesdienste fanden im Gemeindesaal statt.

450bis 600 Gläubige besuchen an einem normalen Sonntag die angebotenen fünf bis sieben Gottesdienste. Weihnachten und Ostern sind es wesentlich mehr.

178 Sitzmöglichkeiten bieten die Kirchenbänke, die bei Bedarf umgestellt werden können. Zusätzlich können 100 Stühle im 370 Quadratmeter großen Kirchenraum aufgestellt werden.

5 Jesuitenpater, unter ihnen City-Seelsorger Manfred Hösl und ein Kaplan, betreuen die Gemeinde.

3800Mitglieder zählt die Kirchengemeinde St. Michael. Etwa 17.000 Katholiken leben in der Stadt Göttingen, 30.00 im Dekanat, das bis nach Hann. Münden reicht.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.