Für Menschen mit Herzschwäche

Mehr Luft für Herzkranke: Forscher prüfen neue Behandlung

Neues Verfahren: Die Abbildung zeigt die linke Vorkammer im Herz (rechts) und den rechten Vorhof sowie unten die implantierte Spange, die den Verbindungskanal offen hält. Foto:Corvia Medical, Inc./n 

Göttingen. Eine neue Therapie könnte Menschen mit diastolischer Herzschwäche helfen.

In einer internationalen Studie haben Forscher unter Leitung des Herzzentrums der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) das neue Behandlungsverfahren überprüft.

Auswirkungen

Diabetes oder Bluthochdruck können den Herzmuskel so stressen, dass er verdickt oder versteift. Die Betroffenen leiden unter einer „diastolischen“ Herzschwäche. Dabei ist die Füllung des Herzens gestört und der Herzmuskel in der Funktion so beeinträchtigt, dass Blut in die Lunge zurückgestaut wird. Luftnot ist die Folge.

Bisher keine Therapie

Bisher gebe es für diese Form der Herzschwäche keine gesicherte Therapie, melden die Herzforscher. Um die Auswirkungen der Herzschwäche zu lindern, haben die Herzforscher ein neues Verfahren geprüft, dass den Patienten mehr Luft und damit Erleichterung im Alltag bringen soll: Mithilfe eines Herzkatheterswird dafür ein Verbindungskanal zwischen der linken und rechten Vorkammer hergestellt und durch eine implantierte Spange offen gehalten.

Dadurch fällt der erhöhte Druck in der linken Vorkammer bei verdicktem oder versteiftem Herzmuskel ab und der Rückstrom in die Lunge wird reduziert.

Katheterverfahren/Studie

Die Herzforscher konnten belegen, dass das neue Katheterverfahren sicher ist. In den ersten sechs Monaten nach Einsetzen der Spange seien bei den so versorgten Patienten der Studie keinerlei ernsthafte Komplikationen aufgetreten, heißt es. Die Betroffenen hatten weniger Beschwerden, konnten eine längere Gehstrecke zurücklegen und sich besser belasten. Die Studie, an der 64 Patienten teilgenommen haben, zeige, dass das Verfahren eine neue Behandlungsmöglichkeit darstelle, sagt Prof. Gerd Hasenfuß, Erst-Autor der Publikation Direktor der Klinik für Kardiologie und Pneumologie sowie Vorsitzender des Herzzentrums der UMG.

Prof. Gerd Hasenfuß

Weitere Studie

„Jetzt muss eine größere Studie mit einem Vergleichskollektiv von Patienten, die konventionell behandelt werden, die Überlegenheit des neuen Verfahrens zeigen. Erst dann kann das Verfahren zur routinemäßigen Behandlung von Patienten eingesetzt werden“, Hasenfuß, der hat die Studie koordiniert. Teilgenommen haben 21 Zentren aus zehn Ländern.

Stichwort: Herzschwäche

Sie ist eine der häufigsten Diagnosen bei stationären Krankenhausbehandlungen. In Deutschland leiden rund zwei von 100 Menschen unter der Erkrankung, bei der die Pumpfunktion des Herzens gestört ist. Folgen sind verminderte Leistungsfähigkeit und Luftnot.

Eine Herzschwäche kann zwei Ursachen haben: In etwa der Hälfte der Fälle ist die Auswurfleistung des Herzens gestört. Dies passiert zum Beispiel nach einem Herzinfarkt, wenn das verbleibende Herzgewebe nicht mehr ausreicht, um das Blut aus dem Herzen in den Körper zu fördern. Für diese „systolische Herzinsuffizienz“ gibt bereits wirksame Behandlungsverfahren.

Bei einer weiteren Form der Herzschwäche ist die Füllung des Herzens gestört, weil der Herzmuskel zum Beispiel infolge von Bluthochdruck oder Diabetes verdickt und versteift ist. Dadurch kommt es zum Rückstau des Blutes in die linke Vorkammer. Blut gelangt von dort in die Lunge und verursacht die Luftnot. Man spricht von „diastolischer Herzinsuffizienz“, für bislang keine gesicherte Therapie zur Verfügung steht.

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