Freiheitstrafe für 24-Jährigen

Mehr als sechs Jahre Haft für Vergewaltiger von 80-jähriger Seniorin

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Der Eingang zum Landgericht Göttingen: Hier fiel am Mittwoch das Urteil in dem Prozess gegen einen 24-Jährigen.

Göttingen. Das Landgericht Göttingen hat am Mittwoch gegen einen bereits vielfach vorbestraften 24-jährigen Mann aus Herzberg die bislang höchste Freiheitsstrafe seiner kriminellen Karriere verhängt.

Die Kammer verurteilte den Angeklagten wegen Vergewaltigung, Raub, gefährlicher Körperverletzung sowie mehrerer Diebstahlsdelikte zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und drei Monaten. Der 24-Jährige hatte im Mai dieses Jahres bei einem Wohnungseinbruch in Bad Lauterberg eine alleinstehende 80-jährige MS-kranke Frau überfallen, gewürgt, vergewaltigt und erheblich verletzt. Anschließend hatte er seine Einbruchstour fortgesetzt und war in das Haus einer weiteren allein lebenden Frau eingedrungen.

Das Gericht ging mit seinem Urteil noch über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus, die auf eine Haftstrafe von sechs Jahren plädiert hatte. Die Verteidigung hatte keinen konkreten Antrag gestellt und um eine milde Bestrafung gebeten.

Hierfür sah die Kammer allerdings wenig Anlass. Der Angeklagte, der wegen zahlreicher Einbrüche, Diebstähle und anderer Delikte bereits diverse Haftstrafen verbüßt hat, sei „ein richtiger Krimineller“, meinte der Vorsitzende Richter August-Wilhelm Marahrens. Der 24-Jährige habe wesentliche Teile seines Lebens hinter Gittern verbracht. Er hätte die Möglichkeit gehabt, in der Justizvollzugsanstalt etwas aus seinem Leben zu machen. Diese Chancen habe er nicht genutzt.

Seine letzte Haftstrafe hatte er im Oktober 2014 verbüßt. Nur fünf Monate nach seiner Entlassung verübte er einen weiteren Einbruch in ein China-Restaurant in Herzberg. Zwei Monate später drang er gegen 4 Uhr morgens in das Wohnhaus der 80-jährigen Frau in Bad Lauterberg ein. Diese hatte den Einbrecher jedoch bemerkt und wollte die Polizei rufen. Daraufhin stieß er sie zu Boden, würgte und vergewaltigte sie.

Warum er sich zu dieser brutalen Sexualstraftat hinreißen ließ, blieb allen Prozessbeteiligten bis zum Schluss ein Rätsel. Auch der psychiatrische Sachverständige konnte sich die Tat nicht erklären. Der Angeklagte sei bis dahin in erster Linie durch routinemäßig verübte Einbrüche aufgefallen, die Vergewaltigung falle „völlig aus der Reihe“. Die 80-Jährige hatte vor Gericht als Zeugin ausgesagt und geschildert, welche Todesängste und Schmerzen sie ausstehen musste. „Das war kein Mensch, das war ein Schwein“, sagte sie.

Geständnis des Angeklagten

Das Gericht hielt dem Angeklagten zugute, dass er ein Geständnis abgelegt hat. Zudem sei nicht auszuschließen, dass er durch Alkohol- und Drogenkonsum in seiner Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt gewesen sei. (pid)

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