Göttinger Polizei warnt

Mehr Verletzte bei Unfällen mit Wildtieren im Landkreis Göttingen

Göttingen/Hann. Münden. Durch Wildunfälle wurde deutlich mehr Verkehrsteilnehmer im Landkreis Göttingen verletzt. Dabei ging die Zahl der Unfälle leicht zurück.

Weil in der aktuell laufenden Erntesaison besonders viele Wildunfälle passieren, warnt die Polizei vor den von vielen Verkehrsteilnehmern unterschätzten Gefahren.

„Hatte es 2015 in unserem Zuständigkeitsbereich bei 846 registrierten Wildunfällen noch 14 Leicht- und einen Schwerverletzten gegeben, so waren es im vergangenen Jahr 31 Leicht- und sechs Schwerverletzte“, sagt Verkehrssicherheitsberater Jörg Arnecke von der Polizeiinspektion (PI) Göttingen.

Die höchste Steigerungsrate habe es dabei im Bereich des Polizeikommissariats Hann. Münden gegeben, wo 2016 nicht weniger als 16 Menschen leicht verletzt wurde (13 mehr als im Vorjahr) und drei schwer (2015 kein einziger). „Natürlich spielt in dieser Statistik der schwere Unfall bei Hedemünden eine gewichtige Rolle, bei dem vier Autos aufeinander fuhren, nachdem ein Reh die Fahrbahn überquert und der erste Fahrer eine Notbremsung gemacht hatte“, sagte Arnecke. Dabei seien allein elf Menschen verletzt worden, zwei davon schwer. Selbst wenn man diesen außergewöhnlich schweren Wildunfall jedoch herausrechne, zeige die Statistik eine deutliche Tendenz nach oben – und das in allen Bereichen der Polizeiinspektion Göttingen.

Zwei Unfallschwerpunkte liegen dabei im Altkreis Münden – und zwar entlang der Weser an der L 561 zwischen Gimte und Oedelsheim sowie im gesamten Schedetal. „Das liegt vor allem daran, dass diese Gegenden den höchsten Waldanteil im gesamten Landkreis haben“, betont Kreisjägermeister Axel Eichendorff. „Hauptursächlich für Wildunfälle sind nicht angepasste Geschwindigkeit, mangelhafter Sicherheitsabstand sowie Unkenntnis über die Verhaltensweisen von Tieren“, sagt Verkehrssicherheitsberater Arnecke. (per)

„Wildunfälle passieren zu jeder Tages- und Nachtzeit und an jedem Ort, besonders häufig aber zur Paarungszeit der Tiere und zur derzeit stattfindenden Erntesaison“, warnt Verkehrssicherheitsberater Jörg Arnecke von der Polizeiinspektion (PI) Göttingen.

Bei 95 Prozent solcher Unfälle entstünden Sachschäden, bei fünf Prozent kämen auch Personen zu Schaden.

Was die Schadensregulierung angehe, zahle die Teilkaskoversicherung nur dann, wenn der Wildunfall belegt werden könne – etwa durch Haare oder Fell des beteiligten Tieres. „Als Haarwild gelten nach dem Bundesjagdgesetz Rehe und Hirsche, Wildschweine, Hasen, Füchse, Dachse und Waschbären“, erklärt Kreisjägermeister Axel Eichendorff. Allein in Niedersachsen hätten im vergangenen Jahr 29 085 Wildunfälle die Versicherer knapp 73 Millionen Euro gekostet.

Wie groß die Gefahr eines Wildunfalls ist, zeigt die Statistik der PI Göttingen. Von 7219 registrierten Verkehrsunfällen im Jahr 2016 waren 846 Wildunfälle. „Und wir gehen davon aus, dass beinahe doppelt so viele Unfälle gar nicht gemeldet werden“, verweist Arnecke auf eine hohe Dunkelziffer. „Viele fahren gerade nach Zusammenstößen mit Hasen, Füchsen oder Mardern einfach weiter, wenn kein Schaden an ihrem Auto entstanden ist.“

Dass man sich damit jedoch strafbar macht und eine Geldstrafe oder sogar eine Gefängnisstrafe von bis zu drei Jahren riskiert, sei den meisten in dieser Situation gar nicht bewusst – oder schlichtweg egal. „Aus Tierschutzgründen ist es enorm wichtig, dass jeder Unfall gemeldet wird“, betont Axel Eichendorff.

Er ergänzt: „Nur so kann das Tier schnellstmöglich gefunden und von seinen Qualen erlöst werden.“

Damit es erst gar nicht zu einem Wildunfall kommt, haben Polizei und Jägerschaft einen Maßnahmenkatalog erstellt. „Sobald das Verkehrszeichen Wildwechsel auftaucht, sollte man den Fuß vom Gas nehmen, die Fahrbahnränder besonders beachten und stets mit Wildwechsel rechnen“, sagt Jörg Arnecke.

Wenn tatsächlich Wild auftaucht: Nicht ausweichen, stark und kontrolliert abbremsen, Fernlicht sofort abblenden, hupen und zur Warnung des nachfolgenden Verkehrs die Warnblinkanlage einschalten. „Ist es dennoch zu einem Unfall gekommen, sollten die Unfallstelle abgesichert und eventuell verletzte Personen versorgt werden“, macht Arnecke deutlich.

Verletzte Tiere sollten dagegen nicht angefasst werden. „Es kann in Panik geraten und dann ist die Verletzungsgefahr für den Menschen groß“, warnt Axel Eichendorff.

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