Meister der Klezmer-Musik und Brückenbauer

Giora Feidman überzeugte bei „Klezmer meets Jazz“

Klezmer meets Jazz: (von links) Guido Jäger (Kontrabass), Reentko Dirks (Gitarre), Giora Feidman (Klarinette) und Stephan Braun (Jazz Cello). Foto: Barann
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Klezmer meets Jazz: (von links) Guido Jäger (Kontrabass), Reentko Dirks (Gitarre), Giora Feidman (Klarinette) und Stephan Braun (Jazz Cello).

Göttingen. Der Altmeister der Klarinette Giora Feidman und seine drei jungen Mitmusiker der „Giora Feidman Jazz Experience“ zauberten mit ihrer  Mischung aus Klezmer und Jazz wärmende Strahlen in die Gesichter der vollbesetzen Göttinger Johanniskirche.

Fast mystisch beginnt es, als Feidman, wie aus dem Jenseits kommend, sehr langsam und sehr leise, nur allmählich etwas lauter werdend „Bei mir bistu shein“ intonierend durch den Mittelgang auf die Bühne geht. Guido Jäger (Kontrabass), Reentko Dirks (Gitarre) und Stephan Braun (Jazz Cello) warten dort bereits, still und in sich versunken.

Kaum ist der 77-jährige Feidman auf der Bühne angekommen, entfächern alle vier ein emotionsgeladenes musikalisches Menü auf höchstem Niveau aus Swing, Klezmer und Jazz und überzeugen mit Virtuosität und Experimentierfreude während der fast zwei Stunden. Spielerisch bewegen sie sich mit ihrer Musik umeinander, ergänzen, feuern sich an, treten in einen Austausch miteinander und erzählen damit gleichsam dem Publikum Geschichten von großer Lebensfreude. Und wenn Feidman dann noch zur Bassklarinette greift, möchte man fast weinen.

Doch es ist nicht nur Feidman, der das Konzert zum Erlebnis macht. Jäger, Dirks und Braun erweisen sich trotz ihrer jungen Jahre als Meister an ihren Instrumenten und ebenbürtig. Mit ihren frischen Improvisationen verleihen sie bekannten Melodien wie „Somebody loves me“ oder „Dance me to the end of love“ ganz neue und zum Teil fetzige Zwischentöne. Und sie überzeugen mit beeindruckenden eigenen Kompositionen: viel Zwischenapplaus. Wobei der in Bad Gandersheim aufgewachsene und in der Region bekannte Reentko Dirks noch einen kleine Heimvorteil für sich verbuchen konnte.

„Klezmer“ und „Jazz“ sind bei diesem Konzert nur Orientierungspunkte, zwischen denen sich die Mischungen unterschiedlichster Stilrichtungen bewegen. Feidman, der die jiddische Volksmusik in den über 50 Jahren seiner Bühnentätigkeit weltweit bekannt gemacht hat, erweist sich erneut als Brückenbauer zwischen den Kulturen und Religionen. Der Auftrittsort Kirche ist dabei bewusst gewählt.

Feidmans Flirt mit dem Jazz ist überaus gelungen. Ohne Zugabe, bei der Feidman „Summertime“ aus Porgy and Bess anstimmt und das Jäger, Dirks und Braun frech aufnehmen, durften die vier swingenden Klezmer-Jazzer nicht von der Bühne. Schade, dass der dichte Tourplan sie nicht noch einmal in die Nähe führt.

Von Carmen Barann

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