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Menschenrechtler besucht im Vorfeld der Fußball-WM den Golfstaat Katar

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Von: Michael Caspar

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Hohes Unfallrisiko: 100 bis 400 Euro im Monat verdienen ausländische Arbeiter auf den gefährlichen Baustellen in Katar.
Hohes Unfallrisiko: 100 bis 400 Euro im Monat verdienen ausländische Arbeiter auf den gefährlichen Baustellen in Katar. © Sido/nh

„Deutschland sollte Distanz zu Katar halten“, fordert der Göttinger Menschenrechtler Dr. Kamal Sido mit Blick auf die Fußball-WM. „Katar unterstützt zudem die terroristische Al-Qaida, die ideologische Bezüge zur Muslimbruderschaft hat“ sagt er.

Göttingen – Die Welt wird zwangsläufig im November und Dezember nach Katar blicken: Dann findet dort die – umstrittene – Fußball-Weltmeistgerschaft statt.

Der Göttinger Menschenrechtler Dr. Kamal Sido von der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) fordert: „Deutschland sollte Distanz zu Katar halten“, fordert Dr. Kamal Sido auch in Bezug auf geplante Flüssiggaslieferungen aus dem Golfstaat. Katar gehöre außerdem zu den weitweit wichtigsten Finanziers des Islamismus.

„Von Katar aus sendet seit 1996 der Fernsehsender Al-Dschasira, die Stimme der Muslimbruderschaft, der ältesten islamistischen Gruppierung“ berichtet Sido nach einem einwöchigen Besuch des Golfstaats.

„Katar unterstützt zudem die terroristische Al-Qaida“

Das geistige Oberhaupt des in der arabischen Welt verzweigten Netzwerks, Yusuf Qaradawi, lebe in Katar. Zur Muslimbruderschaft gehöre unter anderem die Hamas, die regelmäßig von Gaza-Streifen aus Israel angreife.

„Katar unterstützt zudem die terroristische Al-Qaida, die ideologische Bezüge zur Muslimbruderschaft hat“, erläutert Sido. Auch der Islamische Staat, der anfangs zu Al-Qaida gehört habe, bekomme Hilfe aus Katar.

Ein wichtiger Bündnispartner des Golfstaats und der Muslimbrüder sei die Türkei unter ihrem derzeitigen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Es war nicht einfach mit Menschen in Katar ins Gespräch zu kommen

„Katar selbst wird von der Al-Thani-Dynastie autoritär regiert“, berichtet Sido aufgrund eigener Recherchen und Erlebnisse im Land. Es sei nicht einfach gewesen, mit den eingeschüchterten Menschen in Katar ins Gespräch zu kommen.

Die Arbeit in dem – durch Erdgas reich gewordenen – Golfstaat werde überwiegend von Ausländern erledigt, die bis 90 Prozent der 2,7 Millionen Einwohner ausmachten.

Die Dynastie bevorzuge Menschen aus nicht arabischen Ländern – insbesondere vom indischen Subkontinents, von den Philippinen, aus West- und Ostafrika sowie Zentralasien. Wer seine Arbeit verliere, müsse das Land umgehend verlassen.

Warnt: Kamal Sido war in Katar.
Warnt: Kamal Sido war in Katar. © Michael Caspar

Arbeitsbedingungen auf den Stadien-Baustellen sind brutal

Das Bürgschaftssystem, bei dem Arbeitsmigranten ihren Pass beim Arbeitgeber hinterlegen mussten, sei im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft auf Druck internationaler Gewerkschaften offiziell abgeschafft worden.

Kritik war auch bezüglich der Arbeitssicherheit auf den Stadion-Baustellen laut geworden. Sidos Eindruck: „Die Arbeitsbedingungen auf den Stadien-Baustellen sind brutal.“

Das hätten ihm dort Beschäftigte berichtet. Für 100 bis 400 Euro im Monat schufteten die Menschen rund um die Uhr bei glühender Hitze. Pausen gebe es kaum. Menschen fielen von Gerüsten oder gerieten in Maschinen.

Laut Schätzungen habe es bisher bis zu 15 000 Tote gegeben. Nach internationalen Protesten habe sich die Situation etwas verbessert.

Viele Christen können ihre Religion nicht ausleben

„Die vielen Christen unter den Migranten können ihre Religion nur unter Einschränkungen ausüben“, berichtet Sido weiter. Er besuchte auch das katholische Gotteshaus einer philippinischen Gemeinde, das von außen nicht als Kirche zu erkennen war.

Er musste lange herumfragen, bis er es in einem entlegenen Vorort der Hauptstadt Doha fand. Hindus dürften ihre Religion dort nicht praktizieren.

Mit Sorge erfüllt den Menschenrechtler Kamal Sido, dass Deutschland auf der Suche nach Alternativen zu russischem Erdgas nun in großem Stil Flüssiggas aus Katar beziehen will.

Statt die russische Aggression in der Ukraine werde Deutschland künftig islamistischen Terror finanzieren, warnt Dr. Kamal Sido. (Michael Capar)

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