Urteil des Landgerichts

Nach Messerattacke in Göttingen: 41-Jähriger muss in Psychiatrie

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Zwischenfall: In diesem Bekleidungsgeschäft in der Göttinger Innenstadt kam es zu der Messerattacke.

Fünf Monate nach Beginn des Prozesses um eine Messerattacke in einem Bekleidungsgeschäft in der Göttinger Fußgängerzone hat das Landgericht am Mittwochnachmittag das Urteil verkündet.

Die Kammer verurteilte einen 41-jährigen Mann aus Göttingen zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten. Außerdem ordneten die Richter seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an, weil der Angeklagte an einer wahnhaften Störung leide.

Der aus der Türkei stammende Angeklagte habe Ende Januar in dem Modemarkt einen 27-jährigen Mann aus Göttingen unvermittelt angegriffen und mit acht Messerstichen schwer verletzt. Entgegen der ursprünglichen Anklage sei die Tat allerdings nicht als versuchter Mord, sondern als gefährliche Körperverletzung einzustufen.

Das Gericht blieb mit seinem Urteil deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die auf eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und neun Monaten sowie Unterbringung in der Psychiatrie plädiert hatte. Die Verteidigung hatte eine Freiheitsstrafe von höchstens vier Jahren sowie ebenfalls die Unterbringung im Maßregelvollzug beantragt. Der Vertreter der Nebenklage hatte dagegen gefordert, den Angeklagten wegen versuchten Mordes zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren zu verurteilen.

Vor der Messerattacke sei es bereits im Mai 2017 zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Nebenkläger und dem 41-Jährigen um eine Portion Pommes gekommen. Der Angeklagte sei auf den 27-Jährigen losgegangen, habe ihn zu Boden gebracht und getreten. Dieser habe sich gewehrt und dabei dem 41-Jährigen einen Schlag ins Gesicht versetzt. Anschließend habe es eine Aussprache gegeben.

Der Nebenkläger sei davon ausgegangen, dass die Sache damit erledigt sei. Für den 41-Jährigen sei der Vorfall jedoch der Auftakt zu weiteren Auseinandersetzungen gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Tobias Jakubetz. Der Angeklagte habe einen Wahn entwickelt. Einige Monate später habe er bei einer Begegnung in Rosdorf dem 27-Jährigen die Hand gegeben, ihn zu sich herangezogen und ihm gesagt: „Ich hab dich nicht vergessen, ich krieg dich noch.“

Zufällige Begegnung

Im Januar sei es dann zu einer weiteren zufälligen Begegnung in dem Modeladen in Göttingen gekommen. Der 27-Jährige habe den Notruf gewählt, aber gleich wieder aufgelegt, weil er sich nicht sicher gewesen sei, ob er den 41-Jährigen tatsächlich gesehen hatte. 

Der Angeklagte habe sich durch den Griff zum Telefon bedroht gefühlt, weil er gedacht habe, dass der 27-Jährige Verstärkung herbeirufen wollte. Er habe diesem dann unvermittelt mit einem Messer acht Stiche in den Oberschenkel, die Hüfte und die linke Brustseite versetzt. Der 27-Jährige habe sich trotz der potentiell lebensbedrohlichen Verletzungen noch auf die Straße geschleppt. Der Angeklagte sei ihm „unter den Augen der Göttinger Bevölkerung“ in gleich bleibendem Abstand gefolgt, bis er festgenommen wurde.

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