Prozess vor dem Landgericht Göttingen

Metallschrottbetrug in Görringen: 56-Jähriger erhält Bewährungsstrafe

Göttingen. Vor dem Landgericht Göttingen ist der zweite Prozess um groß angelegte Betrügereien mit Metallschrott zu Ende gegangen.

Die Kammer verurteilte einen 56-jährigen Kraftfahrer wegen gewerbsmäßigen Betruges zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Seine mitangeklagte 52-jährige Ehefrau wurde frei gesprochen.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem 56-Jährigen vorgeworfen, mit zwei bereits verurteilten Mittätern ein Unternehmen aus dem Kreis Göttingen um mehr als 270.000 Euro betrogen zu haben.

Der Angeklagte hatte zu Prozessbeginn die Vorwürfe eingeräumt. Seine Ehefrau habe dagegen nur die Buchhaltung gemacht und nichts von den Manipulationen gewusst.

Der geschädigte Gewerbebetrieb hatte jahrelang durch die von den Angeklagten betriebenen Metallhandelsfirmen große Mengen Metallschrott von seinen Standorten in Südniedersachsen und Nordhessen abholen lassen. Im Herbst 2015 erstattete das südniedersächsische Unternehmen Strafanzeige, weil es Hinweise auf Manipulationen gab. Bei einer Durchsuchung stieß die Polizei auf zwei präparierte Container, in deren Boden eine schwere Stahlplatte eingeschweißt war. Diese hatten die Angeklagten den Ermittlungen zufolge immer dann eingesetzt, wenn sie erstmals zu einem Betriebsstandort ihres Auftraggebers fuhren. Bei den weiteren Abtransporten wurden dann „normalgewichtige“ Container verwendet.

Der Trick dabei: Die Lastwagen wurden meist nur beim ersten Einsatz auf dem Betriebsgelände im Leerzustand gewogen. Danach wurde der Lastwagen nur noch beladen gewogen, wenn er das Gelände verließ. Da beim ersten Wiegen aufgrund der Manipulationen ein deutlich höheres Leergewicht gespeichert worden war, wurde die Ladung der „normalen“ Container jeweils zu niedrig berechnet.

Insgesamt wurden mehr als 1100 Tonnen Altmetall abtransportiert, für die das südniedersächsische Unternehmen keinen Cent erhielt. Die Angeklagten hatten die Metalle dann gewinnbringend weiterverkauft.

Bereits im Mai hatte das Landgericht in einem ersten Prozess einen 52-jährigen Betreiber einer Metallhandelsfirma zu dreieinhalb Jahren Haft wegen Betruges in 189 Fällen verurteilt. Seine 46-jährige Ex-Lebensgefährtin erhielt eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Der zweite Prozess ging viel schneller zu Ende, weil die Verfahrensbeteiligten eine Verständigung getroffen hatten.

Rubriklistenbild: © Kopietz

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