Wenig günstige Wohnungen

Mieten in Göttinger Nordstadt um 13 Prozent gestiegen

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Wohnbebauung in der Nordstadt von Göttingen: Verdichtetes Wohnen in Altbauen. Hier ein Beispiel für sanierte Altbauten im Bereich Goßlerstraße/Kreuzbergring in unmittelbarer Nähe zum Uni-Campus.

Göttingen. Die Mieten in Göttingen steigen weiter: Mitte des Jahres lagen der durchschnittliche Mietpreis im Stadtgebiet bei 9,70 Euro pro Quadratmeter.

Das waren im Vergleich zum Vorjahr 4,2 Prozent mehr, wie das marktunabhängige Geographische Institut Göttingen ermittelt hat.

21,1 Prozent Teurer

„Damit hat sich die Steigerungsrate seit dem vergangenen Jahr etwas verlangsamt, die Dynamik hält aber weiter an“, fasst Michael Mießner zusammen. Aber: Zwischen 2013 und 2016 ist die Durchschnittsmiete um 21,1 Prozent gestiegen.

Teures Pflaster Nordstadt

Der teuerste Stadtteil ist und bleibt die Nordstadt. Der Angebotsmietpreis ist dort am höchsten. Grund: Die Wohnungen sind hier oft klein, das treibt den Preis. In der Nordstadt wohnen anteilsmäßig viele Studenten - in meist kleinen Appartements. Sie zahlen im Schnitt 13,57 Euro pro Quadratmeter. Und: Die Mieten sind in der Nordstadt am stärksten gestiegen: um 13 Prozent in einem Jahr. Teuer ist die Miete im Durchschnitt auch in Weende, in der Innenstadt und in der Oststadt. Dort sind auch die Grundstückspreise am höchsten.

Höchste Mietsteigerungen

Neben der Nordstadt verzeichneten weitere starke Mietverteuerungen folgende Stadtteile: Weststadt (plus 12 Prozent), Oststadt (plus 10 Prozent) und Grone (9 Prozent). Das zeigt: die Stadtteile Grone und Weststadt mit noch geringen Durchschnittsmieten von etwa 8 Euro/Quadratmeter nähern sich anderen Stadtteilen an. Grund: Vermieter wittern auch hier eine bessere Rendite. Problem: In besagten Stadtteilen wohnen auch mehr Menschen mit geringen Einkommen.

Knapper Wohnraum

Die Geographie-Studierenden konnten in ihrer Erhebung auch zeigen: Es gibt immer weniger günstige Wohnungen in Göttingen: Kosteten 2013 etwa 43 Prozent der Wohnungsangebote maximal 7,49 Euro/Quadratmeter, waren es im Sommer 2016 weniger als 15 Prozent. Fazit: Bezahlbarer Wohnraum auch für Geringverdiener in Göttingen wird sehr knapp. „Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden“, heißt es in der Studie des Geographischen Instituts.

Ursache für Mietanstieg

Im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise gelten Immobilien als sichere Kapitalanlage. Zunächst wurde von externen Unternehmern in Großstädten und Ballungszentren investiert, zunehmend aber auch in Universitätsstädten und Regionalzentren - wie Göttingen. Das tun aber auch Privatinvestoren. Das Angebot wird so knapper und teurer.

Grüne empört über Wohnungsbaupläne

Die Stadtfraktion der Grünen ist empört - über die Planungen zur Wohnbebauung in Göttingen, wo statt bezahlbaren Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen vor allem hochpreisige Mietwohnungen und Eigenheime gebaut werden sollen, so im Sartorius-Quartier in der Nordstadt und auf dem ehemaligen Huhtamaki-Gelände in Weende.

Dirk-Claas Ulrich vom Grünen-Stadtvorstand hält die Ankündigungen der Stadtverwaltung, das Sartorius-Quartier nach § 34 Baugesetz entwickeln zu lassen - also ohne eine Festlegung, Sozialwohnungen bauen zu müssen - für einen schlechten Witz.

Es sei ein Fehler, dem Käufer und Entwickler des Quartiers, dem Team Hamburg, keine Vorgaben zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums zu machen, sagt Thomas Harms. In Nachverhandlungen müsse sich Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler dafür stark machen, „dass ein Teil der Wohnungen für nicht mehr als 8,50 Euro warm vermietet werden“, so Harms.

Horst Roth, Grünen-Ortsratsmitglied in Weende kann es nicht glauben: „Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum und bauen gerade diesen nicht. Wir verschwenden knappen Raum für flächenfressende Einzelhausbebauung beim Huhtamaki-Gelände und treiben damit die Bodenpreise für alle übrigen Flächen noch weiter in die Höhe.“

Was aber schlagen die Grünen vor? Sie wollen eine Verdopplung der Fläche für Geschosswohnungsbau auf dem Huhtamaki-Gelände erreichen und damit die Zahl der bezahlbaren Wohnungen deutlich erhöhen. Für das Sartorius-Quartier fordern sie einen Anteil von Sozialwohnungen.

Und: Generell sollen verbindlich Quoten für bezahlbaren und sozialen Wohnungsbau in allen Wohnbauvorhaben in Göttingen vorgeschrieben werden. Land und Bund müssten zudem den sozialen Wohnungsbau endlich angemessen fördern und eine neue Wohnungsgemeinnützigkeit einzuführen - nur so könne bezahlbarer Wohnraum entstehen.

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Linke und CDU fordern Sozialwohnungen auf neuem Sartorius-Quartier

 

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