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Städtischer Integrationsrat besorgt über Impfverweigerer unter Zuwanderern in Göttingen

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Von: Michael Caspar

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Ein eher ärmlich aussehender Hochhaus-Komplex in Göttingen.
Hinweis des städtischen Integrationsrates: Viele Migranten in Göttinger Problemimmobilien wie dem Gebäudekomplex an der Groner Landstraße 9 sind ungeimpft. © Michael Caspar

Unter den Migranten aus der Ost- und Südosteuropa gibt es viele Impfgegner und Corona-Leugner. Darauf hat der Göttinger Integrationsrat aufmerksam gemacht.

Göttingen – „Wieso lässt du dein Kind töten?“, wollten Zuwanderer von Irina Schnar, der Vorsitzenden Integrationsrats, wissen, als diese es zum Impfen brachte. Eine erstaunliche Anzahl von Menschen aus der früheren Sowjetunion und vom Balkan hielten das Virus für ungefährlicher als die Impfung, berichtet sie.

Nicht wenige seien überzeugt, dass mit der Impfung zur Bevölkerungsdezimierung diene oder ihnen ein Computerchip eingepflanzt werde, um sie besser zu kontrollieren.

Diese „Kenntnisse“ schöpften die Menschen unter anderem aus russischen Quellen, hat Schnar erfahren. „Erschreckend viele“ Russlanddeutsche ständen der AfD nahe, Migranten liefen zum Teil bei „Spaziergängen“ gegen die Corona-Maßnahmen mit. Das habe nichts mit fehlenden Sprachkenntnissen zu tun, betont die Vorsitzende. Die meisten Corona-Leugner sprächen wie sie fließend Deutsch.

„Auf der anderen Seite gibt es aber auch Studierende aus Russland, die sich in Deutschland sofort gegen Corona impfen lassen“, stellt Schnar klar. Die gebildeten jungen Menschen misstrauten dagegen dem russischen Impfstoff Sputnik.

„Große Widerstände“, so die Vorsitzende, gibt es bei Menschen aus Ost- und Südosteuropa gegen eine Impfpflicht. Einige setzten die eigenen Kinder unter Druck, sich nicht impfen zu lassen, auch wenn diese dann ihre Ausbildungsplätze im Gesundheitsbereich verlieren würden.

Unbeeindruckt von der Pandemie zeigen sich südosteuropäische Roma, die in Göttinger Problemimmobilien wie der Groner Landstraße 9 oder dem Hagenweg 20 leben, berichtet Integrationsratsmitglied Andrei Gaju.

Viele Roma hegten gegenüber Fremden Misstrauen, seien es nun Mitarbeitende der Stadtverwaltung oder Ärzte, hat er beobachtet. Einige Roma würden sich bewusst nicht impfen lassen. Die Verwaltung lasse sie dann „in Ruhe“, sie müssten weder an Integrationskursen teilnehmen, noch Arbeitsangebote annehmen.

Einer Impfung würde mancher Roma am Ende zustimmen, wenn er eine „Gegenleistung“ erhalte, meint Gaju. In seiner Heimat Rumänien habe ein Bürgermeister ein Grillfest für alle die ausgerichtet, die sich vorher hätten impfen lassen – mit großer Resonanz.

In der Flüchtlingsunterkunft an der Europaallee seien fast alle der 200 Bewohner geimpft – auch die Spätaussiedler, gibt Integrationsratmitglied Firas Alderi zu bedenken.

Die einzelnen Migratengruppen ständen dort miteinander im Austausch. „Bei den Afrikanern ist die Impfbereitschaft nämlich hoch“, weiß Enock Chido Muswizu aus Simbabwe.

Das gelte auch für Lateinamerikaner, stellt Gustavo Moreno Morales klar, ein gebürtiger Kolumbianer. Fazit des Integrationsrats: Mehrsprachige Vertrauenspersonen sollen Migranten aufklären.

Er macht außerdem auf ein anderes Problem aufmerksam: Mit der Pandemie hat der Rassismus zugenommen. (Michael Caspar)

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