Millionen für Bergbaumünzen aus dem Harz

Zwei der edlen Münzen aus dem Harz: Sie kamen in London unter den Hammer und brachten Rekordsummen ein. Foto: pid

Göttingen/Goslar. Die erste Auktion von Einzelstücken aus dem Münzkabinett der einstigen Preussag hat ein Rekordergebnis in Millionenhöhe gebracht.

Bei der Versteigerung in London erzielte das Osnabrücker Auktionshaus für die 544 Lose aus der weltweit größten Sammlung von Bergbaumünzen einen Gesamterlös von knapp neun Millionen Euro. Die ursprüngliche Schätzung hatte bei 2,5 Millionen Euro gelegen.

Das teuerste Stück der Auktion war der goldene „Jakobs-Löser zu 20 Goldgulden“ aus 1625. Die Münze, die in Goslar oder Zellerfeld geprägt wurde, brachte den Rekordpreis von 650.000 Pfund Sterling ein – umgerechnet sind das mehr als 900.000 Euro. Der ursprüngliche Schätzwert lag bei 150.000 Pfund.

Das sei die teuerste Münze, die man jemals versteigert habe, teilte das Auktionshaus mit. Die Münze zeigt den Apostel Jakobus mit Pilgerstab und Buch auf blumenbewachsenem Boden. Laut Katalog ist die Goldmünze von „allergrößter Seltenheit“ und das einzige Exemplar, das sich in Privatbesitz befindet. Prunkstück bei den Bergbauprägungen war ein 10-Dukaten-Stück aus dem Jahr 1648 von Ferdinand III. Hier fiel der Hammer bei einer Summe 260.000 Pfund Sterling (rund 360.000 Euro). Taxiert war die Münze mit 100.000 Pfund.

Die einzigartige Sammlung, zu der Prägungen von Münzstätten aus den Bergwerken im Harz gehören, war nach dem Zweiten Weltkrieg im Auftrag der Preussag AG zusammengetragen worden. Die TUI AG ist die Rechtsnachfolgerin des einstigen Staatskonzerns. Im Frühjahr hatte der Touristikkonzern die aus 10.000 Exponaten bestehende Sammlung an das Auktionshaus in Osnabrück verkauft. Kurz darauf wurde sie nach London geschafft.

Das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur hatte noch versucht, die Ausfuhr zu verhindern, indem es ein Verfahren einleitete, um das Münzkabinett in das Verzeichnis wertvollen Kulturgutes eintragen zu lassen. Der Vorstoß kam zu spät, die Sammlung war bereits im Ausland und somit dem staatlichen Zugriff entzogen.

Der Verkauf hatte vor allem im Harz heftige Kritik hervorgerufen. Der Direktor der Stiftung UNESCO-Welterbe Harz und Geschäftsführer der Weltkulturerbe Erzbergwerk Rammelsberg Goslar GmbH, Gerhard Lenz, nannte den millionenschweren Verkauf durch die TUI einen „herben Verlust für Niedersachsen und das Harzer Weltkulturerbe“.

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